Karstadtübernahme : Ein internationaler Stardesigner soll die Warenhäuser aufpeppen

Berggruens Mann für Mode: Ein internationaler Stardesigner soll die Warenhäuser aufpeppen und die operative Führung von Karstadt übernehmen.

David C. Lerch
Freund der Stars und Sternchen: Max Azria widmete Miley Cyrus aus der US-Serie Hannah Montana eine Kollektion.
Freund der Stars und Sternchen: Max Azria widmete Miley Cyrus aus der US-Serie Hannah Montana eine Kollektion.Foto: AFP

Düsseldorf - Max Azria mag die funkelnde Welt der Stars und Sternchen, besonders wenn diese in seinen Kollektionen über die roten Teppiche spazieren. Die amerikanische Hollywood-Elite erweist ihm regelmäßig diesen Gefallen. Ob Angelina Jolie, Sharon Stone, Halle Berry oder Demi Moore, sie alle schwören auf Haute Couture und die zum Teil aufsehenerregenden Entwürfe aus dem Hause Azria.

Mit dem guten Draht zur Filmprominenz und einem Riecher für Übernahmen hat der Designer in den vergangenen 20 Jahren ein weitverzweigtes Geschäft aufgebaut. Von Kalifornien aus steuert Azria heute ein globales Marken- und Handelsimperium. Seit Montagabend hat die Modegröße einen neuen Auftrag, der vielleicht noch anspruchsvoller ist, als einem Star das passende Outfit zu schneidern: Max Azria soll dem verstaubten Image von Karstadt neuen Glanz verleihen.

Nicolas Berggruen, der designierte Neueigentümer der Warenhäuser, hat bereits vor Wochen verkündet, dass er die Zukunft von Karstadt mit Azria gestalten möchte. Dem Vernehmen nach will er dem Designer und dessen Firma BCBG die operative Führung der Warenhauskette weitgehend übertragen. Dafür spricht, dass Textilien die größte Warengruppe von Karstadt ausmachen. Dagegen spricht, dass Azria Neuland betritt. Denn Erfahrung mit der Führung von Warenhäusern hat der Stardesigner nicht.

Berggruen und Azria, der 48-jährige Finanzinvestor und der 61-jährige Modezar, kennen sich seit vielen Jahren. Ähnlich wie Berggruen ist auch Azria ein Weltenbürger. Er stammt aus Frankreich, hat tunesische Wurzeln und lebt seit 1981 in den USA. 1989 gründete er dort BCBG. Der Name steht für „bon chic, bon genre“, übersetzt etwa: „geschniegelt und gebügelt“. Zunächst konzentrierte sich Azria auf den US-Markt. Seit 1996 gehört das Unternehmen zu den Ausstellern auf der New York Fashion Week.

Nur langsam streckte Azria seine Fühler auf andere Kontinente aus. Dabei verfolgte er stets das gleiche Prinzip: Er wartet, bis ein Konkurrent in Schieflage gerät und steigt dann ein – wie bei Karstadt. So expandierte BCBG nach Asien und Europa, übernahm etwa das französische Modelabel Alain Manoukian oder die Designermarke Hervé Leger. Seit 2009 ist Azria auch auf dem deutschen Markt präsent. Seine Firma übernahm zehn Filialen des insolventen belgischen Modelabels Donaldson. Heute prangt in Berlin, München, Düsseldorf, Köln, Hamburg und auf Sylt Azrias Firmenname in besten Lagen, in Berlin in der Schlüterstraße und im KaDeWe. Auch in großen Kaufhäusern findet sich die Mode. Selbst für den US-Einzelhandelsriesen Wal-Mart ist sich Azria nicht zu schade. Für den Discounter hat sich der Designer mit dem Teeniestar Miley Cyrus zusammengetan, besser bekannt als Sängerin Hannah Montana aus der gleichnamigen Disney-Fernsehserie. Unter ihrem Namen bietet er seit Herbst 2009 eine Kollektion an.

Auch ohne Berggruen wäre Azria bei Karstadt eingestiegen. Die Marke Manoukian, so war bereits vereinbart, soll ab Sommer in den Warenhäusern erhältlich sein. Mit dem neuen Eigentümer dürfte künftig deutlich mehr aus Azrias Sortiment im Schaufenster hängen. Dabei wird der Designer auf seine globale Infrastruktur zurückgreifen: Rund 1200 Geschäfte, 500 Fabriken und mehr als 22 Marken zählen zu seinem Modereich.

Fragt man einen Sprecher von Berggruen nach Azria, gerät er ins Schwärmen: „Mit ihm kommt eine frische, junge Mode, die im Trend der Zeit liegt.“ Azria selbst gibt sich bescheiden: Er sei entschlossen, einen „Beitrag zur Wiederherstellung des vergangenen Glanzes“ von Karstadt zu leisten. Jürgen Dax vom Verband des Textileinzelhandels ist skeptisch, ob die Warenhauskette das braucht: „Viele Filialen in den kleineren Städten brauchen eher eine Renovierung als neuen Glamour.“

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