• Karstadt steckt tief in roten Zahlen Verlust explodiert auf 298 Millionen Euro / 4000 Arbeitsplätze auf der Kippe

Wirtschaft : Karstadt steckt tief in roten Zahlen Verlust explodiert auf 298 Millionen Euro / 4000 Arbeitsplätze auf der Kippe

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Berlin/Essen Die Situation des Warenhaus- und Versandhandelskonzerns Karstadt-Quelle hat sich im ersten Halbjahr weiter verschlechtert. Der Umsatz sank um sechs Prozent auf 6,87 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahreshalbjahr. Der Verlust vergrößerte sich fast um das Sechsfache auf 298 Millionen Euro. Der neue Vorstandschef Christoph Achenbach will den Konzern mit einem harten Sanierungskurs und dem Ausbau des Auslandsgeschäfts wieder in die Gewinnzone führen. „Wir werden um jeden Euro kämpfen“, sagte Konzern-Chef Achenbach.

Karstadt leidet weitaus stärker als andere Handelskonzerne unter der Konsumflaute. Die Umsätze im gesamten Einzelhandel sind im ersten Halbjahr lediglich um 1,2 Prozent gesunken. Die Warenhäuser von Karstadt verlieren dagegen im Vergleich zu Discountern, Textilketten oder Einkaufszentren immer stärker an Attraktivität. Karstadt betreibt insgesamt 221 Kaufhäuser und 298 Fachgeschäfte.

Um den Konzern aus der Krise zu führen, kündigte Achenbach eine Neuausrichtung der Handelsaktivitäten an. „Der Umbau der Geschäftsmodelle Warenhaus und Universalversand ist unverzichtbar“, sagte er. Dabei solle es „keine Tabus“ geben. Konkreter wurde der Konzernchef aber nicht. Bisher kündigte er an, sich von Randaktivitäten wie den Fitness-Studios zu trennen und Kooperationen wie die mit der Kaffeehauskette Starbucks zu überprüfen. Um die Personalkosten zu senken, sollen 4000 Mitarbeiter allein in der Warenhaussparte gehen.

Angesichts schlechter Umsätze in Deutschland sieht KarstadtQuelle seine Zukunft zunehmend im Auslandsgeschäft. „In den kommenden fünf Jahren möchte ich den Auslandsumsatz deutlich anheben“, sagte Achenbach. „Damit würde ich mich deutlich wohler fühlen, denn wenn Deutschland heute hustet, bekommen wir gleich eine schwere Grippe.“ Bisher mache der Konzern erst zehn Prozent seiner Umsätze im Ausland.

Während der breit gefächerte Versandhandel mit den Marken Neckermann und Quelle in den ersten sechs Monaten in Deutschland „sehr schwierig“ gewesen sei, gestalte sich das Geschäft im Ausland trotz teils gleicher Kataloge und Sortimente gut. „Das Ausland wächst nach wie vor, wir wollen in den nächsten fünf Jahren auf 35 Prozent kommen.“ Bisher werden bis zu 25 Prozent des Versandhandelsumsatzes im Ausland erwirtschaftet. Der Konzern will sein Engagement insbesondere in weiteren Ländern Mittelosteuropas aufbauen.

So wie in den Warenhäusern litten auch beim Versandhandel die Bereiche mit breitem Sortiment, großer Auswahl und weit gefasster Zielgruppe am meisten. „Diese Entwicklung hat sich noch verschärft.“ Zudem machten dem Versandhandel seit Herbst vergangenen Jahres die extremen Rabattschlachten im Handel zu schaffen.

Über Details zu Sanierungsmaßnahmen schweigt Achenbach noch. Ende September will er, unterstützt vom neuen Aufsichtsratschef Thomas Middelhoff, ein komplettes Paket vorlegen. Darin werde deutlich, wie viele noch im Versandhandel gestrichen werden. Auch über die Zukunft einzelner Filialen werde entschieden. „Außerdem werden wir sagen, von welchen Geschäftsfeldern wir uns trennen.“ Auf der Liste stehe die Beteiligung am Touristikkonzern Thomas Cook aber „definitiv nicht“. Auch am Sportkanal DSF will der Konzern zunächst festhalten.

Im Gesamtjahr 2004 rechnet Karstadt-Quelle jetzt mit einem Umsatzrückgang von 4,5 bis fünf Prozent. Die bisherige Prognose von minus drei Prozent, die noch der alte Vorstandschef Wolfgang Urban im Mai machte, hat sich damit verschlechtert.

Der Kurs der Karstadt-Quelle-Aktie brach am Mittwoch ein. Das im M-Dax notierte Papier verlor in einem schwachen Markt 11,12 Prozent und notierte zum Schluss bei 14,70 Euro. msh/dpa

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