Karriere : Wichtig ist der roten Faden Eine unstete Berufsbiografie kann Flickwerk oder Patchwork sein

Annette Fahrendorf

Vor drei, vier Jahren waren sie noch schick, die so genannten Patchwork-Lebensläufe. Wenn einer erst mal Kellner, dann Jura und schließlich IT-Fachmann gelernt hatte, dann sah er sich – ob seiner vielfältigen Erfahrungen – als gesuchten Alleskönner. Bei manchen hat das geklappt, zumindest kurzfristig.

Der Hamburger Coach und Personalberater Roger Henrichs hat viele solche Menschen unter seinen Klienten, denn inzwischen hat bei manchen ein weiteres Patch in die Biografie Einzug gehalten: die Arbeitslosigkeit. Gerade für die einst viel gelobten Alleskönner ist es schwierig, geeignete Stellen zu finden. „Wer alles kann, kann nichts richtig“, sagt sich der Personalchef und schon ist die Bewerbung aussortiert. Dabei ist der lineare Karriereweg ein Auslaufmodell.

Der solide deutschen Standardlebenslauf – Lehrling, Geselle, Meister, Pensionär in allen Variationen – wird zum Fleckerlteppich. „Für manche Menschen ist diese Entwicklung bedrohlich – für andere genau die richtige Herausforderung,“ sagt Henrichs.

Wenn jemand mit einer Patchwork-Biografie zu ihm kommt, prüft er die Entstehungsgeschichte der vielen Wechsel und ob sie zur Person passen. „Es gibt Menschen, die brauchen es, alle paar Jahre etwas ganz oder zumindest teilweise Neues zu machen,“ erläutert er. „Solche Leute sind todunglücklich wenn sie in Laufbahnen landen, wo es auf Kontinuität ankommt“. Seiner Erfahrung nach wählen die meisten sowieso Berufe, in denen ein häufiger Wechsel dazu gehört. Klassische Tätigkeitsfelder für eher Unstete: Animateure, Journalisten, Künstler. Auch Jobs, in denen immer wieder Projekte begonnen und abgewickelt werden, kommen ihrem Bedürfnis entgegen. Solchen Menschen fällt es meist relativ leicht, den roten Faden zu finden, der auch die komplizierteste Biografie im innersten zusammenhält.

Anders die, denen die Wechsel durch Lebensumstände oder Konjunkturschwankungen von außen diktiert worden ist. „Viele ehemalige Bankmitarbeiter zum Beispiel, fühlen sich schon branchenfremd, wenn sie auf die andere Seite des Beratungstisches wechseln und in der betrieblichen Altersversorgung arbeiten“, berichtet Henrichs. In seinem Coaching geht es daher zunächst darum, den individuellen Bauchladen an Kompetenzen, Fähigkeiten und Erfahrungen zu ordnen. Den bringt schließlich jeder mit, der viele Wechsel hinter sich hat. Danach muss angepasst und eventuell erweitert werden. „Durch die Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt sind viele Berufe wesentlich komplexer geworden“, sagt der 34-Jährige. Noch vor wenigen Jahren gab es zum Beispiel in den meisten Firmen jemanden, der zwischen Informationstechnikern und anderen Abteilungen vermittelt hat. Diese Jobs sind fast überall weggefallen. Deshalb muss ein Systemadministrator heute nicht nur mit Computern, sondern auch mit Menschen umgehen können. Viele brauchen da zusätzliche Schulung.

Am Ende kommt es laut Henrichs immer auf das Gesamtbild an. Wer es schafft, die verschiedenen Bestandteile seiner Erwerbsbiografie in einen sinnvollen Zusammenhang zu bringen, kann damit viel erreichen. Das unterscheidet schließlich das Patchwork vom Flickwerk: Dass aus den zusammengesetzten Flicken am Ende nicht nur Nützliches, sondern oft sogar Kunstvolles entsteht.

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