Karriere : Vorstellungsgespäch: Wie man sich am besten verkauft (Interview)

Frau Sontheimer[wem sitzt der Bewerber in einem V]

Frau Sontheimer, wem sitzt der Bewerber in einem Vorstellungsgespräch gegenüber?

Das hängt von der zu besetzenden Position ab. Zum Teil führe ich die Gespräche alleine, zum Teil gemeinsam mit einem Personalreferenten. Manche Bewerber lernen in einem weiteren Interview Fachvorgesetzte oder zukünftige Kollegen kennen.

Was versuchen Sie als Interviewerin dabei herauszufinden?

Es geht mir in erster Linie darum, den Bewerber persönlich kennenzulernen. Passt er als Mensch zu Pixelpark? Hat er Spaß daran, neue Dinge zu gestalten? Ist er unkompliziert in seinem Umgang? Und natürlich will ich auch herausfinden, ob er die fachlichen Voraussetzungen erfüllt, die der Job erfordert. Wie unterscheidet sich der Bewerber von anderen? Wo liegt der spezifische Nutzen, den das Unternehmen hat, wenn es ihn einstellt?

Sind das die Fragen, auf die der Bewerber vorbereitet sein sollte?

Nicht nur. Er sollte sich außerdem sehr genau überlegen, warum er in die Branche und insbesondere zu Pixelpark möchte. Mich interessiert, ob er sich mit dem Unternehmen beschäftigt und sich Gedanken darüber gemacht hat, was Pixelpark von anderen Multimedia-Dienstleistern unterscheidet. Eine Frage, die immer wieder kommen wird, ist die nach den wichtigsten Stationen im Lebenslauf. Mich überzeugt, wenn der Bewerber nicht nur beschreibt, was er gemacht hat, sondern seinen beruflichen Weg auch begründet und reflektiert. Dann interessiert mich, warum der Befragte denkt, dass er auf die Position passt. Welche Stärken und Schwächen hat er in der Arbeitswelt an sich entdeckt? Wo hat er Entwicklungsbedarf? Und das sollte er realistisch und vor allem glaubwürdig darstellen.

Versucht aber nicht jeder, sich von seiner besten Seite zu zeigen?

Schon. Es geht ja auch nicht darum, sich in schlechtem Licht zu präsentieren und ich erwarte genauso wenig ein berufliches Seelenstriptease. Ein Vorstellungsgespräch ist eine Art Verkaufsgespräch. Der Bewerber soll seine Fähigkeiten natürlich positiv darstellen, aber eben nicht übertrieben. Setzt er die Messlatte zu hoch an, wird er sicher in seinem neuen Job Probleme bekommen, die hochgesteckten Erwartungen zu erfüllen. Außerdem zeichnet es ihn aus, wenn er auch seine Schattenseiten kennt und dazu steht.

Ist es günstig, wenn der Interviewte seine Erläuterungen durch mitgebrachte Unterlagen stützt?

Ja. Das zeigt, dass er gut vorbereitet ist. Er hat sich darüber Gedanken gemacht, was für das Unternehmen noch relevant sein könnte und bietet Zusatzinformationen, um das eigene Bild abzurunden.

Fragen Sie auch nach privaten Interessen?

Nicht grundsätzlich. Das kommt auf den Gesprächsverlauf an. Wenn es passt, gehe ich auch auf Hobbies ein. Das kann die Persönlichkeit zusätzlich beleuchten und das Bild abrunden. Ich denke aber nicht, dass man davon pauschale Urteile ableiten sollte. Ein Tennis- oder Golfspieler ist nicht grundsätzlich weniger teamfähig als ein Mannschaftssportler.

In Bewerbungsbüchern wird oft geraten, kurze Antworten zu geben und sich eher zurückhaltend zu verhalten .

Das sehe ich nicht so. Der Bewerber sollte keine langen Monologe halten und kurz und prägnant antworten, wo es gefordert ist. Aber nur in längeren Antworten kann der Befragte zeigen, wie er Schwerpunkte setzt, strukturiert und Themen ausführt. Im Zweifel bietet sich an, erst einmal auf eine Frage kurz zu antworten und nachzuhaken, ob man weiter auf das Thema eingehen soll ...

und selbst Fragen stellen?

Klar! Es ist zwar nicht die Rolle des Bewerbers, das Gespräch zu führen; letztendlich hat er aber das Recht und ein Stück weit auch die Pflicht, Fragen zu stellen. Damit zeigt er, dass er sich mit der Position und dem Unternehmen auseinandergesetzt hat und was ihm wichtig ist. Ungünstig ist, gleich zu Beginn nach bezahlten Überstunden oder festen Arbeitszeiten zu fragen. Schließlich suchen wir Mitarbeiter, die nicht nach dem Stechuhrprinzip arbeiten.

Wann sollte man nach dem Gehalt fragen?

