Wirtschaft : Kartellamt verhängt Millionen-Bußgelder gegen Zementfirmen Dyckerhoff will gegen den Bescheid klagen

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Berlin/Bonn (dpa). Das Bundeskartellamt hat einem Zeitungsbericht zufolge ein Rekordbußgeld in Höhe von rund 980 Millionen Euro gegen die deutsche Zementindustrie verhängt. Wie „Die Welt“ vorab berichtete, stellten die Wettbewerbshüter rund 30 Firmen offizielle Bußgeldbescheide zu. Das Bundeskartellamt wollte dazu am Freitag in Bonn keine Stellung nehmen. Die Wettbewerbshüter werfen den betroffenen Unternehmen Preis und Absatzabsprachen über die Dauer von mehreren Jahrzehnten vor.

29 von 30 beschuldigten Unternehmen hätten zwischenzeitlich die Verstöße zugegeben, darunter die größten deutschen Zementhersteller Readymix, Dyckerhoff und Alsen, berichtet die Zeitung. Sie müssten zwischen 30 und 95 Millionen Euro zahlen. Das Zement-Kartell habe nach Erkenntnissen der Bonner Wettbewerbshüter mehr als 30 Jahre existiert und dadurch die Preise für Zement künstlich hoch gehalten. Zudem seien zwischen den beschuldigten Firmen Absatz- Gebiete aufgeteilt worden.

Das Kartellamt hatte im Juli 2002 rund 30 Firmen in Deutschland durchsuchen lassen. Die Aktion war möglich geworden, weil die Wettbewerbshüter im Rahmen der neuen Kronzeugen- und Bonusregelung einen Tipp erhalten hatten. Nach diesen neuen gesetzlichen Regelungen kann ein Täter eine Geldbuße vermeiden, wenn er einen Kartellverstoß anzeigt, bevor das Kartellamt selbst diesbezügliche Ermittlungen eingeleitet hat.

Der Baustoffhersteller Dyckerhoff bestätigte am Freitagnachmittag, dass das Unternehmen vom Bundeskartellamt mit einem Bußgeld in Höhe von 95 Millionen Euro wegen der Beteiligung an einem Zement-Kartell belegt worden ist. Das Unternehmen wolle Einspruch einlegen. Zuvor war spekuliert worden, Dyckerhoff haben bereits von der Zusammenarbeit mit dem Bundeskartellamt profitiert. Ohne dieses Wohlverhalten wäre eine Geldbuße von bis zu 450 Millionen Euro fällig geworden, berichtete die „Börsenzeitung“. Heidelberger Cement hatte bereits Ende März angekündigt, das Unternehmen habe in seiner Bilanz „angemessen und ausreichend“ vorgesorgt.

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