Wirtschaft : Karstadt-Quelle verliert Kunden

Umsatz im Versand und in den Warenhäusern bricht 2004 massiv ein – auch das stabile Weihnachtsquartal bringt keine Wende

Henrik Mortsiefer

Berlin - Karstadt-Quelle hat 2004 in seinen Warenhäusern, im Versandhandel und in den Fachgeschäften einen Umsatzeinbruch erlitten. Auch ein relativ stabiles Weihnachtsgeschäft konnte die vorläufige Bilanz des angeschlagenen Konzerns nicht verbessern. Insgesamt fiel der Umsatz um sieben Prozent auf 14,2 Milliarden Euro.

Während Karstadt-Chef Christoph Achenbach am Dienstag betonte, man habe mit diesem Minus gerechnet und das Weihnachtsgeschäft sei „im Rahmen der Erwartungen“ verlaufen, zeigten sich Analysten enttäuscht. „Man hat von Karstadt mehr erwartet“, sagte Christian Schindler von der Landesbank Rheinland-Pfalz. Der Einzelhandel sei mit dem Geschäft im November und Dezember insgesamt zufrieden gewesen. Karstadt-Quelle musste im vierten Quartal hingegen auf 9,5 Prozent seines Umsatzes verzichten. Vor allem in der ersten Hälfte des Quartals, als eine Kapitalerhöhung um 500 Millionen Euro auf der Kippe stand, hatte der Konzern dreistellige Millionensummen verloren. Im Dezember stabilisierte sich der Umsatz wieder.Vor allem der schwache Versandhandel, der mehr als die Hälfte des Konzernumsatzes ausmacht, werde zu „einem großen Problem“, sagte Analyst Schindler. So brach der Umsatz von Quelle und Neckermann um mehr als elf Prozent ein. „Hier muss der Konzern sechs Monate im Voraus kalkulieren und hat keinen Spielraum, Preise anzupassen“, sagte Schindler.

Im stationären Einzelhandel mit 180 Warenhäusern und 305 Fachgeschäften schrumpfte der Umsatz ebenfalls – um sieben Prozent auf 6,5 Milliarden Euro. Hinderlich für den anstehenden Verkauf dürfte sich das schlechte Abschneiden der Fachgeschäfte (Runners Point, Sinn Leffers, Wehmeyer, Golf House) auswirken. Sie setzten zusammen fast 17 Prozent weniger (837 Millionen Euro) um. Zum Stand der Verhandlungen machte der Konzern keine Angaben. Am schnellsten dürfte aber der Verkauf der Logistiksparte gelingen, an der die Deutsche Post interessiert ist. Für die Sportgeschäfte von Runners Point hatte die Intersport-Kette Interesse angemeldet. Ein Sprecher dementierte aber auf Anfrage, dass es bereits konkrete Gespräche gebe.

Die Hoffnungen der rund 95000 Karstadt-Mitarbeiter richten sich auf einen zügigen Verlauf der Sanierung. Die Personalentwicklungsagentur Peag hat inzwischen mit dem Aufbau einer Beschäftigungsgesellschaft begonnen. Bis Ende 2007 sollen 4200 Jobs im Verwaltungsbereich gestrichen werden. 2005 will Karstadt das Ergebnis ausgleichen und 2006 schon wieder einen Gewinn erwirtschaften. 2004 dürfte das Minus bei rund 300 Millionen Euro gelegen haben. „Unsere Kunden schenken uns wieder zunehmend ihr Vertrauen“, sagte Achenbach.

In den Filialen vor Ort ist das Bild aber sehr unterschiedlich. In Berlin, wo der Konzern rund 8000 Beschäftigte zählt, leiden die vier zum Verkauf stehenden Häuser in Tegel, Moabit, Schöneberg und Neukölln (Hertie) unter der Verunsicherung der Kunden. Seit dem 1. Januar gehören sie zur Karstadt Kompakt GmbH, die 77 Häuser bündelt, die bis Ende 2007 verkauft werden sollen. „Die lokalen Geschäftsführer haben jetzt mehr Freiraum“, sagte ein Sprecher. Gesamtbetriebsratsmitglied Peter Müllers bezeichnet das Konzept für einige Häuser als „katastrophal“. Da die Filialen aus dem Werbeverbund des Konzerns fielen, fänden sich Kunden nicht mehr zurecht.

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