Zum richtigen Zeitpunkt. In erster Linie geht es aber darum, herauszufinden, ob Bewerber und Unternehmen zusammenpassen. Erst zum Ende hin spielen die Bedingungen eine Rolle. Und hier geht es dann um mehr als das Gehalt. Wir zeigen da von Anfang an klare Perspektiven auf, auch was die Karriereentwicklung und die persönliche Weiterbildung betrifft.

Welche Rolle spielen Äußerlichkeiten für Sie?

Der Händedruck ist sicherlich nach wie vor ein Thema, auch Blickkontakt und Körpersprache.

Lassen sich bestimmte Verhaltensweisen empfehlen?

Nein. Es ist doch Unsinn, die Arme nicht zu verschränken, weil das abgrenzend wirken könnte, immer zu lächeln, um einen freundlichen Eindruck zu machen oder den Unterarm auf die Lehne des Stuhls zu legen, um locker zu wirken. Der Interviewte sollte sich authentisch verhalten und kein Schauspiel vorführen. Mimik und Gestik müssen zum Gesagten und zur Person passen. Ein vom Typ her stiller Bewerber, der wild gestikuliert, wirkt nicht echt.

Achten Sie auf Kleidung?

Wir erwarten nicht unbedingt, dass die Gesprächsteilnehmer in Anzug oder Kostüm erscheinen. Man sollte sich zu einem Vorstellungsgespräch nicht verkleiden, sondern etwas anziehen, worin man sich wohl fühlt und was man auch im neuen Job tragen würde. Allerdings fände ich es schon etwas, sagen wir irritierend, wenn ein Bewerber für eine Führungsposition im bunten Hawaiihemd erscheint.

Ist Pünktlichkeit noch immer eine Tugend?

Ja, Pünktlichkeit ist ein Zeichen von Respekt dem anderen gegenüber.

Wie entscheiden Sie sich letztendlich für einen Kandidaten?

Nicht nur die Qualifikation und das im Gespräch Gesagte spielen eine Rolle. Entscheidend ist vor allem, wie sich die Person verhält, wie sie wirkt. Dabei wählen wir bei Pixelpark neue Mitarbeiter nicht nach einem festgelegten Anforderungskatalog aus. Ich halte nichts davon, die Entscheidung zu rationalisieren. Das "Ja" oder "Nein" ist letzten Endes eine Bauchentscheidung und immer subjektiv. Für mich ist neben der fachlichen Eignung ausschlaggebend, mir vorstellen zu können: Das ist jemand, mit dem man bei uns gerne zusammenarbeitet.

Welche Tipps können Sie einem Bewerber noch mit auf den Weg geben?

Um über das Unternehmen auf dem Laufenden zu sein, sollte er sich unbedingt vorher informieren, etwa die Homepage ansehen. Bei Gesprächen mit Fachvorgesetzten wird selbstverständlich auch überprüft, was der Interviewte über sein Fachgebiet weiß.

Können Bewerbungsbücher helfen sich vorzubereiten?

In solchen Ratgebern sind oft die am häufigsten gestellten Fragen aufgelistet. Sich zu überlegen, welche Antworten man selbst darauf geben würde, kann helfen, sich auf ein Gespräch einzustellen. Ich würde aber nicht zu viel auf die Tipps in solchen Büchern geben. Jedes Unternehmen hat seine eigenen Regeln. Für sehr wichtig halte ich noch, dass der Bewerber sich seiner Ziele bewusst ist.

Das heißt konkret?

Hat er sich überlegt, was in dem neuen Job auf ihn zukommen könnte, inhaltlich und auch sozial? Da kommt es zum Beispiel manchmal vor, dass sich jemand als Projektmanager bewirbt, aber eigentlich gern allein in seinem Kämmerchen vor sich hin arbeitet. Weiß er, wo er beruflich hin will, welche Gestaltungsspielräume der Job lässt und ob er die Voraussetzungen dafür mitbringt? Wenn sich der Bewerber darüber im Klaren ist, dann gelingt es ihm auch, gerade heraus und authentisch zu antworten, egal was kommt.

Bereiten sich Bewerber ihrer Erfahrung nach gut auf ihren Auftritt vor?

Das Verhältnis bei uns ist zirka 70 zu 30. Der Großteil der Interviewten ist gut vorbereitet. Sie wissen, was sie wert sind und suchen eine Firma, die das zu schätzen weiß und ein Umfeld, in dem das Arbeiten Spaß macht. Die übrigen Kandidaten nehmen das Gespräch oft zu leicht. Viele sehen die Multimedia-Branche zu cool und locker. Wenn bei uns auch vieles lockerer und netter ist: Bewerbungsgespräche laufen nicht weniger ernsthaft ab, als in anderen Unternehmen. Und durch zu flappsiges Auftreten nehmen sich Einige die Chance auf einen spannenden Job.

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