Karriere : Welcher Job passt zu mir?

Berater unterstützen Jugendliche bei der Berufsorientierung. Dafür Geld auszugeben, kann sich lohnen

Rita Nikolow

Die Halbjahreszeugnisse sind vergeben und die Uhr tickt für alle, die in diesem Sommer die Schule abschließen. Sie müssen sich jetzt für ein Studium oder eine Ausbildung entscheiden – und haben die Wahl zwischen unzähligen Möglichkeiten. Doch wie kann man sich einen Überblick verschaffen und herausfinden, welcher Weg der richtige ist? Unterstützung bieten Beratungsstellen, die Jugendlichen entweder kostenlos oder gegen Bezahlung dabei helfen, sich beruflich zu orientieren.

Kostenlose Berufsberatung gibt es zum Beispiel bei der Arbeitsagentur. Anmelden kann man sich telefonisch. Doch die Nachfrage ist groß, man muss viel Zeit mitbringen: Bis man dann tatsächlich einem Berater des Wohnbezirks gegenüber sitzt, können vier bis sechs Wochen vergehen. Ein Erstgespräch dauert eine Stunde, jedes weitere Gespräch 45 Minuten. Von Beratung zu Beratung muss ein neuer Termin vereinbart – und wieder Wartezeit eingeplant werden.

NICHT NUR EINE BERATUNGSSTELLE

NUTZEN

Statt nur zu warten, sollten die künftigen Absolventen die Zeit bis zum nächsten Termin nutzen, um sich auch an anderer Stelle umzuhören. Alfred Töpper von der Stiftung Warentest rät Jugendlichen, sich von verschiedenen Seiten zunächst kostenlose Hilfe zu holen, etwa von kommunalen Beratungsstellen.

Ansprechpartner sind da etwa die so genannten Lernläden in Neukölln, in Pankow, am Ostkreuz und im brandenburgischen Königs Wusterhausen. Finanziert werden die Einrichtungen vom Senat, dem Bund und dem Europäischen Sozialfonds.

Cornelia Rülke, Leiterin des Lernladens Ostkreuz, nimmt sich für ein Beratungsgespräch etwa 60 bis 90 Minuten Zeit, erzählt sie. Die Jugendlichen füllen zunächst am Computer einen Fragebogen zu ihren Fähigkeiten und Vorlieben aus. „Die Teilnehmer werden darin zum Beispiel gefragt, ob sie sich für Ökologie interessieren und wie wichtig ihnen ein sicherer Arbeitsplatz ist“, berichtet die Beraterin.Im persönlichen Gespräch arbeitet sie mit ihren Besuchern dann heraus, welche Tätigkeit ihnen liegen könnte – und welche Ausbildungsmöglichkeiten es für das jeweilige Berufsbild gibt: eine Lehre, ein Studium oder eine Mischform.

Wünschen die Jugendlichen weitere Gespräche, bekommen sie rund ein bis zwei Wochen später einen neuen Termin. In der Zwischenzeit müssen sie häufig „Hausaufgaben“ erledigen und zum Beispiel zu Papier bringen, was sie gut können, und was nicht.

Auch der Berufsberater der Arbeitsagentur fragt die Schüler nach Neigungen, Stärken, Schwächen und bereits absolvierten Praktika. Er erkundigt sich, ob sie gerne mit Menschen arbeiten oder sich eher einen Bürojob vorstellen können. Bevor die Jugendlichen einen zweiten oder dritten Termin vereinbaren, wird ein „Fahrplan“ festgelegt. Berater und Schüler vereinbaren Hausaufgaben und die Ziele der kommenden Gespräche.

KOSTENPFLICHTIGE BERATUNG

KANN SICH AUSZAHLEN

Findet man trotz kostenloser Beratungen nicht das Richtige, kann es sich nach Ansicht des Stiftung-Warentest-Experten Töpper, durchaus lohnen, für eine Beratung zu zahlen: „Der große Vorteil einer kostenpflichtigen Beratung ist, dass man den Dienstleister stärker in Anspruch nehmen kann.“ Der Berater kümmere sich oft besser und ergebnisorientierter um seinen Kunden. Wer nach entsprechenden Angeboten sucht, findet zum Beispiel auf der Internetseite des Deutschen Verbandes für Bildungs- und Berufsberatung“ eine Liste mit Beratern (siehe Kasten). Die Mitglieder des Verbandes sind als Berater ausgebildet und haben sich zur Einhaltung von Qualitätsstandards verpflichtet: zum Beispiel dazu, die Kosten transparent zu halten.

PERSÖNLICHE INTERESSEN 

WERDEN ZU OFT VERNACHLÄSSIGT

Bis vor einigen Jahren hat der Berufsberater Frank Daalmann für die Arbeitsagentur gearbeitet. Heute ist der gelernte Automechaniker, studierte Soziologe und Verwaltungsfachwirt freier Berufsberater. Dass er selbst verschiedene Bildungswege und Studiengänge absolviert hat, hilft ihm nun bei der Beratung. Im Gespräch fragt er seine Kunden zunächst nach vier „Säulen“: nach den Fähigkeiten, den persönlichen Eigenschaften, den Erfahrungen – und den persönlichen Interessen: „Letztere werden bei der Berufswahl viel zu oft vernachlässigt“, sagt Frank Daalmann.

Im nächsten Schritt stellt er den Jugendlichen mögliche Berufsfelder vor – und vergleicht das Profil des Tischlers oder Piloten mit dem Profil seiner Kunden. Einzelgespräche kosten bei Frank Daalmann etwa 80 Euro die Stunde. Das Erstgespräch ist kostenlos. Außerdem veranstaltet Daalmann Wochenendseminare mit vier bis sechs Teilnehmern. Die Gebühr beträgt 390 Euro.

Einiges mehr ist zu zahlen, wenn man an der „Core Analyse“ teilnimmt, die das „Spark Institute“ anbietet: Die Kunden müssen mehrere Leistungs- und Interessenstest ausfüllen und sich auf einem Fragebogen selbst einschätzen. Einen weiterer Fragebogen beantworten die Eltern. Außerdem bringen die Jugendlichen so genannte Stories zu Papier. Das sind Erfahrungsberichte über Lebenssituationen, die sie erfolgreich gelöst haben. Die Auswertung dieser Tests ergibt ein Persönlichkeitsprofil, das als Grundlage für die folgende Berufsberatung dient.

Analyse und Beratung kosten insgesamt 1200 Euro. Der hohe Preis scheint sich jedoch gerade für Schüler zu lohnen. Laut Institut folgen rund 90 bis 95 Prozent der Jugendlichen den Empfehlungen der Berater.

DER PSYCHOLOGISCHE DIENST

GIBT SICHERHEIT

Wer seinen Traumjob gefunden hat, aber nicht sicher ist, ob er die Voraussetzungen dafür mitbringt, sollte sich einen weiteren Termin bei der Arbeitsagentur geben lassen, und zwar beim psychologischen Dienst. In einem Berufswahltest wird dort das Leistungsbild des Traumjobs mit dem eigenen Leistungsstand verglichen. Danach sollten dann alle Zweifel aus dem Weg geräumt sein – und die Karriere kann starten.

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