• Kartellamt prüft das Ende von Last-Minute-Reisen Behörde: Zeitgleiche Pläne von Touristikfirmen verdächtig

Wirtschaft : Kartellamt prüft das Ende von Last-Minute-Reisen Behörde: Zeitgleiche Pläne von Touristikfirmen verdächtig

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Bonn/Hannover/Berlin (dpa/hop). Die Tourismuskonzerne müssen bei ihren Bemühungen, Billigreisen aus ihrem Angebot zu streichen, mit Widerstand des Bundeskartellamts rechnen. Der Präsident des Kartellamts, Ulf Böge, warnte die TourismusUnternehmen vor Absprachen gegen Billigurlaub wie Last-Minute-Reisen. Ein solches Vorgehen wäre ein „klarer Verstoß gegen das Kartellrecht“, sagte Böge am Dienstag der Presseagentur dpa in Bonn. Böge reagierte damit auf Äußerungen aus der Branche, weitere ruinöse Preisschlachten gemeinsam verhindern zu wollen und mit dem Überangebot für Last- Minute-Urlaub Schluss zu machen. Die großen Veranstalter Tui, Thomas Cook und Rewe wiesen die Vorwürfe zurück.

Böge kündigte an, dass das Kartellamt den Äußerungen nachgehen werde. „Dass Unternehmen einzeln auf schlechte Marktsituationen reagieren und für sich selbst Konsequenzen ziehen, ist normal und auch in Ordnung. Das Kartellamt wird aber hellhörig, wenn geäußert wird, dass sich die Branche einig sei über das Ende von Preisschlachten.“ Dann könne der Verdacht entstehen, dass es Abstimmungen innerhalb der Branche gebe.

Böge sagte, er wolle noch nicht so weit gehen, „schon zu unterstellen, dass hier bereits Kartellabsprachen erfolgt“ seien. Wenn ein Marktführer – wie die Tui – aber Signale sende, wie er sich verhalten wird, und die Konkurrenten sich dann auch so verhielten, dann könne dies auch den Tatbestand eines verbotenen „abgestimmten Verhaltens“ erfüllen, warnte Böge. Auf dem Reisemarkt in Deutschland gebe es ein „enges Oligopol“ mit nur wenigen entscheidenden Unternehmen am Markt, erläuterte Böge. Die Verbraucher hätten aber dadurch bislang nicht das Nachsehen gehabt, sondern von einem „scharfen Wettbewerb“ profitiert. Schnäppchenpreise und Last-Minute-Angebote seien bisher zum Vorteil der Verbraucher ein den Wettbewerb belebendes Element gewesen. „Aber es darf nicht zu Absprachen kommen, diese zu beseitigen.“

Die Konzerne wehrten sich gegen Böges Vorwürfe. Tui-Sprecher Mario Köppers sagte dem Tagesspiegel: „Preisabsprachen zu vermuten, ist absurd.“ Die Branche stehe vor einem gemeinsamen Problem. Im vergangenen Jahr habe es zu viele Kapazitäten gegeben, die würden nun reduziert. Das gleiche Problem werde mit den gleichen Mitteln gelöst, sagte Köppers. Die Unternehmen würden nur über den Kapazitätsabbau versuchen, die Preise stabil zu halten. Nina Dumbert von Thomas Cook sagte: „Wir sind ein Wirtschaftsunternehmen und müssen rechnen.“ Dass die Veranstalter ihre Maßnahmen außerdem sehr zeitnah verkündet hätten, sei dadurch zu erklären, dass im August traditionell die neuen Kataloge herauskämen – und damit auch Änderungen beim Angebot. Und eine Rewe-Sprecherin sagte: „Es mag zwar so anmuten, aber es gibt keine Preisabsprachen.“

Mindestquote für Billigflieger

Neben den Reiseveranstaltern stehen auch die deutschen Billigflieger (siehe Lexikon, Seite 18) stärker unter Beobachtung. Sie müssen nach Ansicht des Landgerichts Hannover mindestens zehn Prozent ihrer Plätze für den niedrigsten Preis verkaufen. Andernfalls müssten die Fluggesellschaften in ihrer Werbung detailliert auf die Zahl der Billigplätze hinweisen, sagte der Vorsitzende Richter der 18. Zivilkammer, Ullrich Kleybolte, in einem Rechtsstreit zwischen dem Tui-Billigflieger Hapag-Lloyd Express (hlx) und dem Bundesverband der Verbraucherzentralen. Erstmals legte damit ein deutsches Gericht für die aggressive Preiswerbung der Billigflieger eine Messlatte fest. Kleybolte sagte, sollte der Hinweis in der Werbung bei weniger als zehn Prozent der Kapazität fehlen, handele es sich um irreführende Werbung und damit um ein „Lockvogel-Angebot“.

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