Wirtschaft : Karstadt-Quelle muss weiter sparen

Handelskonzern leidet unter der Konsumflaute und erwartet weiter sinkende Umsätze für das Gesamtjahr

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Düsseldorf (kwi). Die Kaufzurückhaltung der deutschen Verbraucher und die Flaute in der Reisebranche setzen der Karstadt-Quelle AG weiter enorm zu. Nach schlechten Halbjahreszahlen rechnet Europas größter Warenhaus- und Versandhandelskonzern deshalb für das Gesamtjahr mit einem Umsatzrückgang von drei Prozent und einem Ertrag, der allenfalls auf dem Vorjahresniveau liegt, teilte das Unternehmen gestern mit. Der Essener Konzern gab damit zum ersten Mal eine konkrete Prognose für das Gesamtjahr 2002 ab. Nun will der Konzern mit einem drastischen Sparprogramm gegensteuern. Auch einen weiteren Stellenabbau schließe das Unternehmen im zweiten Halbjahr nicht aus, wenn die Geschäfte weiterhin so schlecht liefen, sagte ein Unternehmenssprecher dem Tagesspiegel. Konkrete Pläne gebe es hierfür aber nicht.

Die Geschäfte von Karstadt-Quelle liefen in der ersten Jahreshälfte schlechter, als es Analysten erwartet hatten. Der Konzernumsatz ging im zweiten Quartal um 1,5 Prozent zurück; der Verlust (Ergebnis vor Ertragssteuern; EBT) verdreifachte sich auf minus 227,7 Millionen Euro. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres hatte das Minus noch bei 68,9 Millionen Euro gelegen.

Schuld an den schlechten Zahlen sind nach Unternehmensangaben in erster Linie die Reisetochter Thomas Cook AG und außerordentliche Faktoren. Die Menschen seien wegen der Terroranschläge in den USA und Tunesien verunsichert und hätten weniger Reisen gebucht. Ein zweiter Grund sei, dass die Touristik-Tochter Thomas Cook, die Karstadt-Quelle und der Lufthansa gemeinsam gehört, erstmalig ganzjährig bilanziert wurde. Cook erwirtschafte seine Gewinne in den Monaten Juli und August, sodass sich die Ergebnissituation bereits im nächsten Quartalsabschluss deutlich verbessern werde, teilte das Unternehmen mit. Zu Buche schlage auf der Kostenseite außerdem der fortschreitende Stellenabbau, zum Beispiel in Form von Abfindungen. Seit Anfang des Jahres hat sich der Konzern von 7700 Mitarbeitern getrennt.

Die Entwicklung der einzelnen Geschäftsfelder von Karstadt-Quelle fiel unterschiedlich aus. Dank der Quelle-Jubiläumsverkäufe machten die Versandhandelstöchter Quelle und Neckermann von April bis Juni ein Plus von knapp neun Prozent. Dagegen schlug die Konsumzurückhaltung der Verbraucher bei den Warenhäusern mit einem Umsatzeinbruch von fast elf Prozent voll durch.

Analysten zeigten sich von den Zahlen enttäuscht. Sie seien „schlechter als erwartet“, sagte Thilo Kleibauer von M.M. Warburg. Allerdings sei die Prognose nur beschränkt aussagekräftig, da „außerordentliche Kosten der Flexibilisierung sowie mögliche Zusatzkosten auf Grund der aktuellen Flutkatastrophe nicht berücksichtigt“ sind, wie KarstadtQuelle erklärte. Gemeint sind damit die Kosten für den Stellenabbau sowie für Umsatzausfall und Sanierung der beiden überfluteten Karstadt-Häuser in Dresden. M.M.-Warburg-Experte Kleibauer: „Die Prognose ist wegen der gemachten Einschränkungen verwässert.“ Volker Hergert von der Bankgesellschaft Berlin hält das Umsatzziel von minus drei Prozent realistisch. Er bleibt bei seiner Einstufung der Konzern-Aktien von „Halten". Im Nebenwerte-Index M-Dax zählte Karstadt-Quelle am Montag zu den großen Verlierern. Bis zum späten Nachmittag gab der Kurs um 2,8 Prozent auf 21,75 Euro nach.

Der Essener Konzern spiegelt die Krise im deutschen Handel wider. Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels erwartet für 2002 einen Umsatzrückgang von 2,75 Prozent. Karstadt-Quelle-Konkurrent Metro kann sich vom Trend indes abkoppeln. In diesem Jahr soll der Gewinn je Aktie um zehn Prozent zulegen. Der Grund: Metro verdient jeden zweiten Euro im Ausland und hat sich von der hiesigen Entwicklung abgekoppelt.

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