Karstadt-Quelle : Proteste gegen Lohndumping und Kündigungen

Über 800 Quelle-Beschäftigte sollen künftig für erheblich weniger Geld mehr arbeiten: Zum Jahresende will ihnen das Unternehmen kündigen, damit sie sich neu auf die Stellen mit den schlechteren Konditionen bewerben können.

Fürth - Mit Appellen an Karstadt-Quelle-Hauptaktionärin Madeleine Schickedanz haben mehr als 800 Beschäftigte der Quelle-Servicegesellschaften den Kampf um ihre Arbeitsplätze fortgesetzt. "Frau Schickedanz ist Fürther Bürgerin. Ich fordere sie auf, tätig zu werden und für uns zu kämpfen", sagte der Betriebsratsvorsitzende Wolfgang Staudt auf einer Kundgebung. Der bayerische Landesvorsitzende der Gewerkschaft Verdi, Josef Falbisoner, nannte die bei dem Versandunternehmen geplanten drastischen Einschnitte unsozial und unzumutbar.

Nach Vorstellung des Karstadt-Quelle-Konzerns sollen die 815 Beschäftigten in zwei Call Centern in Nürnberg bei längerer Arbeitszeit und kürzerem Urlaub statt bisher durchschnittlich 2000 Euro künftig noch zwischen 1100 und 1450 Euro verdienen. Falbisoner forderte die Einführung eines Mindestlohns, "damit das Lohndumping in diesem Land endlich aufhört". Die Lohnkürzungen hätten Methode. "Bei der Telekom läuft es genauso", sagte der Verdi-Landeschef.

"Der Kampf ist eröffnet"

Die Beschäftigten sollten nun für zahlreiche Fehler des Managements verantwortlich gemacht werden. "Wir werden den Druck auf das Unternehmen deutlich erhöhen", kündigte Falbisoner an. "Es ist unglaublich, was hier passiert." Der örtliche Gewerkschaftssekretär Johann Rösch sagte: "Der Kampf ist eröffnet." Man sei durchaus zu Verhandlungen "unterhalb des jetzigen Niveaus" bereit. Das vom Konzern angekündigte Vorgehen sei aber nicht zu akzeptieren. Karstadt-Quelle will allen Beschäftigten zum Jahresende kündigen. Sie können sich dann auf die Arbeitsplätze neu bewerben. Das Unternehmen begründete die Pläne damit, wettbewerbsfähig bleiben zu müssen.

Der Fürther Oberbürgermeister Thomas Jung (SPD) sprach von einer "existenziell verheerenden Situation" für die Beschäftigten. "Löhne, von denen man nicht leben kann, sind völlig inakzeptabel für die Politik." Man brauche dringend Mindestlöhne in Deutschland. "Ohne die Kaufkraft breiter Schichten kann es keinen Handel, auch keinen Versandhandel geben", sagte der OB. Er wies aber zugleich auf die schwierige Situation der defizitären Versandhandelssparte hin. Dies müssten auch die Arbeitnehmervertreter bei den Verhandlungen bedenken.

Vor der Quelle-Zentrale in Fürth hatten die Beschäftigten zuvor symbolisch 1100 Ostereier präsentiert und ihrem Unmut mit Trillerpfeifen und Sprechchören Luft gemacht. Auf einem Transparent stand: "Frau Schickedanz, bitte helfen Sie uns". (tso/dpa)

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