Wirtschaft : Karstadt spielt bei der Fußball-WM 2006 mit

Warenhauskonzern schließt Exklusivvertrag mit der Fifa / Expansion ins Ausland wegen Konsumflaute

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Düsseldorf (kwi/msh). Der Handelskonzern KarstadtQuelle will mit einem neuen Warenhauskonzept, mehr Dienstleistungen und einer stärkeren Expansion ins Ausland der Konsumflaute in Deutschland trotzen. Das kündigte Konzernchef Wolfgang Urban am Montag bei der Vorlage der Neunmonatszahlen an. Neben schwachen Umsatzzahlen für das dritte Quartal präsentierte Urban auch Positives: Karstadt-Quelle wird für die Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland exklusiv die Fanartikel verkaufen.

Eine entsprechende Lizenzpartnerschaft schloss der Konzern vor wenigen Tagen mit dem Weltfußballverband Fifa. Karstadt- Quelle wird in seinen Geschäften mehr als 300 WM-Shops betreiben und selbst Textilien und Fanartikel mit dem WM-Logo produzieren. Über die Höhe der Lizenzkosten schwieg sich Urban zwar aus, er bezifferte das Umsatzvolumen mit den Fanartikeln aber auf rund eine Milliarde Euro.

Urban präsentierte in Düsseldorf das Zukunftsprogramm „Karstadt-Quelle 2007“. Einen radikalen Kurswechsel beinhaltet die neue Konzernstrategie nicht. Urban hält am „Ausbau zum integrierten Handels- und Dienstleistungskonzern“ fest. Karstadt-Quelle wird künftig in vier Teilkonzernen operieren: Stationärer Handel, Versandhandel, Dienstleistungen und Immobilien.

Kern der Strategie für den stationären Einzelhandel ist der Umbau der 180 Warenhäuser. Die rund 100 großen, profitablen Standorte, die 88 Prozent des gesamten Warenhaus-Umsatzes machen, sollen gestärkt und zu Erlebniswelten umgebaut werden. Vorbild für die Modernisierung ist das kürzlich eröffnete Karstadt-Haus in Mühlheim. Es setzt auf Erlebniseinkauf und ist wie ein Shopping-Center aufgebaut: 40 Prozent der Fläche sind an fremde Anbieter wie Gerry Weber und Benetton untervermietet.

Die 80 kleineren, häufig wenig gewinnbringenden Häuser will Urban mit einem besseren Management auf Rendite trimmen oder zu spezialisierten Kaufhäusern umbauen. Diese auf einzelne Warengruppen wie Freizeit (Karstadt Sport) oder Mode (Sinn Leffers) ausgerichteten Geschäftstypen sind bei den Kunden besonders beliebt und versprechen auch in den kommenden Jahren ein Umsatzwachstum. Die Aufgabe von Standorten schloss Urban aus.

Im Versandhandelsgeschäft plant Karstadt-Quelle eine stärkere Auslandsexpansion von Quelle und Neckermann. „Im Fokus stehen vor allem die drei Märkte Großbritannien, Skandinavien und Mittel-Ost-Europa", sagte Urban. Außerdem sollen neue Märkte erobert werden. Im kommenden Jahr hat Urban die Schweiz und Holland auf der Liste. Daneben will Karstadt-Quelle den Universalversand weiterentwickeln. Geplant ist unter anderem die stärkere Ausrichtung auf Zielgruppen, wie es der Katalog „Happy Size“ für junge Frauen mit Übergewicht vormacht. Den Spezialversand will Karstadt weiter ausbauen, nicht zuletzt über Akquisitionen.

Um sich vom lahmenden Einzelhandelsgeschäft unabhängiger zu machen, will Urban mehr Dienstleistungen anbieten. Zu den Dienstleistungen gehören unter anderem die gemeinsam mit der Versicherungsgruppe Ergo angebotenen Finanzdienstleistungen, das Kundenkartenprogramm Happy Digits und das TV-Shopping. Mittel- bis langfristig sollen mit den Services rund 35 Prozent des Konzernergebnisses erwirtschaften, sagte Urban. Heute sind es lediglich sieben Prozent.

Noch leidet Karstadt-Quelle aber an der Kaufzurückhaltung der Verbraucher. Im dritten Quartal stagnierte der Gesamtumsatz bei 3,6 Milliarden Euro, wobei sich die einzelnen Sparten sehr unterschiedlich entwickelten. Der stationäre Einzelhandel machte mit 1,72 Milliarden Euro 6,3 Prozent weniger Umsatz als im Vorjahresquartal. Der Umsatz im Versandhandel konnte dagegen 7,5 Prozent auf 1,88 Milliarden Euro zulegen. Der Konzern verbuchte im dritten Quartal einen Gewinn von 54,1 Millionen Euro (Vorjahr: 49,7 Millionen Euro).

Für den weiteren Verlauf des Jahres erhofft sich Urban nicht viel. „Wir sehen dem Weihnachtsgeschäft mit vorsichtigem Optimismus entgegen", sagte er. Der Konzernchef erwartet für das Gesamtjahr weiterhin ein Umsatzminus von drei Prozent.

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