Wirtschaft : Karstadt-Quelle verdoppelt den Gewinn

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Mit seinen jüngsten Quartalszahlen hat der größte europäische Warenhaus- und Versandhandelskonzern die Analystenprognosen deutlich übertroffen. Trotz des schlechten konjunkturellen Umfeldes hat die Karstadt-Quelle AG, Essen, im traditionell schwachen dritten Quartal überraschend einen Gewinn erwirtschaftet: Der Konzern hat das Ergebnis vor Steuern von Juli bis September auf 7,5 Millionen Euro gesteigert, während im Vorjahreszeitraum ein Minus von 21,5 Millionen Euro angefallen war. Analysten hatten für das dritte Quartal 2001 mit einem Fehlbetrag von 1,2 Millionen Euro gerechnet.

Entsprechend zufrieden äußerte sich Karstadt-Quelle. "Die Restrukturierung läuft voll nach Plan. Wir sind optimistisch, die gesteckten Ziele zu erreichen - und das trotz des Gegenwindes am Markt", sagte Vorstandschef Wolfgang Urban. Er war im vergangenen Herbst an die Spitze des Konzerns getreten und hatte ein umfangreiches Spar- und Umstrukturierungsprogramm verordnet. Mit demZehn-Punkte-Wertsteigerungsprogramm sollen die Logistik-, System- und Verwaltungskosten gesenkt werden. Denn bislang liegen die Kosten bei Karstadt-Quelle höher als bei der Konkurrenz.

Der Konzern "ist aber auf dem Weg, aufzuholen", sagt Thilo Kleibauer, Analyst für Einzelhandelswerte bei M.M. Warburg, dem Tagesspiegel. Insbesondere das Restrukturierungsprogramm in der Warenhaussparte habe Erfolge gezeigt. Kleibauer wertet die jüngsten Zahlen positiv und bleibt bei der Empfehlung "Kaufen". Während der Essener Konzern für das Gesamtjahr weiterhin von einem 25-prozentigen Ergebnisplus ausgeht, hat er die Umsatzprognose fast halbiert. Den Grund sieht Analyst Kleibauer darin, dass das Unternehmen das schwache Weihnachtsgeschäft einberechnet hat.

Karstadt-Quelle selbst vermeidet klare Aussagen. "Wir können nicht sagen, wie sich die Verunsicherung der Verbraucher auf das Weihnachtsgeschäft niederschlagen wird", sagt ein Sprecher. Wegen der schlechten Konjunktur und der Verunsicherung in Folge der Anschläge in den USA rechnen aber Experten eher mit einem schwachen Weihnachtsgeschäft.

Die Branche selbst gibt sich optimistisch. Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) in Berlin hofft, dass die Einführung des Euro und die niedrigen Energiepreise den Verbraucher seine Kaufzurückhaltung vergessen lassen. "Wir rechnen schon damit, dass das diesjährige Weihnachtsgeschäft etwa auf dem Vorjahresniveau liegen wird", sagt ein Sprecher. Allerdings war bereits das vergangene Jahr hinter den Erwartungen zurückgeblieben.

Während Karstadt-Quelle die Umsatzprognose für das Gesamtjahr herabgestuft hat, hat der Konzern seine Erwartungen für die Online-Aktivitäten seiner 45 Online-Shopping-und Marketingportale zum zweiten Mal in diesem Jahr angehoben - und zwar von 700 Millionen Euro auf 750 Millionen Euro. Hauptumsatzträger ist im Online-Geschäft der Versandhandel; für die Warenhäuser fungieren die Websites eher als Marketinginstrument. Im Jahr 2003 will Karstadt-Quelle rund 1,5 Milliarden Euro über Shopping-Portale umsetzen.

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