Wirtschaft : Karrieren made in Germany

Gayle Tzemach

In Deutschland ist man es leid, immer mehr schlaue Köpfe an Forschungseinrichtungen jenseits des Atlantiks zu verlieren. "Bereits jetzt verhindert der Fachkräftemangel in einigen Gegenden Deutschlands Innovation und Wachstum", schreibt Bundesbildungsministerin Edelgard Buhlmahn in einer neuen Hochglanzbroschüre, die internationale Forscher in ihr Land locken soll. Deshalb werden nun Initiativen angekurbelt, um einen Platz an der Spitze der Wissenschaftsbranche zurückzuerobern. "Deutschland muss nicht nur seinen eigenen Talentpool mobilisieren, sondern auch verstärkt junge ausländische Fachkräfte ermuntern, hierher zu kommen."

Unterstützt wird das Bildungsministerium darin von vielen Institutionen, die Einstiegsjobs für junge Akademiker und vielseitige Forschungsstipendien für den besten Nachwuchs anbieten. Mehr als hundert Millionen Euro, so gibt die Regierung an, werden investiert, um das Universitätssystem attraktiver zu machen: Die Einführung einer Junior-Professur, ein neues Beförderungssystem und neue, großzügige Stipendien sollen die Abwanderung von Wissenschaftlern ins Ausland stoppen und ausländische Wissenschaftler anlocken. Wenngleich es zu früh ist, etwas über den Erfolg zu sagen - das Programm klingt vielversprechend. Und erste Reaktionen gibt es auch schon.

Erst kürzlich ist Joachim Schultze von der Universität Harvard an die Universität Köln gewechselt, um dort seine Arbeit fortzusetzen, nachdem er einen mit 1,15 Millionen Euro dotierten Forschungspreis der Bundesregierung gewonnen hatte. Und Mamoudou Setamou, ein Agrarwissenschaftler aus Benin, der in Deutschland promoviert hatte, verläßt in diesem Sommer die Texas A&M Universität, um als Junior-Forschungsgruppenleiter bei der Robert-Bosch-Stiftung anzufangen. Setamou sagt, er freue sich auf die Rückkehr nach Deutschland und begrüße die Bemühungen, das deutsche System international wettbewerbsfähiger zu machen.

Dass rund 14 Prozent der Deutschen, die gerade ihren Doktor gemacht haben, in den USA ihre Forschung aufnehmen, wird vom Bildungsministerium hier zu Lande erfreut zur Kenntnis genommen. Jedoch: Ein Viertel bis ein Drittel der Spitzenforscher bleibt auch in den Staaten. Das ist allerdings nicht nur ein deutsches Problem. Auch aus Ländern wie Indien und China, ganz zu schweigen von größeren europäischen Ländern, werden ebenfalls Tausende von Schülern zum Studium in die USA geschickt, und nur wenige kehren zurück. Aber für Deutschland, das brilliante Wissenschaftler wie Albert Einstein und Max Planck hervorgebracht hat, ist dies besonders ärgerlich.

Städte wie Leipzig, Göttingen, München und Berlin waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch wissenschaftliche Hochburgen. Das hat sich jedoch mit dem Aufkommen des Nationalsozialismus in den Dreißiger Jahren geändert. Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet Deutschland ins Hintertreffen, denn viele Forscher waren in die USA geflüchtet. Und dort war ein System renommierter Forschungseinrichtungen im Aufbau begriffen, das ausländische Forscher gleichermaßen anzog und von ihnen abhing.

Der Gedanke, Doktoren aus dem Ausland zu importieren, ist in Deutschland neu. Deshalb, so meinen Dr. Setamou und andere, muss Deutschland sein Image aufpolieren, um ausländische Wissenschaftler anzuziehen. "Die Deutschen haben einfach ein Problem, ihre Produkte zu vermarkten", sagt Dr. Setamou und witzelt, dass er - bevor er nach Deutschland gekommen war - immer gedacht habe, die französischen Autos seien die besten der Welt. Außer Peugeot macht eben in Benin niemand anderes Werbung. "Das gleiche gilt auch für die Wissenschaft." Die offiziellen Stellen stimmen dem zu.

Vor einem Jahr hat eine von der Regierung gesponserte Marketingkampagne begonnen mit dem Slogan: "Hi-Potentials! Careers made in Germany." Auf der begleitenden Website bemüht man sich auf englisch, spanisch, russisch und chinesisch, wenn auch manchmal etwas unbeholfen, mit der Vorstellung aufzuräumen, in Deutschland seien Menschen aus anderen Kulturkreisen nicht willkommen. "Die aktuelle Zahl gewaltbereiter Rassisten ist klein, und fast jede Stadt in Deutschland kann als multikulturell und offen beschrieben werden" heißt es. "Das trifft besonders auf die Wissenschaftsgemeinschaft zu. Und Deutschland ist, wie die Statistiken zeigen, nicht fremdenfeindlicher als andere europäische Länder."

An der Humboldt Universität in Berlin, die sich rühmt, 29 Nobelpreisträger hervorgebracht zu haben, gibt es Überlegungen, Vorlesungen in Englisch anzubieten. Die Universitätsleitung der Humboldt-Uni erwägt außerdem, eine Graduiertenschule nach amerikanischen Vorbild einzuführen. Im kommenden Monat sollen schon mal Ideen an der Cornell Universität in New York und der Universität von Washington Ideen gesammelt werden.

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