Karriere : Wie Mitarbeiter aktiv werden können

Henning Zander

Führungskräfte sind oft gar nicht so schlecht wie ihr Ruf, sagt Jürgen Weißenrieder. „Grundsätzlich machen sie das meiste sehr gut, nur manchmal treten sie ins Fettnäpfchen“, meint der Personalberater und Autor des Buchs „Zur Sache, Chef“. Wenn es nicht klappt mit der Zusammenarbeit, können Mitarbeiter helfen, an Defiziten zu arbeiten – und so ihren Arbeitsplatz lebenswerter machen.

Wesentliche Fehler in der Personalführung sind für Weißenrieder zum einen, dass Mitarbeiter nicht über Vorgänge im Unternehmen informiert werden, zum anderen, dass sie für ihre Leistung keine angemessene Rückmeldung erhalten.

Werden Mitarbeiter aber im Ungewissen gelassen, brodelt die Gerüchteküche: Werden Abteilungen zusammengelegt? Steht eine Fusion an? Wachsen jedoch Unmut und Angst, ist der Einsatz halb so groß. Schon im Kleinen ist eine offene Informationspolitik wichtig: Nur wenn die Mitarbeiter gut informiert sind, können sie ihre Aufgaben erfüllen. Oft halten Chefs Informationen aber nicht absichtlich zurück, meint der Autor, sondern aus Vergesslichkeit in der Alltagshektik.

Hier ist die Initiative des Mitarbeiters gefragt. Er muss sich wichtige Informationen vom Chef holen, die Chance bei einer Tasse Kaffee ergreifen und das Thema zur Sprache bringen. Notfalls muss man immer wieder nachhaken, rät Weißenrieder. „Je häufiger das praktiziert wird, desto eher erkennt der Chef, dass es bequemer ist, Details von sich aus zu erklären.“Ähnlich verhält es sich mit dem fehlenden Feedback. Auch hier muss der Mitarbeiter aktiv werden, wenn der Chef sich nicht rührt.

Schwierig wird es auch, wenn der Chef nicht in der Lage ist, eine klare Entscheidung zu treffen. Gerade dann kommt es vor, dass er einem Gespräch aus dem Weg geht. Zunächst gelte es, den Vorgesetzten freundlich um eine Entscheidung zu bitten. Wenn dies trotz Nachhakens nichts bringt, sollte der Chef vom Mitarbeiter darauf hingewiesen werden, dass er ohne Entscheidung nicht weiter arbeiten kann. Hilft auch dies nicht, muss der Mitarbeiter klarstellen, was die Situation für ihn bedeutet. „Klare Ich-Botschaften“, rät der Autor: „Es macht mich mürbe, dass es immer noch nicht besser geworden ist.“

Sollte sich der Chef als resistent gegen jegliche Hinweise und Gesprächsangebote erweisen, sollte man erwägen, die Stelle zu wechseln. Zwar können Mitarbeiter dabei helfen, die Führungsleistung besser zu machen. Einen anderen Menschen können sie aus ihrem Chef jedoch nicht machen. Henning Zander

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben