Wirtschaft : Karstadt kauft Shoppingsender

Handelskonzern zahlt zunächst 145 Millionen Euro für HSE 24. Einkauf im TV wird immer beliebter

Corinna Visser

Berlin - „Greifen Sie schnell zu“ – noch ist die Gesichtscreme mit Traubenkernextrakt 596-mal vorhanden. Doch die Zahl, die unten links auf dem TV-Bildschirm eingeblendet wird, sinkt rapide. „Das ist der absolute Wahnsinn, eine High-Tech-Creme“, wirbt Markus Asam, Chef der gleichnamigen Kosmetikfirma, im Teleshoppingsender HSE 24. „Für jedes kosmetische Problem ist ein Kraut gewachsen“, verrät er noch. Und all die Problemlösungen kann man ganz bequem von zu Hause bestellen, 24 Stunden am Tag. Auch der Berliner Prominenten-Friseur Udo Walz hat seine eigene Show auf HSE 24. Während der deutsche Einzelhandel im laufenden Jahr gerade einmal ein Wachstum zwischen einem halben und einem Prozent zu erreichen hofft, erwarten Experten im Teleshopping deutlich höhere Zuwachsraten. Davon will auch Karstadt-Quelle profitieren. Am Mittwoch kündigte der Touristik- und Handelskonzern die Übernahme des Teleshoppingsenders HSE 24 an.

„Der Verkauf über das Fernsehen wird einen wichtigen Beitrag zum künftigen Wachstum des Unternehmens leisten“, sagte Marc Sommer, Chef von Primondo und Vorstand bei Karstadt-Quelle. Primondo ist die Versandhandelsgruppe im Konzern. „E-Commerce und Teleshopping sollen innerhalb unserer Primondo- Gruppe in wenigen Jahren denselben Umsatz erwirtschaften wie heute das traditionelle Kataloggeschäft“, sagte Sommer. Im Vorjahr machte die gesamte Primondo- Gruppe einen Umsatz von 4,2 Milliarden Euro, Quelle setzte davon 2,6 Milliarden Euro um, 40 Prozent der Nachfrage kamen dabei bereits aus dem Internet.

HSE 24 – nach dem Düsseldorfer Sender QVC der zweitgrößte Einkaufskanal in Deutschland – setzte im Jahr 2006 mit 460 Mitarbeitern 286 Millionen Euro um. HSE 24 ist dabei sowohl im TV als auch im Internet aktiv. Der Sender erreicht per Kabel und Satellit mehr als 39 Millionen Haushalte in Deutschland, Österreich und der Schweiz. 1,3 Millionen Kunden kauften 2006 bei HSE 24 ein – vorwiegend sind es Frauen, durchschnittlich 55 Jahre alt, verheiratet und in Zwei-Personen-Haushalten lebend. Bisher gehörte HSE 24 dem Unternehmen Interactive Corp mit Sitz in New York. Karstadt-Quelle zahlt den Amerikanern 145 Millionen Euro in eigenen Aktien. Nach drei Jahren muss der Konzern bis zu 55 Millionen Euro nachzahlen, sollten die Aktien bis dahin nicht den Zielkurs von 38,60 Euro erreichen. Am Mittwoch erreichte das Karstadt-Quelle-Papier 27,89 Euro (plus 0,4 Prozent). „Sehr bald“ werde das Unternehmen weitere Teleshopping-Sender in Mittel- und Osteuropa akquirieren, sagte ein Konzernsprecher. HSE 24-Chef Konrad Hilbers verspricht sich vom Verbund mit Karstadt-Quelle ein zusätzliches Produktangebot – so arbeitet der Sender gerade an einer Verkaufsshow für Quelle-Einbauküchen – und erhebliche Synergiepotenziale bei Einkauf und Marketing. „Karstadt-Quelle andererseits wird von unserem Know-how im videobasierten Verkauf profitieren“, sagte Hilbers.

Im Vergleich zum gesamten Einzelhandelsumsatz in Deutschland (2006: 392 Milliarden Euro) ist der Teleshopping- Umsatz marginal. Die vier großen Sender: QVC, HSE24, RTL Shop und 123.TV setzten nach Branchenangaben 1,16 Milliarden Euro um. In den vergangenen Jahren hatte es Wachstumsraten um zehn Prozent pro Jahr gegeben. Doch das Wachstum schwächt sich ab. „Ich erwarte, dass der Umsatz in den kommenden Jahren jeweils zwischen sechs und sieben Prozent zulegen und 2010 oder 2012 1,5 Milliarden Euro erreichen wird“, sagte Klaus Goldhammer von der Berliner Beratungsfirma Goldmedia dem Tagesspiegel. „Es macht Sinn, dass sich ein Einzelhandelskonzern wie Karstadt- Quelle dieses Vertriebswegs bedient.“ Wachstumschancen für diesen Vertriebsweg sieht Goldhammer durch die Digitalisierung des Fernsehens, denn die bringt zusätzliche Kanäle, die zum Beispiel für eigene Sender für Heimwerkerbedarf oder Schmuck genutzt werden können. Bisher sind die beliebtesten Produkte im Teleshopping Schmuck, Bekleidung, Haushaltswaren – und Kosmetik.

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