Karriere : Von wegen Ruhestand

Immer mehr Rentner arbeiten nebenher. Was sie beachten sollten

In Deutschland arbeiten immer mehr Menschen über das Rentenalter hinaus. Vom 65. Lebensjahr an ist ein Nebenjob problemlos möglich. Wer schon vorher Rente bezieht und arbeiten möchte, sollte aber genau nachrechnen. Ist der Verdienst zu hoch, wird die Rente gekürzt.

    Während im Jahr 2002 nur rund 615 000 Rentner jobbten, sind es dem Bundesarbeitsministeriums zufolge 2008 bereits 817 000. Doch das hat nicht unbedingt mit finanzieller Not zu tun. Bei einer Umfrage des Forsa-Institutes erklärten 24 Prozent der Rentner, sie würden sich wünschen, eine bezahlte Tätigkeit auszuüben.

Karl Enke steht auch mit 70 Jahren noch jede Nacht in der Backstube – rund 40 Stunden in der Woche. „Mir bekommt das körperlich gut“, sagt der Bäckermeister aus Eisleben (Sachsen-Anhalt). Außerdem habe er gewisse Ansprüche, die Rente sei aber klein und die Ausgaben liefen weiter. Enke hat deshalb nach seinem 65. Geburtstag einfach weitergearbeitet. Das ist mit Erreichen der Regelaltersgrenze kein Problem. Rentner können dann zwischen zwei Modellen wählen: Entweder sie beziehen ihre Rente und können unbegrenzt hinzuverdienen. Oder sie verzichten auf die Rente und erwerben durch weitere Beitragszahlungen zusätzliche Ansprüche, erläutert Karin Klopsch von der Deutschen Rentenversicherung Bund in Berlin. Darüber hinaus gibt es einen Zuschlag von 0,5 Prozent für jeden Monat, in dem die Rente nicht in Anspruch genommen wird.

Schwieriger wird es für alle, die vor dem 65. Lebensjahr in Rente gehen. Für sie gelten Zuverdienstgrenzen: Wer vor dem offiziellen Renteneintrittsalter aus dem Beruf ausscheidet, darf maximal 400 Euro im Monat dazuverdienen, ohne mit Abschlägen bei der Rente rechnen zu müssen. Ein so genannter Minijob ist also möglich.

Hinschauen lohnt sich für alle, die mehr als 400 Euro verdienen: Wer Pech hat, bekommt sonst nur die nächst niedrigere Teilrente ausgezahlt. Wie hoch der Zuverdienst ausfallen darf, errechnet sich unter anderem aus dem Gehalt der drei Kalenderjahre vor der Rente.

Wer zu dieser Zeit den Durchschnittsverdienst von monatlich rund 2450 Euro brutto bekam, darf als Rentner im Westen 969,15 Euro und im Osten 851,83 Euro verdienen, um zwei Drittel seiner Rente zu erhalten. „Verdient er aber nur einen Euro mehr, bekommt er nur noch die halbe Rente“, warnt Klopsch.

Allerdings kann es auch interessant sein, eine Teilrente zu beziehen: Wer sich nur einen Teil der Rente auszahlen lässt, erwirbt zusätzliche Anwartschaften – der nicht gezahlte Teil der Rente fällt später entsprechend höher aus, erklärt Klopsch. Auch mit einem 400-Euro-Job lässt sich die Rente erhöhen: Voraussetzung ist, dass der Mini-Jobber auf die Rentenversicherungsfreiheit verzichtet, erklärt der Rechtsanwalt Ralph Jürgen Bährle aus Mannheim. Dafür stockt der Arbeitnehmer den pauschalen Rentenversicherungsbeitrag des Arbeitgebers aus eigener Tasche auf. dpa

Informationen: Die Broschüre „Altersrentner: So viel können Sie hinzuverdienen“ kann man bei der Deutschen Rentenversicherung Bund bestellen, Informationen gibt es kostenlos unter Tel.  0800/100 04 80 70 und im Internet unter: www.deutsche-rentenversicherung-bund.de

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