Welcher Abschluss der Beste ist : Schnell oder schlau?

Noch begegnen Berliner Firmen den neuen Abschlüssen reserviert. Doch die Zeit arbeitet gegen sie. Bachelor haben die besten Chancen im kaufmännischen Bereich, Master in der Forschung.

Henning Zander

Es ist unübersichtlich geworden auf dem deutschen Bildungsmarkt. Es gibt noch die alten Studienabschlüsse, Diplom, Staatsexamen und Magister, daneben aber auch schon die neuen, Bachelor und Master. Doch was hinter den Titeln steckt, ist für viele Unternehmen nur schwer einzuschätzen.

„Im Augenblick tendieren wir eher noch dazu, Absolventen mit Diplom einzustellen“, sagt Mark Warnecke, Personalreferent des Medizintechnik-Unternehmens Berlin Heart. Es sind die Berichte über die hohe Anzahl von Studienabbrechern, Studieren im Eiltempo und gestresste Studenten, an die Warnecke bei Bachelor-Studiengängen denkt. Er lasse sich zwar von den persönlichen Qualitäten eines Bewerbers überzeugen, unabhängig davon, ob er von einer Fachhochschule oder einer Universität kommt. Doch ein Bachelor- oder auch ein Masterabsolvent muss schon nachweisen, dass er für die Position genauso qualifiziert ist, wie der Mitbewerber mit Diplom.

Noch ist es schwierig vorauszusagen, ob sich der Bachelor als eigenständiger Abschluss etabliert und nicht von Arbeitgebern als Schmalspurstudium abgewertet wird. Die europäischen Regierungen haben sich Ende der 90er Jahre im Rahmen der Bologna-Erklärung darauf geeinigt, einen gemeinsamen Hochschulraum zu schaffen und europaweit Bachelor und Master einzuführen. Das drei- bis vierjährige Bachelor-Studium soll die Studenten stärker auf die Berufswelt vorbereiten. Das darauf aufbauende Masterstudium hingegen führt tiefer in die Materie ein – und ist eher mit dem alten Diplom-Studium vergleichbar.

Die Industrie und Handelskammer Berlin (IHK) gibt sich recht zuversichtlich. In der Studie „Transparenz und Akzeptanz der neuen Studienabschlüsse Bachelor und Master in der Berliner Wirtschaft“ hat sie herausgefunden, dass über drei Viertel der befragten Unternehmer einem Bachelor eine Teamleiterpositionen anvertrauen, drei von fünf Unternehmen sogar die Abteilungsleiterposition.

Insgesamt gesehen aber sind die meisten Unternehmen, ob aus eigener Erfahrung oder aufgrund des Bachelor-Rufes, nicht davon überzeugt, dass die Inhalte der neuen Studienabschlüsse den Anforderungen der Praxis entsprechen. „Wegen der Kürze des Studiums bleibt weniger Zeit für Praktika oder Auslandsaufenthalte“, erklärt Tanja Prillwitz von der IHK. Zudem werde das Schulen von sozialen Kompetenzen vernachlässigt. Dies sei jedoch ein allgemeines Problem der Hochschulausbildung.

Vergleicht man die Karrierechancen der neuen Abschlüsse, kommt der Master eindeutig besser weg: Wer länger studiert, hat etwa bessere Chancen, Abteilungsleiter zu werden. Neun von zehn Firmen sehen laut IHK-Angaben Master-Absolventen als potenzielle Abteilungsleiter. Und es gibt auch mehr Geld. Das Einstiegsgehalt mit Master-Abschluss liegt in Berlin im Schnitt zwischen 2500 und 3500 Euro. Das sind etwa 500 Euro mehr als der Bachelor verdient. Im Laufe der Karriere nimmt die Gehaltsschere zwischen beiden Abschlüssen weiter zu.

Als Einsatzgebiete für Bachelor-Absolventen gelten derzeit vor allem kaufmännische Aufgaben, der Vertrieb und Verkauf sowie Marketing und Öffentlichkeitsarbeit.

Vor allem unter Absolventen der Ingenieurswissenschaften hat der Bachelor einen schweren Stand. Nur selten werden Bachelor von Unternehmen in Forschungs- und Entwicklungsabteilungen eingesetzt. Nach einer Studie des HIS ( Hochschul-Informations-System ) wollen 94 Prozent der Absolventen von Ingenieursstudiengängen nach dem Bachelor noch einen weiterführenden Abschluss erwerben, um sich eine spätere Karriere nicht zu verbauen.

Von der derzeitigen Situation lasse sich noch nicht auf die Zukunft der Abschlüsse schließen, sagt Tanja Prillwitz von der IHK. „Wir müssen abwarten, wie sich Ansprüche der Unternehmer und Ausbildung an den Hochschulen einpendeln.“

Bei Siemens geht man gelassen mit der Diskussion um. „Absolventen müssen sich auf lebenslanges Lernen einstellen. Dabei kann der Master nach dem Bachelor eine mögliche Form der Qualifikation sein“, sagt Personalreferentin Anja Meyer. Ein Bachelor sei aber kein Hindernis für eine Karriere im Unternehmen. Schließlich sei es bei Siemens Tradition, dass viele Führungskräfte als Auszubildende begonnen hätten. Dennoch wird für die Arbeit in der Entwicklungsabteilung im Regelfall ein Master gefordert, da im weiterführendem Studium ein größeres Gewicht auf wissenschaftliches Arbeiten gelegt wird.

Die Tiefbau-Firma Frisch & Faust macht vor, wie ein berufsorientiertes Studium aussehen kann: Sie kooperiert eng mit der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft (FHTW) Berlin. In einem berufsbegleitenden Bachlor-Studium werden junge Mitarbeiter von Frisch & Faust zu Bauwirtschaftsingenieuren ausgebildet.

Für den kaufmännischen Leiter des Unternehmens, Dieter Mießen, bringt der neue Abschluss eine klare Verbesserung. „Ein Bauingenieur nach der alten Studienordnung ist den heutigen Anforderungen nicht mehr gewachsen“, sagt er. Als Bauleiter müsse man auch wissen, wie eine Baustelle wirtschaftlich zu führen ist, wie man Baustoffe und Mitarbeiter effizient einsetzt und das beste Preis-Leistungsverhältnis herstellt. Früher hätten sich Bauingenieure diese Kenntnisse im Beruf selbst angeeignet. Das Kombistudium ist ein Vorzeigebeispiel.

Doch oft liegen Theorie und Praxis noch weit auseinander. Berufsvorbereitende Inhalte stehen zwar im neuen Lehrplan, kommen aber im eng gesteckten Studium oft zu kurz. Dieses Manko greifen jetzt die Karrierecenter der Hochschulen auf (siehe Kasten). In zusätzlichen Kursen vermitteln sie, was das eigentliche Studium noch nicht bietet.

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