Weiterbildung : Geld zu verschenken

Wer sich weiterbildet, erhält zukünftig einen Zuschuss vom Staat.

Sebastian Knoppik (dpa)

Nach der Schule ist noch lange nicht Schluss: Das lebenslange Lernen gilt heute als unverzichtbar, um im Beruf auf dem Laufenden zu bleiben. Im internationalen Vergleich landet Deutschland bei der beruflichen Weiterbildung lediglich im Mittelfeld. Jeder Deutsche absolviert während seiner Karriere laut einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) im Schnitt 398 Weiterbildungsstunden. In Frankreich (713), der Schweiz (723) oder Dänemark (943) sind es deutlich mehr.

Nun will die Bundesregierung eingreifen: Schon bald soll es eine staatliche Förderung für die Weiterbildung geben. Dadurch sollen die Deutschen motiviert werden, mehr Fortbildungen in Anspruch zu nehmen. „Das ist ein Schritt in die richtige Richtung“, sagt Ulrich Aengenvoort, Geschäftsführer des Deutschen Volkshochschulverbandes in Bonn. Die Zuschüsse sind allerdings an Bedingungen geknüpft. Und um einen Eigenanteil kommen Arbeitnehmer in den meisten Fällen nicht herum.

„Jeder, der ein zu versteuerndes Einkommen von unter 17 900 Euro beziehungsweise 38 800 Euro bei Verheirateten hat, kann die neue Bildungsprämie in Höhe von 154 Euro beantragen“, erklärt Christiane Wittek, Sprecherin des Bundesverbandes Deutscher Privatschulen (VDO) in Berlin, der auch die Interessen von beruflichen Bildungsträgern vertritt.

Allerdings muss der Antragsteller die gleiche Summe noch einmal selbst aufbringen. Einschließlich einer Bagatellgrenze von 30 Euro beträgt das Budget für die Weiterbildung damit 338 Euro. Nach Angaben des Bundesbildungsministeriums können damit rund drei Viertel der derzeit von Einzelnen getätigten Weiterbildungen bezahlt werden. Der Privatschulverband macht hingegen eine andere Rechnung auf: Mit der Bildungsprämie seien höchstens 50 Stunden Weiterbildung zu finanzieren, rechnet Christiane Wittek vor. „Grundsätzlich begrüßen wir die Förderung von Weiterbildung. Aber die Prämie ist zu gering.“ Eigentlich sollte die Bildungsprämie noch dieses Jahres eingeführt werden. Doch nach Angaben einer Sprecherin des Bundesbildungsministeriums wird die Förderung nun voraussichtlich erst am 1. Januar beginnen. Die Antragstellung wird laut Ulrich Aengenvoort über eine zentrale Stelle laufen. Vor der Genehmigung muss der Antragsteller allerdings ein Beratungsgespräch absolvieren.

Dazu soll es bundesweit flächendeckende Beratungsstellen geben. Nur bestimmte Weiterbildungen dürfen mit der Bildungsprämie bezahlt werden, wie Horst Palik, Geschäftsführer des Bundesverbands der Träger beruflicher Bildung (BBB) in Berlin, erklärt. „Mit den Prämiengutscheinen können sämtliche Kurse und Prüfungen der individuellen beruflichen Weiterbildung finanziert werden." Nicht in die Förderung fallen hingegen Weiterbildungsmaßnahmen, die vom Arbeitgeber organisiert werden.

Neben der Bildungsprämie gibt es noch weitere neue Förderungen: So können Arbeitnehmer künftig von ihrem Bausparkonto vorzeitig Geld entnehmen. Sie dürfen sich laut den neuen Vorschriften Geld für die Weiterbildung vor der Bindungsfrist auszahlen lassen, ohne dass die Arbeitnehmersparzulage entfällt. Nach Angaben von Horst Palik kann das komplette bislang angesparte Guthaben für Bildungsmaßnahmen entnommen werden: „Das Verfahren, vorzeitig Anlagen nach dem Vermögensbildungsgesetz zulagenunschädlich zu entnehmen, erfolgt bei den jeweiligen Kreditinstituten oder Sparkassen, bei denen das Ansparguthaben verwaltet wird.“ Laut Bundesbildungsministerium wird die Möglichkeit der Entnahme ebenfalls voraussichtlich Anfang 2009 angeboten.

VDP-Sprecherin Christiane Wittek begrüßt es, dass so auch höhere Beträge für die Weiterbildung zur Verfügung stehen: „Es ist noch wichtiger, in Bildung zu investieren als in ein Haus.“ Ebenfalls eine größere Summe können Arbeitnehmer durch das geplante neue Weiterbildungsdarlehen erhalten, das es allerdings erst im Frühjahr oder Sommer 2009 geben soll. Die Kredithöhe steht noch nicht fest. Alle drei Komponenten – Bildungsprämie, Entnahmemöglichkeit und Weiterbildungsdarlehen – sind miteinander kombinierbar. Sebastian Knoppik (dpa)

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