Karriere : Wenn Lernen einsam macht

Fürs Fernstudium ist nicht jeder geeignet

Maria Hilt (ddp)

Den Feierabend verbringen viele Leute gerne auf dem Sofa. Manche stricken dort, andere sehen fern – und wieder andere machen ihren Bachelor of Engineering in Maschinenbau. Oder lassen sich zum Tourismusfachwirt ausbilden. Oder lernen Russisch. Per Fernstudium.

„Beim Fernunterricht erhält man die Lernmaterialien per Post oder via Internet und kann dann selbst entscheiden, wann und wo man sich den Stoff aneignen möchte“, sagt Gereon Franken, Co-Autor des Ratgebers „Fit für den Fernunterricht“. Vereinzelte Präsenztage, an denen sich die Studenten mit ihrem Dozenten zu Unterrichtseinheiten treffen, würden meistens auf das Wochenende gelegt. „Nur manchmal kann es vorkommen, dass man sich für Prüfungen an Werktagen freinehmen muss“, sagt Franken. Die Teilnahme an einem Fernkurs lasse sich daher gut mit dem Berufs- und Familienleben kombinieren.

Franken leitet selbst eine Fernstudienakademie in Münster. Er weiß, dass das große Maß an Freiheit nicht für jeden das Richtige ist. „Wenn jemand sein Fernstudium vorzeitig abbricht, liegt das häufig daran, dass er mit den Anforderungen an die Eigendisziplin und mit den Auswirkungen auf das Sozialleben nicht klarkommt.“ Alleine am Schreibtisch zu sitzen und einen Lernplan diszipliniert einzuhalten, überfordere manche Studenten.

„Man sollte sich vorher gut überlegen, ob einem das Lernen auf Distanz liegt. Konnte man sich beispielsweise schon immer gut mit einem Buch hinsetzen und für sich alleine lernen, ist das ein Indiz dafür, dass man sich gut zurechtfinden wird“, sagt Franken. Wer hingegen lieber in der Gruppe lerne und die Präsenz eines Dozenten bevorzuge, für den seien andere Lehrmethoden besser geeignet.

Soziale Kontakte müssten Fernstudenten oft erheblich einschränken. Der durchschnittliche wöchentliche Zeitaufwand für Fernkurse werde meist mit acht bis zehn Stunden veranschlagt, könne aber durchaus auch höher liegen. „Da bleibt oft nicht mehr viel Freizeit übrig. Es ist daher sehr wichtig, dass Partner und Familie Verständnis haben und den Fernstudenten unterstützen.“

Fernkurse müssen in Deutschland von der Staatlichen Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU) in Köln zugelassen werden. Dadurch soll gewährleistet werden, dass die Bildungsangebote qualitativen Mindeststandards entsprechen. „Wir prüfen, ob die Vertragsregelungen sauber sind, ob der Kursinhalt mit der Werbung übereinstimmt und ob der Kurs auch wirklich zu dem Ziel führt, das er verspricht“, erklärt Institutsleiter Michael Vennemann. Bei der ZFU können Interessenten auch erfragen, welche Anbieter ihr gewünschtes Kursthema im Programm haben. Maria Hilt (ddp)

Weitere Informationen im Internet:

www.zfu.de

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