Karriere : Wie Gründer an Geld kommen

Bund, Länder, Europäische Union, Banken und Fonds bieten finanzielle Einstiegshilfen – und guten Rat

Die Geschäftsidee ist gut – und dennoch scheitern viele Gründer an der Finanzierung ihres eigenen Unternehmens. Dabei gibt es zahlreiche Fördertöpfe allein vom Staat – so viele, dass mancher den Überblick verliert. Beratungsstellen helfen beim Anzapfen der richtigen Quelle.

„Es ist die erste unternehmerische Leistung des Gründers, das richtige Programm für sich zu finden“, sagt Daniela Korte, die im Bundeswirtschaftsministerium in Berlin für Finanzierungs- und Förderungsberatung zuständig ist. Geldquellen sind neben dem Bund die Länder, die Europäische Union, Banken oder Fonds. Letztere nehmen sich häufig spezieller Branchen an. So greift der von Konzernen und dem Bund getragene High-Tech-Gründerfonds jungen Technologiefirmen zunächst mit bis zu 500 000 Euro Wagniskapital unter die Arme. Für die gleiche Gruppe hat zum Beispiel die vom Land Nordrhein-Westfalen getragene NRW Bank einen Beteiligungsfonds aufgelegt.

Andere öffentliche Töpfe unterscheiden in der Regel nicht zwischen Handwerk, Dienstleistung und Produktion. Daniela Korte empfiehlt Gründern, sich zunächst an unterschiedliche Programme zu wenden, um zu testen, was infrage kommt. So lassen sich die Möglichkeiten am besten vergleichen. Spartenprogramme können günstiger sein, weil sie Ansprücheeiner bestimmten Branche berücksichtigen. Auch eine Kombination verschiedener Finanzierungswege ist möglich.

Die KfW-Mittelstandsbank mit Sitz in Bonn verteilt im Auftrag des Bundes den größten Batzen staatlicher Zuschüsse. 2006 flossen 2,2 Milliarden Euro an rund 15 000 Gründer. Für diese Klientel gibt es laut Sprecherin Christine Volk im Kern drei Kreditvarianten: Startgeld, Unternehmerkredit und Unternehmerkapital. „Das Startgeld ist für Kleingründer gedacht, die bis zu 50 000 Euro benötigen.“ Damit sind ganz unterschiedliche Investitionen möglich: „Der Handwerker kann sie ausgeben für Büro, Schreibtisch, Werkzeug oder Betriebsübernahme. Der Programmierer kann das Geld als Bar- und Sacheinlage in die geplante Firmenbeteiligung einbringen“, erläutert Volk. Für den größeren Bedarf gibt es den Unternehmerkredit mit einem Volumen von bis zu zehn Millionen Euro.

Das Unternehmerkapital wiederum – ein Darlehen bis zu 500 000 Euro – ist für diejenigen konzipiert, die mit wenig Eigenkapital loslegen wollen. „In Westdeutschland sind 15 Prozent der förderfähigen Investitionen als Eigenkapital erforderlich, im Osten sind es 7,5 Prozent.“ KfW-Kredite gibt es nicht direkt bei dem Institut. Sie sind nur auf dem Umweg über einen Antrag bei der Hausbank zu bekommen. Über die genauen Abläufe sollten Gründer sich vorab bei der KfW informieren. Das Institut bietet zusammen mit den Industrie- und Handelskammern sowie den Handwerkskammern Beratungssprechtage in rund 50 Städten an.

Wer aus der Arbeitslosigkeit heraus gründet, bekommt bei der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg Unterstützung. Die Förderung wird in zwei Phasen gewährt: „Empfänger von Arbeitslosengeld I bekommen ihr Arbeitslosengeld plus 300 Euro monatlich", erläutert Uwe Kreil, Referent für Starthilfe und Unternehmensförderung bei der IHK Leipzig. Darauf haben sie einen Rechtsanspruch.

Der sogenannte Gründerzuschuss wird neun Monate gezahlt. Nach einem neuen Antrag kann die Förderung sechs weitere Monate gezahlt werden, dann beläuft sie sich allerdings nur noch auf die 300 Euro. „Damit wird der Unternehmer angehalten, etwas aufzubauen, von dem er leben kann.“ Hartz-IV-Empfänger, die sich auf eigene Füße stellen wollen, erhalten ein sogenanntes Einstiegsgeld: Sie bekommen mehrere Monate lang zusätzlich zu ihren Bezügen 50 Prozent dieser Summe.Voraussetzung ist Kreil zufolge hier eine IHK-Stellungnahme zur Tragfähigkeit des Firmenkonzepts.

Mit einem solchen Gutachten haben zum Beispiel in Sachsen auch Studenten Chancen auf Fördergeld. Denn sie dürfen auf Zuschüsse des Europäischen Sozialfonds (ESF) hoffen. „Den gibt es in anderen Bundesländern zu jeweils anderen Konditionen.“ Auch die Bundesländer haben ein Netzwerk ein Förderorganisationen aufgebaut. Eine Schlüsselrolle kommt den Bürgschaftsbanken zu, hinter denen meist Regierung, Kammern und Verbände stehen.

Manche Länder helfen über öffentliche Beteiligungsgesellschaften: Die BTG Beteiligungsgesellschaft Hamburg stockt zum Beispiel „das Eigenkapital in Form einer stillen Beteiligung auf“, wie Sprecherin Brigitte Karstens erläutert. Die Summe beginnt bei 30 000 Euro für Handwerker. Ähnlich arbeiten auf privater Basis die Business Angels, ein Netzwerk mit Sitz in Essen. Die rund 5000 Mitglieder – häufig ehemalige Manager - verstehen sich nach Aussage von Vorstand Roland Kirchhof als Wagnisfinanzierer: „Unsere Mitglieder investieren als stille Teilhaber bis zu zehn Prozent des Stammkapitals.“ Gute Ratschläge gibt es gratis dazu. dpa

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