Karriere : Vom Praktikum zum Job – Was Akademiker beachten müssen

Marc Herwig[dpa]

Ein Praktikum nach dem Studium kann ein Türöffner sein, wenn reguläre Jobs rar gesät sind. Frustrierend wird es allerdings, wenn man als billige Arbeitskraft ausgenutzt wird. „Ich kann die Enttäuschung nachvollziehen, wenn man gezwungen ist, nach dem Studium noch ein kostenloses Praktikum zu machen“, sagt der Bewerbungsberater Gerhard Winkler aus Berlin. „Aber so traurig und ungerecht es ist, wenn Firmen die Zwangslage von Jobsuchenden ausnutzen - es bleibt einem oft gar nichts anderes übrig.“

Jessica Heyser vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) sieht das anders. Sie empfiehlt Uni-Absolventen mehr Selbstbewusstsein gegenüber Arbeitgebern. „Ein Praktikum nach dem Studium sollte man nur machen, wenn man gar keinen anderen Ausweg weiß.“ Laut einer Studie der gewerkschaftsnahen Hans Böckler Stiftung aus dem Jahr 2007 machen 37 Prozent der Absolventen nach dem Studium noch ein Praktikum. Vor allem in Kreativberufen ist ein langer Atem nötig, um den ersehnten Job zu bekommen. Das gilt für Kultureinrichtungen wie Museen, aber auch die Medien und die PR-Brache.

Gerade kreative Köpfe sind oft hochmotiviert, wenn sie von der Uni kommen. Nach Jahren der Theorie wollen sie ihre Ideen endlich in der Praxis umsetzen – und akzeptieren schlechte Arbeitsbedingungen. „Viele gieren regelrecht danach, endlich etwas machen zu können“, hat Achim Baum von der Fachhochschule Osnabrück beobachtet. Der Professor für Public Relations und Journalismus unterstützt Studenten seit Jahren bei Fragen rund ums Praktikum.

Ist die erste Euphorie verflogen, kommt oft die Ernüchterung. Uni-Prof Baum war es eines Tages leid, dass seine Studenten immer wieder von schlechten Praktikums-Bedingungen erzählten. 2004 rief er gemeinsam mit Studenten die „Deklaration Praktikum“ ins Leben: Unternehmen einigten sich mit der Hochschule auf faire Bedingungen für Hospitanten. „Unsere Studenten wählen sehr sorgfältig aus. Und wenn sie sehen, dass ein Unternehmen nicht akzeptable Bedingungen bietet, dann nehmen sie ein Praktikum dort nicht an“, erklärt der Professor.

Genau das empfiehlt auch Gewerkschafterin Heyser. Es komme auf die inhaltliche Qualität an, nicht darauf, möglichst viele Praktika zu machen. „Auch im Lebenslauf ist es nicht unbedingt positiv, wenn man da sechs Praktika stehen hat – und nirgendwo hat es mit einer richtigen Stelle geklappt.“ Auch Praktika, die länger als drei Monate dauern, nutzten in der Regel vor allem dem Arbeitgeber.

Damit ein Praktikum inhaltlich die Erwartungen erfüllt, sollten Absolventen sich vorher überlegen, welches Ziel sie damit verfolgen, rät Heyser. Dann sollten sie mit dem Arbeitgeber vereinbaren, was sie machen und lernen können und dies in einem Vertrag oder mündlich festhalten. „Die Hauptsache ist, dass sich der Arbeitgeber schon mal Gedanken über die Inhalte des Praktikums machen muss, und dass man sich auf gemeinsame Ziele verständigt“, sagt die Gewerkschafterin.

Unbezahlte Praktika dürften Absolventen sich generell nicht gefallen lassen, fordert die Initiative Fairwork in Berlin. Der Verein besteht aus Hochschulabsolventen, die auf ihre Situation auf dem Arbeitsmarkt aufmerksam machen wollen. Nach ihren Vorstellungen sollten Praktikanten im Studium mindestens 300 Euro im Monat bekommen – danach 7,50 Euro pro Stunde, damit das Einkommen zum Leben reicht.

Bewerbungsberater Winkler ist da skeptischer. Wer aus Trotz über schlechte Bedingungen lieber gar kein Praktikum macht, verspiele Karrierechancen. Kein Personaler werde über einige Praktika nach dem Studium stolpern. „Die Übergangsphase zwischen Studium und Beruf dauert heute einfach ziemlich lange.“ Gerade Absolventen mit mittelprächtigen Noten könnten durch Praktika zeigen, dass sie in der Praxis etwas taugen. Marc Herwig, dpa

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