Wirtschaft : Karstadt übernimmt Thomas Cook ganz

Lufthansa kassiert 800 Millionen Euro für 50 Prozent / Betriebsrat befürchtet Aus für Ferienflieger Condor

Rolf Obertreis

Frankfurt am Main - Nach neun Jahren legt die Lufthansa das Thema Tourismus zu den Akten. Die Airline trennt sich von ihrem 50-Prozent-Anteil an Europas zweitgrößtem Reisekonzern Thomas Cook und verkauft ihn an den Warenhauskonzern Karstadt-Quelle, der damit nun 100 Prozent besitzt. Für ihre 50 Prozent bekommt die Lufthansa 800 Millionen Euro von Karstadt-Quelle. An der zu Thomas Cook gehörenden Ferienfluglinie Condor ist die Lufthansa künftig mit 24,9 Prozent statt bislang zehn Prozent beteiligt. Dafür zahlt die Lufthansa 20 Millionen Euro. Außerdem sieht die Vereinbarung vor, dass der 50-Prozent-Anteil der Condor an der türkischen Fluglinie Sun Express auf Lufthansa übertragen wird.

Mit dem Geschäft endete ein monatelanges Gezerre zwischen den beiden Partnern. Knackpunkt beim Verkauf war die Zukunft des Ferienfliegers Condor. Karstadt-Chef Thomas Middelhoff zeigte kein Interesse an der Airline, ihm geht es vor allem um den Vertrieb von Reisen. Lufthansa hatte zwar auch kein massives Interesse an Condor, ganz aus der Hand geben wollte man den Zugriff auf die Flugzeugflotte aber auch nicht. Deshalb bleibt der Konzern mit einem Minderheitsanteil bei Condor im Spiel und hat sich zusichern lassen, dass Karstadt zwei Jahre lang keine Anteile verkauft und Lufthansa ein Vorkaufsrecht besitzt.

Bislang hatten Experten vermutet, ein Finanzinvestor könnte Condor übernehmen. Allerdings muss die Mehrheit an der Fluglinie in deutschen Händen bleiben, damit sie Start- und Landerechte außerhalb Europas behalten kann. „Dieser Wechsel wird fundamentale Änderungen mit sich bringen und Condor einen Tod auf Raten sterben lassen“, kritisierte die Vorsitzende des Condor-Betriebsrates, Annemarie Maiwald, die jüngste Vereinbarung.

Karstadt-Chef Middelhoff bemüht sich bereits seit rund einem Jahr um die Komplettübernahme von Thomas Cook. Als im Sommer die Gespräche offenkundig wurden, hatte die Lufthansa gereizt reagiert. Man habe keinen Druck zu verkaufen, hieß es. Für Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber ist der Tourismus gleichwohl kein zentrales Geschäftsfeld mehr. Am Freitag sagte er, die Tourismusbranche erfordere Investitionen, die Lufthansa wolle aber nur in ihr Kerngeschäft investieren. Die Entwicklung von Condor werde Lufthansa aktiv mitgestalten.

Thomas Cook war aufgrund der Einbrüche im Reisegeschäft nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 und wegen des Irak-Kriegs massiv in Schieflage geraten. Zwischen 2001 und 2004 häuften sich Verluste in Höhe von 540 Millionen Euro an. Der Touristikkonzern gilt nach einem massiven Stellenabbau inzwischen als saniert. Nach Steuern verbuchte Thomas Cook zuletzt einen Gewinn von 105 Millionen Euro. Im laufenden Geschäftsjahr sollen es mindestens zehn Prozent mehr sein, konkrete Zahlen gibt es aber noch nicht. Thomas Cook hat rund 19 000 Mitarbeiter, davon 5000 in Deutschland. mit dpa

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