Wirtschaft : Karstadt-Quelle: Der Rücktritt ist noch nicht die Lösung (Kommentar)

Margarita Chiari

Selbst die Analysten wollten keine Wetten darauf abschließen. Zu oft schon hat Walter Deuss seine Kritiker überrascht und alle Hahnenkämpfe im Warenhauskonzern scheinbar unbeschädigt überstanden - was ihm prompt auch den Spitznamen "Urgestein" einbrachte. Doch diesmal hat es nicht gereicht. Die massive Kritik vor allem der institutionellen Anleger am schwachen Kursverlauf der Karstadt-Notierung und die bislang ausgebliebenen Erfolge der einst als Glücksfall gefeierten Fusion mit Quelle haben der Karriere des 65-jährigen Konzernchefs ein jähes - und vorzeitiges - Ende beschert. Ob das schon zum Wohl des Unternehmens gereicht, ist aber noch offen.

Denn Deuss hinterlässt alles andere als ein aufgeräumtes Haus. Die Warenhäuser - der eigentliche Kernbereich - haben den Zusammenschluss von Karstadt und Hertie bis heute nicht vollends bewältigt. Die Manager mussten zusehen, dass der Konkurrent Kaufhof nach der Integration von Horten mit besseren Ergebnissen an ihnen vorbeizog. Dass der nunmehrige Deuss-Nachfolger Wolfgang Urban seinerzeit bei Kaufhof maßgeblich die Strippen zog, mag nun zu seiner Berufung an die Karstadt-Spitze beigetragen haben. Doch damit sind die Schwachstellen noch nicht beseitigt. Auch die Fusion mit Quelle hat bislang nicht die erwarteten Synergie-Effekte gebracht. Statt dessen schien die Nummer Eins unter Deutschlands Versandhändlern durch interne Führungsrangeleien gelähmt. Eine klare Verschmelzung mit der Karstadt-Tochter Neckermann blieb ebenso aus, wie eine offensive Auslandsstrategie - der Konkurrent Otto Versand ist hier seit Jahren erfolgreicher. Als echtes Fiasko erwies sich schließlich auch die Internet-Offensive des Konzerns, obwohl Karstadt und Quelle eigentlich die besten Voraussetzungen dafür geboten hätten. Doch die ersten Gehversuche von "Myworld" waren kostspielig und ein Flop. Mit 400 Millionen Mark soll nun Schwung ins Geschäft gebracht werden - zu spät, zu wenig, sagen Experten.Die institutionellen Investoren haben nun den Abtritt von Deuss erzwungen. Karstadt brauchte eine gute Nachricht, um den Kursverfall zu stoppen. Der Vorstandswechsel ist das Ergebnis: Wolfgang Urban muss die Hoffnungen aber erst erfüllen.

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