Wirtschaft : Kartellklage gegen Saatguthersteller Mosanto in den USA

Wegen seiner Rolle bei der Einführung von Gen-Saaten sieht sich der Biotechnikriese Monsanto in den Vereinigten Staaten einer Schadenersatz- und Kartellklage ausgesetzt. Monsanto habe mit anderen Biotechnikkonzernen wie Novartis ein Kartell gebildet, um dem Markt zu festgelegten Preisen gentechnisch verändertes Saatgut aufzuzwingen, hieß es in der Klageschrift, die US-Anwälte am Dienstag bei Gericht in Washington einreichten.

Der Konzern habe seine Sorgfaltspflicht verletzt, weil er die Sicherheit der Gen-Saaten für Mensch und Umwelt nicht ausreichend geprüft habe. Die Sammelklage wurde im Namen von landwirtschaftlichen Betrieben in den USA und Frankreich erhoben. Zur geforderten Schadenssumme äußerten sich die Anwälte zunächst nicht.

In der Klageschrift werden die Chemieriesen Novartis, Dupont, Dow Chemical, AstraZeneca und mehrere Tochterunternehmen als Mitverschwörer genannt. Sie seien die "Speichen" am Rad, das von Monsanto gebildet werde, sagte Klägeranwalt Michael Hausfeld in Washington.

Monsanto strebe an, die gesamte Nahrungsmittelkette zu beherrschen, bis hin zu den Wasserrechten rund um die Welt. Geografische Grenzen zählten bei der Verbreitung und beim Verbrauch der Gen-Pflanzen nicht, weshalb geplant sei, auch in anderen Ländern gegen den Konzern zu prozessieren.

Vor Gericht wollen die Anwälte beweisen, dass die Saatpreise seit der breiten Einführung von Gensaaten 1996 weltweit drastisch gestiegen seien. Konkreter Schaden sei den Farmern unter anderem dadurch entstanden, dass sie teures gentechnisch verändertes Saatgut gekauft, ihre Ernte aber später nicht hätten absetzen können, weil die Verbraucher misstrauisch gegenüber Gen-Lebensmitteln geworden seien. Der Bauer und Aktivist Bill Christison aus Missouri sagte, die US-Farmer hätten zum Teil aus Verzweiflung über fallende Weltmarktpreise zu den teuren Gensaaten gegriffen: "Ein Ertrinkender greift nach jedem Strohhalm", sagte er.

Aus Sicht von Landwirten wie Bruce Pickett aus dem US-Bundesstaat Indiana hat sich Monsanto ein perfides System ausgedacht, um den Markt für Gen-Saaten zu beherrschen. Danach vergibt der Konzern die Technologie für seine Saat-Schöpfungen wie "Roundup Ready" und "Yieldgard" in Lizenz an Konkurrenten, die wiederum die Kosten per Zusatzgebühr beim Bauern eintreiben.

Die Farmer müssten sich gegenüber dem Unternehmen Monsanto verpflichten, von der Aussaat nichts wie früher fürs kommende Jahr aufzuheben und die Gen-Saaten nur in Kombination mit Monsantos Roundup-Pflanzenschutzmittel zu verwenden. Zugleich fänden sie durch das System weniger Abnehmer als früher: Die Verbraucher in Europa oder Japan wollten keine "Frankenstein-Lebensmittel" und könnten nicht zwischen Gen und Nicht-Gen unterscheiden, klagt Pickett.

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