Karriere : Zulage oder Lebensjob

von

Verbeamtung ja oder nein – dieser Streit wird inzwischen sichtbar auch innerhalb der GEW ausgefochten. Während die Vorsitzende Rose-Marie Seggelke noch immer tapfer dagegenhält, wenn entnervte angestellte Junglehrer von ihr ein Bekenntnis zur Verbeamtung fordern, hat jetzt die GEW-Schulleitervereinigung die Linie durchbrochen: „Wenn die ‚Marktlage‘ es erfordert, müssen entweder neue Modelle entwickelt werden oder alte (Verbeamtung) auf den Prüfstand“, hieß es in der jüngsten Presseerklärung des Vorsitzenden Paul Schuknecht, über die Seggelke nach eigenem Bekunden „nicht glücklich“ ist.

Schuknecht wisse offenbar nicht, dass die GEW gerade mit allen Fraktionen spreche, um eine bessere Bezahlung der Lehrkräfte zu erreichen – und zwar auf Angestelltenbasis, stellte Seggelke gegenüber dem Tagesspiegel klar. Und machte deutlich, dass es bisher schon viel Zustimmung zu ihren Vorschlägen gegeben habe.

Im Kern fordert die GEW, die Zulage von 1200 Euro, die junge Lehrer monatlich brutto bekommen, teilweise umzuverteilen, damit auch ältere Lehrkräfte in den Genuss einer Zulage kommen. Außerdem will sie erreichen, dass die Unterrichtsverpflichtung für angestellte Lehrer um zwei Stunden sinkt: Wer dann freiwillig mehr arbeite, müsse entsprechend mehr verdienen. Der Vorschlag sei „sehr diskussionswürdig“, ließ Mieke Senftleben (FDP) gestern schon mal wissen, die ebenso wie die Mehrzahl der anderen Bildungspolitiker im Abgeordnetenhaus eine Rückkehr zur Verbeamtung ablehnt.

Die Lehrer-Initiative „Verbeamtung jetzt!“ hatte gestern anderes im Sinn. Sie freute sich über Schuknechts Vorstoß und warnte abermals davor, dass sich der Lehrermangel ausbreite, falls Berlin nicht verbeamte. Zur Veranschaulichung nannte der Sprecher der Initiative, Torsten Ulrich, aktuelle Beispiele, die den Mangel belegen sollen. So sei in Spandau eine Vertretungskraft eingestellt worden, die mit einer „Fünf“ durch das Examen gefallen sei. Die Bildungsverwaltung betonte gestern, dass dies gegen die Vorschriften für die Beschäftigung von Vertretungslehrern verstoße. Falls die Schule bekannt werde, werde sie „in Regress genommen“.

Dem Vernehmen nach wird es bis Ende dieser Legislaturperiode im Herbst 2011 im Senat keine Bewegung in Richtung „Verbeamtung“ geben. Es heißt, es fehle der Leidensdruck, weil bisher noch genügend Lehrer auf dem Markt seien. Tatsächlich warten in manchen Fächern sogar Einser-Kandidaten bisher vergeblich auf eine Einstellung. Bisher. Ab 2011/12 werde der Mangel aber sichtbar, so die Erwartung der Fachleute. Deshalb werden die Forderung nach einer Gehaltsaufbesserung lauter – auch angesichts der Abwerbeversuche durch andere Bundesländer. Allein Brandenburg hofft auf über 200 Berliner Lehrer, die bereit wären, im „Speckgürtel“ zu arbeiten. So erwägen im Pankower Rosa-Luxemburg-Gymnasium vier Junglehrer den Weggang. „Dann bricht das Schulprofil weg“, befürchtet Schulleiter Ralf Treptow. Er ist auch Vorsitzender des Verband der Oberstudiendirektoren, der vehement für eine Lehrer-Verbeamtung eintritt. Susanne Vieth-Entus

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar