Karriere : Wer fragt, zahlt weniger

Fortbildung in der Krise auf Firmenkosten

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Nichts los. Während der Krise sollten sich Angestellte weiterbilden. Foto: gms

Arbeitnehmer sollten auch in Krisenzeiten nicht vorschnell auf Weiterbildungen auf Firmenkosten verzichten. „Man muss dem Chef jetzt eben noch stärker klarmachen, dass auch er etwas davon hat“, sagte Renate Vochezer vom Forum Werteorientierung in der Weiterbildung auf der Bildungsmesse Didacta in Hannover. Dazu müssten Arbeitnehmer genau überlegen, welche Fortbildung sie wirklich weiterbringt und wie sie sich dem Chef gut verkaufen lässt.

„Man sollte also nicht ankommen und bloß sagen: Ich bin jetzt zwei Jahre dabei, und mir steht das zu.“ Mitarbeiter täten sich gerade in Krisenzeiten oft keinen Gefallen damit, wenn sie auf Weiterbildungen verzichten, um auf die Unternehmenslage Rücksicht zu nehmen oder um beim Chef nicht negativ aufzufallen. Denn zum einen müssen schlechter qualifizierte Mitarbeiter meist zuerst gehen, wenn Stellen abgebaut werden. „Und nur die Qualifizierten finden auch schnell wieder einen neuen Job, wenn sie ihre alte Stelle verlieren“, so Vochezer.

In Umbruchszeiten seien zudem oft neue Qualifikationen gefragt – dadurch ergeben sich laut Vochezer auch neue Gelegenheiten, um beim Chef nach einer Weiterbildung zu fragen. Wenn Arbeitsplätze etwa wegrationalisiert werden und Mitarbeiter durch technische Lösungen ersetzt werden, müssten diese auch von den Angestellten bedient werden können. „Und auch wenn jemand plötzlich eine leitende Funktion erhält, ist das ein guter Grund für ein Training.“

Nach Branchenangaben bleibt Weiterbildung auch in der derzeitigen Krise gefragt. „Das ist geradezu ein gegenläufiger Trend: Das Interesse an Weiterbildung wächst momentan sogar“, sagt Bernhard Laukamp vom Dachverband der Weiterbildungsorganisationen (DVWO). „Das liegt wohl daran, dass Mitarbeiter jetzt erst recht versuchen, sich im Job unersetzlich zu machen. Und viele wissen auch, dass sie mit ihrem Wissen von vor 20 Jahren jetzt nicht mehr auf dem Arbeitsmarkt bestehen können.“ Unter Umständen könne die Krise sogar eine Chance zur Neuorientierung für Mitarbeiter sein, meint Laukamp.

Dabei sei aber nicht jede Weiterbildung sinnvoll: „Es bringt nichts, die dritte oder vierte EDV-Schulung zu einem Thema zu machen.“ Stattdessen könne es sich lohnen, in die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit zu investieren. Denn gerade wer auf der Karriereleiter weiterkommen will, müsse neben fachlichem Know-how auch über die sogenannten Soft Skills verfügen – also etwa wissen, wie man als Abteilungsleiter ein Team richtig führt. dpa

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