Wirtschaft : Karstadt will mit Quelle an die europäische Spitze

ESSEN (AFP). Karstadt-Vorstandschef Walter Deuss geriet ins Schwärmen: Die geplante Fusion von Karstadt mit Quelle sei fast wie "ein Geschenk des Himmels", sagte der designierte Chef der künftigen Karstadt Quelle AG am Dienstag in Essen. Auch bei irdischem Licht betrachtet scheint der Optimismus des Karstadt-Chefs nicht unbegründet: Mit dem Essener Warenhaus-Konzern und dem Fürther Versandhaus werden künftig nach Karstadt-Angaben die nationalen Spartenführer ihre Marktanteile bündeln. Durch die geplante Verschmelzung mit dem Versandhaus Quelle will Karstadt in die Weltspitze der Handelskonzerne vorstoßen. Die neue Karstadt Quelle AG werde als größter Warenhaus- und Versandhandels-Konzern Europas auch weltweit "in der Oberliga" spielen, sagte Deuss bei der Vorstellung der Fusionspläne.

Durch die Firmenehe, der die Karstadt-Aktionäre auf ihrer Hauptversammlung am 30. Juli noch zustimmen müssen, soll ein neuer Einzelhandelsgigant mit zusammengerechnet 32,4 Mrd. DM (16,56 Mrd. Euro) Jahresumsatz entstehen. Die gemeinsame Mitarbeiterzahl von 116 458 werde durch die Fusion schrumpfen - Deuss ließ aber offen, um wieviel. Die neue Karstadt Quelle AG - über genaue Schreibweise und Firmenlogo soll noch entschieden werden - soll als Holding fungieren. Beim Versandhandel werden Quelle und das zum Karstadt-Konzern gehörende Versandhaus Neckermann als getrennte Marken weitergeführt. Für die Kunden wird die Fusion daher kaum sichtbar werden.

Als Kerngeschäftsfelder des neuen Konzerns nannte Deuss den Versandhandel und das Warenhausgeschäft mit derzeit jeweils knapp 40 Prozent des Umsatzes, das Dienstleistungsgeschäft sowie den Bereich Tourismus über eine 50prozentige Beteiligung an der CN Touristic AG. Im Zuge der Verschmelzung soll die Führung der Warenhäuser Karstadt und Hertie zum 1. Januar 2000 in die 100prozentige Tochter Karstadt Warenhaus AG ausgegliedert werden. Hauptanteilseigner des neuen Konzerns ist die Schickedanz-Holding, die 47,7 Prozent des künftigen Handelsriesen hält und an Karstadt bislang mit 26,8 Prozent beteiligt war. Weitere Großaktionäre werden die Allianz mit 10,8 Prozent und die Dresdner Bank mit 7,1 Prozent sein. Im Streubesitz verbleiben 34,4 Prozent der Aktien, knapp 14 Prozent weniger als im Karstadt-Konzern.

Durch die rückwirkend zum 1. Januar 1999 geplante Fusion werden Deuss zufolge bereits im laufenden Jahr Einspareffekte von netto 115 Mill. DM (58,8 Mill. Euro) erwartet. Bis zum Jahr 2002 soll das Einsparpotential vor allem durch bessere Einkaufskonditionen, günstigere Post- und Speditionstarife sowie Kostensenkung bei der Datenverarbeitung auf insgesamt 400 Mill. DM (204,5 Mill. Euro) steigen. Als wirtschaftliches Ziel nannte Deuss, der auch die neue Karstadt Quelle AG leiten soll, eine Konzern-Umsatzrendite vor Steuern von mindestens 3,5 Prozent und eine Eigenkapitalerhöhung in Höhe von 15 Prozent.

Deuss betonte, Karstadt und Quelle ergänzten sich als führende Unternehmen im Warenhausbereich und im Versandhandel in idealer Weise. Durch die Verschmelzung mit Quelle werde die bisherige, "deutlich kopflastige" Ausrichtung des Karstadt-Konzerns auf das Warenhausgeschäft korrigiert. Das Versandgeschäft mit Neckermann und der künftigen Konzerntochter Quelle biete im Gegensatz zur Warenhaussparte expansive Wachstumschancen. Für Karstadt bedeutet dies eine grundlegende Neuorientierung: Allein knapp 17 Mrd. DM seines Gesamtumsatzes von 21 Mrd. DM im vergangenen Jahr erwirtschaftete der Essener Konzern durch seine Karstadt- und Hertie-Warenhäuser. Mit gerade mal 3,2 Mrd. DM macht sich der Umsatz der 100prozentigen Karstadt-Tochter Neckermann, der nationalen Nummer drei im Versandbereich, dagegen vergleichsweise bescheiden aus. Wachstumschancen sieht Deuss vor allem für die Auslandsmärkte und den Versand spezieller Produkte für "differenziert ansprechbare Zielgruppen". Die künftige Karstadt Quelle AG werde sich daher vor allem auf die zunehmende Internationalisierung des Versandgeschäftes konzentrieren. Geplant sei zudem der Erwerb weiterer Spezialversandfirmen.

Die wirschaftlichen Zielvorgaben sind ehrgeizig: Für das Jahr 2000 peilt der neue Konzern einen Jahresumsatz von 34,4 Mrd., für 2002 von 36,8 Mrd. DM an. Dies seien durchaus realistische Ziele, sagte Deuss: "Wir bleiben bei unseren Leisten, nur der Schuh, den wir uns anziehen, ist deutlich größer geworden."

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