Wirtschaft : Karstadt wächst schneller als Kaufhof Warenhauskonzern verdient wieder Geld

Christoph Schlautmann (HB)

Berlin - Der Essener Warenhauskonzern Karstadt wächst wieder profitabel – und das doppelt so schnell wie der Erzrivale Kaufhof. Das geht aus den Unternehmenszahlen hervor, in die Firmenchef Thomas Fox am Mittwoch auf dem Deutschen Handelskongress in Berlin Einblick gewährte. Fast zwei Jahre waren die Konzernergebnisse unveröffentlicht geblieben. Nach den neuen Zahlen geht Karstadt deutlich gestärkt aus dem Insolvenzverfahren hervor, das der Warenhauskonzern Ende September beenden konnte. Kurz zuvor hatte der deutsch-amerikanische Investor Nicolas Berggruen Karstadt für 70 Millionen Euro übernommen.

Für Berggruen könnte sich der Kauf als Schnäppchen erweisen: Im Herbstquartal stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 7,4 Prozent. Und auch ins Weihnachtsgeschäft sei man ordentlich gestartet, sagte Fox. Die Metro-Tochter Kaufhof musste sich in diesem Zeitraum mit einem Plus von 3,5 Prozent begnügen.

Nach Auskunft von Karstadt-Geschäftsführer Fox arbeitet der Konzern erstmals wieder profitabel. Beklagten die Essener vor zwei Jahren noch einen Betriebsverlust von 120 Millionen Euro, schaffte Karstadt in dem Ende September beendeten Geschäftsjahr 2009/10 ein Plus von 93 Millionen Euro. „Wir hatten allenfalls mit 35 Millionen Euro gerechnet“, erklärte der Sanierungsexperte.

Da das Unternehmen nach dem Insolvenzverfahren kaum Bankkredite belasten und Fox die Abschreibungen mit etwa 60 Millionen Euro angibt, reichte es 2009/10 sogar für einen Gewinn vor Steuern – auch wenn noch in der Höhe unbekannte Zusatzbelastungen für das Insolvenzverfahren zu erwarten sind. Dies alles sei drastischen Kostensenkungen zu verdanken, dem Ausscheiden aus dem teuren Konzernverbund mit Arcandor, aber auch der Schließung von acht Verlustbringern. „Es gibt derzeit kein einziges Haus mehr, das einen negativen Ergebnisbeitrag leistet“, sagte Fox.

Der Gewinn soll komplett reinvestiert werden – in welche Häuser, entscheidet am 16. Dezember der Aufsichtsrat, der seit kurzem von Rewe-Chef Alain Caparros geführt wird. Sicher ist schon jetzt: Üppige Umbauten wie unter dem ehemaligen Arcandor-Chef Thomas Middelhoff wird es nicht geben. „Es existieren Häuser, in die sind 60 Millionen Euro geflossen“, berichtet Fox. „Den Return on Investment werden wir alle nicht mehr erleben.“

Erstmals nannte Fox Einzelheiten des neuen Konzepts, mit dem der Konzern wieder Marktanteile gewinnen will. So sollen die Geschäftsführer der einzelnen Häuser ein stärkeres Mitspracherecht erhalten, um besser auf lokale Kaufgewohnheiten reagieren zu können. Nicht nur die Sporthäuser will Fox weiter ausbauen, um jüngere Käufer zurückzugewinnen, auch die Sortimente in den Warenhäusern sollen auf ein jugendlicheres Publikum ausgerichtet werden. Dazu habe man zum Beispiel die französische Modemarke „Manoukian“ ins Angebot genommen. Die Modelinie kommt von Max Azria, der sich an Berggruens Seite an Karstadt beteiligt hat. Ins Luxussegment, das unter Middelhoff noch zum Hoffnungsträger erklärt worden war, will Fox nicht verstärkt investieren. Es sei in Deutschland stark begrenzt und mit den drei Häusern KaDeWe in Berlin, Oberpollinger in München und Alsterhaus in Hamburg ausreichend abgedeckt. „An anderen Standorten fehlt einfach der notwendige Kundenandrang“, sagte Fox. Christoph Schlautmann (HB)

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