Wirtschaft : Karstadt sucht neue Investoren

Großaktionäre wollen ihre Anteile offenbar verkaufen / Thomas Middelhoff neuer Aufsichtsratschef

Maurice Shahd

Berlin - Der Aufsichtsrat des Handelskonzerns Karstadt-Quelle hat am Freitag den Weg für die Sanierung des Unternehmens frei gemacht. Der frühere Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff ist wie erwartet zum Vorsitzenden des Kontrollgremiums gewählt worden. Gleichzeitig setzte der neue Karstadt-Quelle-Chef Christoph Achenbach eine neue Führungsstruktur in der wichtigen Warenhaussparte durch. Drei Manager, die als Vertraute von Achenbachs Vorgänger Wolfgang Urban galten, müssen gehen. Neu in das auf vier Mitglieder verkleinerte Topmanagement der Warenhäuser zog Helmut Klier ein, der für den Einkauf von Mode zuständig sein wird.

Die Wahl von Middelhoff gilt als wichtige Etappe auf dem Weg zu einer Neuordnung des Konzerns. Der Umsatz von Karstadt-Quelle sinkt seit zwei Jahren, der Gewinn hat sich auf 108 Millionen Euro mehr als halbiert. Das Unternehmen kämpft nicht nur mit der Konsumflaute in Deutschland, sondern auch mit strukturellen Problemen. „Karstadt hat kaum ein Format, mit dem sich noch richtig Geld verdienen lässt“, sagt Christian Bruns, Handelsexperte des Bankhauses Sal. Oppenheim. Die Warenhäuser und Fachgeschäfte von Karstadt verlieren seit Jahren Kunden, während Konkurrenten wie Textilketten, Discounter und Elektronikmärkte zulegen.

Im Mai zog die Großaktionärsfamilie Schickedanz die Notbremse und feuerte Vorstandschef Wolfgang Urban. Neuer Karstadt-Chef ist Christoph Achenbach, der vorher für das Versandgeschäft von Quelle und Neckermann zuständig war. Von Achenbach werden jetzt die strategischen Weichenstellungen für die Zukunft erwartet. Die große Frage ist nach Ansicht von Branchenexperten, was mit den kleineren Warenhäusern passiert. 80 von 180 Karstadt-Warenhäusern schreiben Verluste. „Achenbach wird kaum eine Wahl bleiben, als einige der Häuser zu schließen“, sagt ein Karstadt-Kenner.

Im Gegensatz zu seinem Vorgänger will der neue Aufsichtsratschef Middelhoff bei der Neuordnung des Konzerns sehr eng mit dem Vorstand zusammenarbeiten, heißt es in Kreisen des Aufsichtsrates. Zuerst müsse ein „schonungsloser Kassensturz“ gemacht werden.

Keine Rolle wird Middelhoff bei der Suche nach neuen Investoren für den Karstadt-Konzern spielen. Seit Wochen kursierten Gerüchte, dass der ehemalige Bertelsmann-Manager in seiner Funktion als Europachef der internationalen Investorengruppe Investcorp einen Einstieg der Gesellschaft bei Karstadt vorbereitet. „Das wäre strafbar, seit Middelhoff im Aufsichtsrat von Karstadt-Quelle sitzt“, sagte eine Sprecherin von Investcorp dem Tagesspiegel. „Thomas Middelhoff sitzt nicht für Investcorp im Karstadt-Aufsichtsrat.“ Die Großaktionärin Madeleine Schickedanz soll Middelhoff persönlich gebeten haben, den Job zu übernehmen.

Trotz der Absage von Investcorp steht offenbar eine Veränderung der Eigentümerstruktur von Karstadt-Quelle bevor. Laut Medienberichten haben „namhafte deutsche Vermögen“ ihre Interessen gebündelt und bereiten einen Einstieg bei dem Handelskonzern vor. Der Allianz-Konzern, der 10,5 Prozent der Aktien hält, hatte schon vor Monaten angedeutet, sich von seinen Anteilen trennen zu wollen. Auch die Aktionärsgruppe Riedel, die 12,2 Prozent hält, soll zu einem Verkauf bereit sein.

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