Wirtschaft : Karstadt-Quelle: Der Chef des Warenhaus-Konzerns gibt auf

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Nach verfehlten Fusionszielen hat der Chef von Karstadt-Quelle, Walter Deuss, seinen Rücktritt angekündigt. Der Karstadt-Manager stand 18 Jahre an der Spitze des größten deutschen Warenhauskonzerns. Nach dem Zusammenschluss von Karstadt und Quelle hatte Deuss einräumen müssen, dass die vor der Fusion prognostizierten Effekte nicht erreicht wurden. Nachfolger von Deuss wird der frühere Metro-Manager Wolfgang Urban.

Noch am Donnerstag morgen hatte Karstadt-Quelle Gerüchte über den Rücktritt von Deuss zurückgewiesen. Auf der Hauptversammlung erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende des Unternehmens, Hans Meinhardt, dann lediglich, Deuss scheide "auf eigenen Wunsch aus". Der 65-jährige Deuss, dessen Vertrag bis Juli 2001 gelaufen wäre, soll in den Aufsichtsrat wechseln. Die Börse begrüßte die Ankündigung: Der Kurs der Karstadt-Quelle-Aktie legte um nahezu zehn Prozent zu. Seit August 1999 war das Papier von 47 Euro zwischenzeitlich auf weniger als 28 Euro abgestürzt.

Zum letzten Mal rechtfertigte Deuss, der 33 Jahre Mitglied des Karstadt-Vorstandes war, seine Arbeit gegenüber den Aktionären. Viele Anteilseigner nehmen Deuss übel, die bisherigen Voraussagen für Ergebnisse und Umsätze im Geschäftsjahr 1999 erst bei der Bilanzvorlage vor einem Monat korrigiert zu haben - und zwar stark nach unten. Bis dahin hatte das Unternehmen an dem Bericht zur Verschmelzung von Karstadt und Quelle weitgehend festgehalten, in dem beispielweise von einem Ergebnis (vor Steuern) von 705 Millionen Mark die Rede gewesen war. Wie sich herausstellte, hat KarstadtQuelle diesen Wert um 200 Millionen Mark verfehlt. Jetzt ist es nach den Worten von Meinhardt die Aufgabe des neuen Vorstandsvorsitzenden Urban, die bisherige "anspruchsvolle Prognose" für das Jahr 2000 zu erfüllen. Das war ein Ergebnis (vor Steuern) von 969 Millionen Mark, das jedoch nun erst 2003 erreicht werden soll. Einer Analystin zufolge hatte Karstadt-Quelle noch bei dem letzten Treffen mit Analysten im Juni mitgeteilt, alle Prognosen würden sich um zwei Jahre verschieben - und nicht um drei. Seinen Irrtum erklärte Deuss mit verschiedenen Umständen. Das Geschäft im September sei außerordentlich schlecht verlaufen, auch den harten Preiskampf im Einzelhandel habe niemand vorhersehen können. Er sei zudem davon ausgegangen, der Einzelhandel habe die mehrjährige Phase schrumpfender Umsätze überwunden, auch wegen des allgemeinen konjunkturellen Aufschwungs.

Die Erklärungen überzeugten Jella Benner-Heinacher von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) nicht. Sie warf Deuss vor, den Einstieg in den elektronischen Handel (E-Commerce) "verschlafen" zu haben. Heftig kritisierte sie außerdem die Informationspolitik von Karstadt-Quelle. Ob man in der Verwaltung noch nichts von ad-hoc-Mitteilungen gehört habe, zu denen Unternehmen bei veränderten Ergebniserwartungen verpflichtet seien?, fragte sie sarkastisch. Ohnehin sei Karstadt-Quelle eines Dax-Wertes nicht würdig, wenn nicht einmal Quartalsberichte veröffentlicht würden. Ferner gab sie zu bedenken, dass andere Einzelhandels-Häuser wie Kaufhof ihre Zukunft sehr viel besser eingeschätzt hätten. Deuss räumte daraufhin ein, Fehler in der Informationspolitik begangen zu haben. Über Kaufhof wolle er sich nicht äußern, denn "unter Konkurrenten vergleicht man sich nicht". Von der nahen Zukunft sprach Deuss zuversichtlich. Der Konzern habe seinen Umsatz im ersten Halbjahr 2000 im stationären Einzelhandel um 2,9 Prozent auf 6,6 Milliarden Mark gesteigert. Zu der Konzernsparte zählen die Karstadt-Warenhäuser und die Fachgeschäfte. Zwar habe das Ergebnis mit der Umsatzentwicklung nicht mitgehalten. Ihn stimme aber optimistisch, dass der - für Einzelhandelsunternehmen typische - Verlust im ersten Halbjahr kleiner als im Vorjahr gewesen sei. Insgesamt gehe er davon aus, dass Karstadt-Quelle sein Ergebnis im ersten Halbjahr "leicht verbessern konnte". Nach Worten von Deuss wird Karstadt-Quelle den elektronischen Handel ausbauen. Bis zum Jahre 2004 seien Investitionen im Wert von 400 Millionen Mark geplant.

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