Wirtschaft : Kartellamt durchsucht 120 Abfallfirmen

Entsorger sollen sich bei Aufträgen für das DSD abgesprochen haben

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Berlin (msh). Die Abfallwirtschaft ist ins Visier der Kartellbehörden geraten. Das Bundeskartellamt und die Staatsanwaltschaft Köln haben am Donnerstag die Räume von 120 Unternehmen der Entsorgungswirtschaft durchsucht. Der Vorwurf: illegale Preisabsprachen bei Entsorgungsaufträgen für das Duale System Deutschland (DSD). Bei den Durchsuchungen im gesamten Bundesgebiet waren mehr als 300 Polizisten im Einsatz, teilte das Kartellamt mit.

Die Entsorgungsfirmen sammeln und sortieren den Plastikabfall und Glasmüll, den die Haushalte in die entsprechenden Tonnen werfen. Die Aufträge vergibt das DSD für 445 Regionen. Die Verträge für Glas sowie leichte Verpackungen wie Kunststoff oder Aluminium laufen zum 31. Dezember aus und wurden deshalb vom DSD neu ausgeschrieben. Die Aufträge haben ein Volumen von rund 3,6 Milliarden Euro. Bei den Geboten sollen sich die Entsorgungsfirmen abgesprochen haben, vermutet das Kartellamt. In rund der Hälfte der 445 Vertragsgebiete hätte nur ein Unternehmen ein Angebot abgegeben, obwohl weitaus mehr Firmen dazu in der Lage gewesen wären. In diesen Gebieten lagen die angebotenen Preise rund 70 Prozent über dem Durchschnitt. „Sollte sich der Verdacht bestätigen, lägen nicht nur Wettbewerbsverstöße, sondern auch kriminelle Handlungen vor“, erklärte Kartellamtspräsident Ulf Böge.

Die Entsorgungsfirmen RWE Umwelt, Rethmann und Cleanaway bestätigten, dass ihre Büros durchsucht wurden, äußerten sich aber nicht zu den Vorwürfen. Der Berliner Entsorger Alba war nicht betroffen, sagte ein Sprecher. Der Bundesverband der Entsorgungswirtschaft wies die Anschuldigungen des Kartellamtes zurück. Beim Dualen System hieß es, man wolle die Verhandlungen mit den Firmen trotz der Ermittlungen fortsetzen, damit die Verträge bis Ende des Jahres unterschrieben werden können.

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