Wirtschaft : Kasko-Versicherung für das eigene Firmengrundstück

DETLEF POHL

Risiko-Management noch sehr schwach ausgeprägt / Hoher Beratungsbedarf bei verborgenen Gefahren und ihren AuswirkungenVON DETLEF POHL

Berlin verfügt nach Beobachtung von Aengevelt-Research über rund 4 650 Hektar gewerbliche Baufläche.Die Industrieproduktion geht zwar tendenziell zurück, doch die Risiken für Industriefirmen rund um die Produktion wachsen.Allein 1995 mußten Versicherer für Haftpflichtschäden der Industrie in ganz Deutschland über eine Milliarde DM bezahlen.Der Schadenstrend zeigt weiter nach oben, zumal das neue Produktsicherheitsgesetz, im August in Kraft getreten, Produktfehler härter als bislang bestraft.Auch Produktmanipulation und -erpressung nehmen zu.Jährlich werden deutsche Firmen mit über 200 Erpressungsdrohungen konfrontiert. Industriefirmen leben also gefährlich, von konjunkturellen Dingen einmal ganz abgesehen.Erfahrungen aus den USA belegen, daß fast jedes zweite Unternehmen nach einem Großbrand aufgeben muß, obwohl die Firma sich gut versichert glaubte.Und fast ein Drittel der Firmen, die nach dem Feuer die Produktion wieder aufnahmen, mußte innerhalb von drei Jahren doch noch den Betrieb stillegen.Das Gefühl für passendes Risiko-Management ist auch in deutschen Industriefirmen noch sehr schwach ausgeprägt.Zumindest kommt eine Studie der Universität Kaiserslautern von 1996 zu dem Ergebnis, daß das Risiko-Management bei 60 Prozent der deutschen Firmen Mängel aufweist."Modernes Risiko-Management muß daher mehr sein als Brandschutzmaßnahmen und Risikofinanzierung", fordert Reiner Hagemann, Vorstandschef der Allianz Versicherungs-AG, die im gewerblich-industriellen Bereich mit rund einer Milliarde DM Jahresumsatz führender deutscher Haftpflichtversicherer ist.Vielmehr müßte es nicht nur die direkten finanziellen Folgen von Schäden berücksichtigen, sondern auch so wichtige Faktoren wie Image, Kontinuität, Vertrauen der Aktionäre und Kunden, Marktanteile, Arbeitsplätze und Umweltschutz.Der immaterielle Schaden, so die Erfahrung der Versicherer, könne ein Vielfaches höher sein als der eigentliche Schadenersatz.Dies bedeutet, daß Firmen ohne externe Spezialisten ihr Risikopotential überhaupt nicht mehr in den Griff bekommen.Ob Mittelständler oder großer Industriebetrieb ­ um die immer komplexere Produktion und ihre Auswirkungen zu beherrschen, müssen auch die verborgenen Risiken aufgespürt und in neue Technologien umgesetzt werden.Die Allianz etwa, die unter anderem Firmen wie Schering, Hochtief und Aral versichert, hat dazu weltweit ein Netz hochqualifizierter Berater zur Verfügung, deren spezielle Dienste im Allianz-Zentrum für Technik (München), im hauseigenen Risiko-Service, der technischen Schadensabwicklung sowie im Allianz Risk Consulting (Rotterdam) gebündelt sind.Dies führt zwangsläufig auch zu neuen Versicherungsprodukten ­ über die herkömmlichen Industrieversicherungen gegen Feuer, Haftpflicht- und Transportschäden sowie für die Kfz-Flotte hinaus.So hat die Allianz jetzt eine Kasko-Versicherung für selbst verursachte Schäden am eigenen Firmengrundstück eingeführt.Diese Bodenkasko-Police kann für Firmeninhaber ein großer Rettungsanker sein.Nach Auskunft von Eric Drouven, Leiter Industrie der Allianz-Zweigniederlassung Berlin, gingen Eigentümer des Grundstücks bislang leer aus und mußten den Schaden selbst bezahlen, wenn Schadstoffe durch einen Störfall wie Brand oder Explosion ins Erdreich gelangten.Denn die Betriebshaftpflicht-Versicherung zahlt nicht für Bodenkontaminierung, und die Umwelthaftpflicht-Police zahlt nur die Folgeschäden, falls Schadstoffe durch den Boden ins Grundwasser gelangen, etwa Schadenersatz wegen Fischsterbens oder Betriebsunterbrechung eines Wasserwerkes.Bedingung für den Vertrag, den es so bislang nur bei der Allianz gibt: Die Firma hat dort auch ihre Feuer- und Umwelthaftpflichtversicherung unter Vertrag.Zum Vergleich: Bei 72 der 100 größten deutschen Industriefirmen ist die Allianz der führende Versicherer ­ üblich ist eine Aufteilung der Risiken unter mehreren Versicherern. Im Schadensfall zahlt der Versicherer die Kosten, die aufgrund behördlicher Anordnung für Proben und Austausch verseuchten Bodens sowie für dessen Abtransport und seine Lagerung auf geeigneten Deponien entstehen; Altlasten sind jedoch vom Versicherungsschutz ausgeschlossen.Pro Schaden muß die Industriefirma 15 bis 25 Prozent der Kosten aus eigener Tasche tragen (Selbstbehalt).Eine neugebaute Fabrik auf der grünen Wiese, die mit rund 100 Mitarbeitern produziert, müßte bei einer Versicherungssumme von drei Millionen DM im Jahr für die Boden-Kaskoversicherung zwischen 9000 und 21 000 DM Beitrag zahlen, abhängig von den Riskoverhältnissen (z.B.Zustand der Anlage), den Zusatzvereinbarungen (z.B.Versicherungsschutz für Schäden durch Fehlbedienung) und dem Selbstbehalt.

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