Wirtschaft : KarstadtQuelle: Zukunft Internet: Investitionen von 400 Millionen Mark

Der Handelskonzern KarstadtQuelle plant eine Internetoffensive. Konzernchef Walter Deuss kündigte am Dienstag bei der Bilanzpressekonferenz in Essen an, das Warenhaus- und Versandhandelsunternehmen werde in den nächsten fünf Jahren 400 Millionen Mark in den Aufbau des E-Commerce-Angebots stecken. Deuss räumte zugleich ein, dass die bei der Verschmelzung mit der Quelle AG prognostizierten Ergebnisse im Geschäftsjahr 1999 nicht erreicht wurden. "Wir hängen hinter der Prognose zurück", sagte Deuss. Die Börse reagierte mit kräftigen Kursabschlägen.

KarstadtQuelle will den Umsatz im E-Commerce bereits in diesem Jahr von 214 Millionen Mark auf 700 Millionen Mark mehr als verdreifachen. "Wir wollen Offline-Kunden in die Online-Welt führen", sagte der zuständige Vorstand Wolfgang Urban. KarstadtQuelle erwarte in den kommenden fünf Jahren etwa aus dem virtuellen Sportbereich einen Umsatz von rund einer halben Milliarde Mark. Die Musikkette WOM, die Mitte August mit einem neuen Portal im Internet starten soll, werde in diesem Zeitraum rund 100 Millionen Mark Umsatz einspielen. Darüber hinaus führe der Konzern Gespräche "mit einem großen deutschen Medienkonzern", sagte Urban. "Die Zukunft der neuen Medien gehört den alten Händlern. Es ist nicht auszuschließen, dass dann ein Teil der New Economy ganz alt aussieht", fügte er hinzu.

Im Verschmelzungsbericht hatte der KarstadtQuelle-Konzern für 1999 ein Ergebnis vor Ertragssteuern von 705 Millionen Mark prognostiziert. Tatsächlich erreichte der Konzern 1999 ein Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit in Höhe von 502,6 Millionen Mark. Zur Begründung führte Deuss den witterungsbedingten Umsatzeinbruch von 200 Millionen Mark im September 1999 an. Trotz des sich verschärfenden Wettbewerb sei die Rohertrags-Spanne im Konzern zwar von 44,7 Prozent auf 45,9 Prozent gesteigert, aber das Planziel von 46,3 Prozent verfehlt worden, sagte Deuss. Zudem seien die operativen Kosten um 1,4 Prozent höher als geplant ausgefallen.

Ein weiterer Grund ist nach den Worten des Konzernchefs das schleppende Reisegeschäft bei der 50-prozentigen Touristik-Tochter C & N, einem Gemeinschaftsunternehmen mit der Lufthansa. "Das laufende Jahr ist ein Spätbucherjahr", stellte Deuss fest. Er betonte vor allem, dass die im Verschmelzungsbericht unterstellte Einzelhandelskonjunktur hinter den Erwartungen zurückgeblieben sei. "Wir stehen zurück und werden diese Ziffern in etwa vier Jahren erreichen", sagte Deuss. Gleichwohl bestünden bei der nun anhaltenden konjunkturellen Belebung gute Chancen, das Betriebsergebnis im laufenden Jahr um gut zehn Prozent zu steigern. Als Ziel für die Umsatzrendite 2000 bekräftigte er 3,5 Prozent und sagte ein Umsatzplus von zwei Prozent voraus.

Von Januar bis Mai habe sich die positive Entwicklung fortgesetzt, sagte Deuss. Alle Bereiche lägen beim Umsatz über der Marktentwicklung. So seien im Warenhausgeschäft um vier Prozent höhere Umsätze erreicht worden. Die Neckermann-Gruppe legte nach Angaben des Konzernchefs nach intensiven Marketingaktivitäten im 50. Jahr des Bestehens um 16,5 Prozent beim Umsatz zu. Der Umsatz der Quelle-Gruppe sei um 8,8 Prozent gesteigert worden. Deuss betonte, dass bei beiden Versendern auch das Auslandsgeschäft zweistellig zugelegt habe. In der Touristik habe die C & N-Gruppe ein Umsatzplus von vier Prozent erreicht.

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