Wirtschaft : Karstadt-Quelle rutscht wieder in die roten Zahlen Warenhaus-Konzern droht

Verlust von 40 Millionen Euro

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Düsseldorf (cs/HB). Europas größter Warenhaus und Versandkonzern Karstadt-Quelle hat im abgelaufenen Geschäftsjahr wahrscheinlich operativ rote Zahlen geschrieben. Die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt und Commerzbank Securities gehen übereinstimmend davon aus, dass das Essener Unternehmen – bereinigt um außerordentliche Erträge – beim Gewinn vor Steuern und Firmenwertabschreibungen (Ebta) 2003 unter die Nulllinie geraten ist.

Während die Commerzbank ein Minus von 40 Millionen Euro erwartet, prognostiziert HSBC einen Fehlbetrag von 28 Millionen Euro und ein um Sondereffekte bereinigtes Nettoergebnis pro Aktie von minus 56 Cent. Dies wäre der erste operative Verlust seit der Fusion von Karstadt und Quelle vor fünf Jahren. Ein Sprecher von Karstadt- Quelle wollte den drohenden Verlust weder bestätigen noch dementieren und verwies auf den offiziellen Geschäftsbericht Ende März. Er räumte aber ein, dass das Einzelhandelsgeschäft im vergangenen Jahr stark unter der Kaufzurückhaltung deutscher Kunden gelitten habe.

Ursprünglich hatte Vorstandschef Wolfgang Urban für 2003 ein Ebta von 250 Millionen Euro versprochen, war im November aber wegen der Turbulenzen bei dem Touristikunternehmen Thomas Cook, das Karstadt-Quelle zur Hälfte gehört, davon abgerückt. Gleichzeitig drückten die Rabattschlachten im Weihnachtsgeschäft die Gewinnmargen des Konzerns. Schon direkt nach der Bekanntgabe der konzernweiten Umsatzzahlen am 9. Januar hatten viele Analysten ihren Ausblick auf das Konzernergebnis gesenkt.

Keine Personaldiskussion

Sorge bereiten die Zahlen auch dem Aufsichtsrat in Essen. „Es wird derzeit alles Mögliche diskutiert, um das Steuer wieder herumzuwerfen", sagte ein Konzernaufseher dem Handelsblatt." An Vorstandschef Urban will das Kontrollgremium dennoch festhalten. Der ehemalige Metro-Top-Manager hatte den Konzern Karstadt-Quelle um zahlreiche Randaktivitäten – etwa das Deutsche Sportfernsehen, die Cafékette Starbucks und das Bank- und Versicherungsgeschäft – ergänzt. Ein sichtbarer Erfolg dieser Strategie ist bislang aber ausgeblieben.

Auch die 187 Warenhäuser entwickeln sich deutlich schlechter als der Gesamtmarkt. Die verstaubte Vertriebsform verliert zunehmend Kunden an billige Fachmärkte oder Service-orientierte Spezialanbieter. Während Erzrivale Kaufhof in den vergangenen Jahren sein Sortiment deutlich gestrafft hat, um die Flächenproduktivität seiner teuren Innenstadthäuser zu erhalten, verkauft Karstadt immer noch in bester Lage margenschwache Schrauben und Glühbirnen.

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