Wirtschaft : Karstadt-Quelle-Chef Achenbach gibt auf

KarstadtQuelle-Chef Christoph Achenbach ist mitten in der Sanierung des angeschlagenen Handelskonzerns zurückgetreten. Der Posten des Vorstandschefs bleibt zunächst unbesetzt. Bis zur Ernennung eines neuen Vorsitzenden wird der Vorstand vom Finanzvorstand Harald Pinger koordiniert.

Wiesbaden/Essen (07.04.2005, 18:10 Uhr) - Nach einem neuen Konzernlenker werde international gesucht, teilte KarstadtQuelle am Donnerstag mit. Achenbach war nur zehn Monate im Amt. Ihm wurde eine zu langsame Sanierung vorgeworfen.

Pinger gilt als ausgewiesener Finanzexperte. Der Manager, der erst vor einem halben Jahr von dem Gasehersteller Messer-Griesheim zu dem ums Überleben kämpfenden Handelsriesen gewechselt hatte, hat den Ruf, ein Favorit der Banken zu sein. Der zuvor als möglicher Nachfolger gehandelte frühere Karstadt-Vorstand Klaus Eierhoff, derzeit Vorstandschef des Luxemburger Logistik-Konzerns Thiel, hatte eine Rückkehr in die Essener Konzernzentrale abgelehnt.

Pinger wird von den Banken zugetraut, den schwer angeschlagenen Handelskonzern zunächst wieder in Fahrt zu bringen. Auf dem Traditionsunternehmen lasten eine magere Bilanz, eine milliardenschwere Schuldenlast und ein Sanierungspaket, das erst in Teilen umgesetzt ist, und schwache Umsätze.

Achenbach habe den Aufsichtsrat über seinen Wunsch informiert, «die ihm übertragenen Aufgaben als Vorstandsvorsitzender der KarstadtQuelle AG nicht mehr fortsetzen zu wollen», hieß es. Aufsichtsratschef Thomas Middelhoff habe ihm für die «langjährige, erfolgreiche Tätigkeit, insbesondere für die geleistete Arbeit im Zuge der Sanierung des Konzerns in schwierigen Zeiten, auch im Namen der Gesellschafter, gedankt».

Die Geschäftsführerin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, der größte deutsche Aktionärsvertretung, Jella Benner-Heinacher, forderte angesichts einer sich immer schneller drehenden Abwärtsspirale bei dem Handelsriesen eine Verschärfung des Sanierungskurses. Das von Achenbach im Herbst vergangenen Jahres vorgelegte Konzept werde nicht mehr ausreichen.

Der als Sanierer angetretene KarstadtQuelle-Chef habe sich mit seinem engen Zeitplan selbst unter Druck gesetzt. Vor allem bei seinem Verkaufsprogramm, das 1,1 Milliarden Euro in die Kasse bringen soll, habe der Konzernchef seine Ziele noch nicht erreichen können. «Achenbach hat sich selbst ins Knie geschossen», sagte Benner- Heinacher. «Wenn jemand etwas öffentlich auf die Verkaufsliste setzt, fällt der Preis.» KarstadtQuelle könne nun gezwungen sein, weitere Beteiligungen wie den Anteil am Tourismuskonzern Thomas Cook abzugeben, um den dringend notwendigen Sanierungsbeitrag zu erlösen.

Achenbach war im Juni 2004 als dritter Konzernchef binnen vier Jahren ins Rennen gegangen. Mit der Vorlage des bis dahin radikalsten Sanierungsprogramms in der Konzerngeschichte sorgte er bereits wenige Monate später für öffentliches Aufsehen und hoch gesteckte Erwartungen bei Banken und Anteilseignern, die er jedoch nach Ansicht von Experten bislang nicht erfüllen konnte.

Geplant war der Abbau von 4000 der rund 100 000 Arbeitsplätze, der Verkauf großer Warenzentren, der Fachgeschäfte wie Runners Point oder SinnLeffers sowie 77 kleinerer Kaufhäuser. Realisieren konnte Achenbach bislang nur ein Drittel der Verkäufe. Allerdings steht ein Käufer für die kleinen Warenhäuser in Aussicht. Das Angebot des Hamburger Finanzinvestors BC Partners für 75 Häuser soll bei 400 Millionen Euro liegen. Karstadt will 600 Millionen Euro.

Das Geschäft in den größeren Häusern läuft angesichts der allgemeinen Handelsflaute noch passabel. Und für die Kunden verspricht der Konzern bessere Bedienung. Mit neuen Konzepten soll der Anteil «Bedienen und Beraten» von 26 auf 40 Prozent» steigen. (tso)

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