Karrierefrage : Darf ich im Büro meinen eigenen Bildschirm nutzen?

Können Beschäftigte ihre persönlichen Arbeitsgeräte mit an den Arbeitsplatz bringen? Diese Frage beantwortet der Berliner Arbeitsrechtler Christoph Abeln.

Christoph Abeln

Unser Leser fragt: Ich arbeite im IT-Bereich einer mittelständischen Unternehmensberatung. Da ich ein Technikfreak bin, habe ich meinen Bildschirm und meine Tastatur, mit denen ich viel besser arbeiten kann als mit der Ausstattung, die mein Arbeitgeber zur Verfügung stellt, auf meinem Schreibtisch aufgebaut. Jetzt will mir mein Chef das verbieten. Darf er das? Und falls ja: Auf was für einen Bildschirm habe ich einen Anspruch?

Christoph Abeln antwortet: Durch das so genannte Direktionsrecht kann der Arbeitgeber seinem Angestellten Anweisungen erteilen und ihm aufgeben, was er zu tun hat. Laut Paragraf 106 der Gewerbeordnung (GewO) darf der Arbeitgeber den Arbeitsinhalt, Arbeitsort und die Arbeitszeit nach billigem Ermessen näher bestimmen – soweit das nicht bereits im Arbeitsvertrag festgelegt ist.

In Paragraf 106 der GewO steht, dass der Arbeitgeber seinem Angestellten Weisungen geben darf, die sich sowohl auf Ordnung als auch auf Verhalten am Arbeitsplatz beziehen. Dies kann zum Beispiel die einheitliche Dienstkleidung sein. Aber auch die Gestaltung am Arbeitsplatz gehört dazu. Dem Arbeitgeber steht es also im Rahmen seines Direktionsrechts zu, darüber zu bestimmen, mit welcher technischen Ausstattung sein Angestellter tätig ist.

Doch der Arbeitgeber kann nicht ganz eigenmächtig handeln. Er hat den Betriebsrat über die Planung technischer Anlagen und der Arbeitsplätze zu unterrichten. Nach Paragraf 90 des Betriebsverfassungsgesetzes (BetrVG) sind dabei arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse über die menschengerechte Gestaltung der Arbeit zu berücksichtigen.

Auch ein Monitor muss bestimmte Bedingungen erfüllen. In der Bildschirmarbeitsverordnung ist geregelt, dass die auf dem Schirm dargestellten Zeichen scharf, deutlich und ausreichend groß sein müssen, sowie einen angemessenen Zeichen- und Zeilenabstand haben. Das Bild hat stabil und flimmerfrei zu sein.

Sofern Ihr Arbeitsplatz diese Voraussetzungen erfüllt, haben Sie keinen Anspruch darauf, ihre eigenen Geräte mitzubringen. Erfüllt die Ausstattung des Arbeitsplatzes aber diese Voraussetzungen nicht, ist zu empfehlen, den Vorgesetzten um sein Einverständnis zu bitten – bevor Sie eigene Geräte einsetzen.

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