• Karstadt erwägt Schließung von Kaufhäusern Viele kleine und mittelgroße Standorte arbeiten unrentabel

Wirtschaft : Karstadt erwägt Schließung von Kaufhäusern Viele kleine und mittelgroße Standorte arbeiten unrentabel

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Düsseldorf (cs/HB). Wolfgang Urban, Vorstandschef der Karstadt-Quelle AG, schließt das Ende einiger seiner unrentablen Warenhäuser nicht mehr aus. Das bestätigte ein Sprecher des Essener Konzerns dem Handelsblatt. Ein konkretes Schließungsprogramm gebe es aber nicht, denn noch müsse geprüft werden, wie sich eine Filial-Reduzierung auf Einkaufskonditionen und Logistik auswirke.

Von der Äußerung Urbans zeigte sich Franziska Wiethold, Arbeitnehmervertreterin im Aufsichtsrat der Holding, überrascht. Noch vor einem Monat habe der Karstadt-Chef versichert, keines der renditeschwachen Nahversorgungs-Warenhäuser dichtmachen zu wollen. Stattdessen seien von ihm Ergebnisse der derzeit laufenden Tests neuer Konzepte nach der Sommerpause angekündigt worden. Wiethold: „Dass bei den Nahversorgern etwas getan werden muss, ist uns aber seit langem klar." Die Karstadt-Aktionäre, die sich am Donnerstag in Düsseldorf zur Hauptversammlung treffen, dürften die Überlegungen der Konzernspitze begrüßen. „Mit den Warenhäusern verdient Karstadt-Quelle kaum Geld“, sagt Jella Benner-Heinacher von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Urban werde allerdings erklären müssen, was er mit den dann frei werdenden Verkaufsflächen anfangen wolle.

Ohnehin ist die Düsseldorfer Aktionärsschützerin auf den Karstadt-Chef nicht gut zu sprechen: „Die Kooperationen mit Starbucks, Deutscher Telekom und Ergo gleichen eher einer verzweifelten Suche nach neuen Ertragsquellen." Doch ob man damit überhaupt Geld verdienen werde, stehe in den Sternen.

Dabei wird der Druck auf die 100-prozentige Warenhaustochter des Konzerns Karstadt-Quelle immer größer. Während das Versandhandelsgeschäft – auch wegen den Marketing-Aktionen rund um das Quelle-Jubiläum – nach Konzernangaben „recht gut“ läuft, tut sich das stationäre Handelsgeschäft außerordentlich schwer. „Die Ergebnisse des zweiten Quartals 2002 haben sich gegenüber dem ersten nicht gravierend verändert“, berichtet Warenhaus-Sprecher Elmar Kratz, ohne Zahlen zu nennen.

In den ersten drei Monaten des Jahres waren die Versandhandels-Umsätze gegenüber dem Vorjahresquartal nur moderat um 1,7 Prozent gesunken. Der Laden-gebundene Einzelhandel des Essener Konzerns hatte dagegen 7,7 Prozent eingebüßt, die Warenhäuser sogar 8,1 Prozent.

Gleichzeitig ist Urbans Sparprogramm ins Stocken geraten. Ende Juni musste der Konzern auf Druck der Gewerkschaften die angekündigte Streichung freiwilliger Sozialleistungen für die rund 60 000 Beschäftigten wieder zurücknehmen. Zudem untersagte das Oberlandesgericht in Hamm den Essenern, die Lieferantenrechnungen pauschal um 2,5 Prozent zu kürzen.

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