Wirtschaft : Kassen bieten Bonus für gesundes Leben

Versicherer arbeiten an Sondermodellen / AOK-Mitglieder können bis zu 300 Euro Belohnung bekommen

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Berlin (hej). Der Wettbewerb unter den Krankenkassen verschärft sich. Mit neuen Bonusprogrammen wollen die Kassen zum 1. Januar nächsten Jahres um Kunden kämpfen. Nachdem bereits zahlreiche Betriebs- und Ersatzkassen entsprechende Modelle konzipiert haben, haben am Montag auch die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) reagiert. Der Verwaltungsrat des AOK-Bundesverbandes beschloss auf seiner Sitzung in Hannover die Grundzüge eines neuen Bonustarifs für die rund 27 Millionen AOK-Versicherten: AOK-Mitglieder, die regelmäßig an Vorsorgeuntersuchungen teilnehmen oder aktiv etwas für ihre Fitness tun, sollen belohnt werden. Wenn die Versicherten zudem noch bereit sind, je nach Tarif bis zu 250 oder 350 Euro der Behandlungskosten pro Jahr als Selbstbehalt zu übernehmen, sollen sie künftig Bonuszahlungen von bis zu 200 oder 300 Euro pro Jahr bekommen, teilte die AOK mit. Ob die Landeskassen das neue Modell einführen, steht in ihrem Belieben. Die AOK Berlin erklärte auf Anfrage, sie sei dabei, entsprechende Bonustarife zu entwickeln.

Die Bonusprogramme der Konkurrenz (siehe Kasten) müssen dagegen vom Bundesversicherungsamt genehmigt werden. Im vergangenen Winter hatten sich die Genehmigungsbehörde und die Techniker Krankenkasse eine heftige Auseinandersetzung über die Zulässigkeit des Techniker-Bonusprogramms geliefert. Die Techniker wollte ihren Mitgliedern 240 Euro im Jahr zahlen, falls diese bereit seien, einen Selbstbehalt von 300 Euro im Jahr zu tragen. Nach heftigen Interventionen von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) und Schwierigkeiten mit dem Bundesversicherungsamt hatte die Techniker das Modell seinerzeit auf freiwillig Versicherte beschränkt. Bis heute ist das Techniker-Modell der einzige Bonustarif, der von einer gesetzlichen Kasse in Deutschland angeboten wird. Die Barmer Ersatzkasse hatte im März beim Bundesversicherungsamt erfolglos einen Bonustarif beantragt, der die bevorzugte Inanspruchnahme des Hausarztes und eine gesunde Lebensweise der Versicherten belohnen sollte.

Jetzt dürften die Kassen mehr Erfolg haben. Denn nach der rot-grünen Gesundheitsreform, die am 1. Januar 2004 in Kraft tritt, können die Kassen ihren Versicherten einen Bonus gewähren, wenn diese etwas für ihre Gesundheit tun, erst zum Haus- und dann zum Facharzt gehen (Hausarztmodell) oder sich in Sonderprogramme für chronisch Kranke einschreiben. „Die Brisanz ist raus“, sagt Theo Eberenz vom Bundesversicherungsamt. Zwar müsse das Amt nach wie vor die Satzungsänderungen genehmigen, aber dabei werde es wohl meist nur noch um Details gehen.

Auch Bundesgesundheitsministerin Schmidt begrüßt die Bonusprogramme inzwischen ausdrücklich. „Es ist gut, dass Bewegung in die Branche kommt“, sagte ein Sprecher am Montag. Zwar will sich das Ministerium nicht konkret zu einzelnen Programmen äußern, prinzipiell sei es aber wichtig, Prävention und Vorsorge zu fördern. Welche Kasse im Einzelfall die attraktivste sei, müsse jeder Versicherte für sich entscheiden, heißt es im Ministerium.

Dabei wollen Verbraucherschützer die Kunden unterstützen. Ab Januar können sich die Kunden beim Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) auch über die neuen Bonusprogramme informieren und die individuell günstigste Kasse finden. „Für Versicherte bieten sich neue Chancen“, sagte vzbv-Experte Thomas Isenberg dem Tagesspiegel. Allerdings dürften viele Modelle noch nicht zum Jahresanfang stehen, glaubt Isenberg: „Die meisten Bonustarife kommen erst nach dem ersten Quartal 2004“.

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