Wirtschaft : Kassen: Boom bei Bonusprogrammen

Gesündere Lebensweise der Patienten soll Geld sparen / Institute fordern Konsens bei Zahnersatz-Regelung

Carsten Brönstrup

Berlin - Die Bonusprogramme der Krankenkassen erleben einen immer stärkeren Zulauf bei den Versicherten. Mehrere Kassen meldeten am Dienstag in einer Tagesspiegel-Umfrage steigende Teilnehmerzahlen. Zu sinkenden Gesundheitsausgaben werde dies aber erst mittelfristig führen, hieß es. Im Streit um die Regelung beim Zahnersatz stellten sich die Kassen derweil hinter den Vorschlag von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD), verlangten aber eine rasche Einigung von Regierung und Opposition.

Mit den Bonusprogrammen, die es seit Anfang des Jahres gibt, können die Kassen ihren Versicherten Prämien für gesundheitsbewusstes Verhalten in Aussicht stellen. Dazu müssen die Kunden nachweisen, dass sie an Maßnahmen wie einem Sportprogramm, einem Nikotinentwöhnungskurs, Ernährungsberatung oder einer Krebsvorsorge teilgenommen haben. Ab einer bestimmten Summe von Bonuspunkten bekommen sie von den Kassen Sportgeräte oder Bargeld – dabei hat jedes Institut seine eigenen Regeln. Hintergrund: Gesundheitsökonomen und die Regierung erhoffen sich sinkende Gesundheitsausgaben, wenn die Bürger bewusster leben und mehr Sport treiben.

Bei der Techniker-Krankenkasse haben sich bereits 210000 Versicherte für das Bonusprogramm eingeschrieben, berichtete Vorstandsmitglied Christoph Straub am Dienstag in Berlin. „Das sind bereits mehr, als wir uns für das gesamte Jahr vorgenommen hatten“, sagte er. Insgesamt sind 5,6 Millionen Menschen bei der TK versichert. Wegen der guten Resonanz würden derzeit neue Angebote entwickelt, sagte Straub.

Auch bei der Barmer Krankenkasse, der mit 7,5 Millionen Versicherten größten Ersatzkasse, ist man „sehr zufrieden“ mit der Resonanz. Bislang seien rund 260000 Kunden für das Bonusprogramm eingeschrieben. Ein Sprecher der Kaufmännischen Krankenkasse Hannover (KKH) erklärte, mit 20000 Anmeldungen bei 1,9 Millionen Versicherten sei das Angebot „sehr gut angenommen worden“. Die KKH sei zuversichtlich, dass sich das Bonusprogramm innerhalb von drei Jahren refinanzieren werde. Die kleinere Gmünder Ersatzkasse (GEK) verzeichnete nach eigenen Angaben den stärksten Zulauf: Rund 20 Prozent der 200000 Mitglieder hätten sich mittlerweile für das Angebot angemeldet. Allerdings sei es „für die nächsten paar Jahre nicht kostendeckend“, wie ein Sprecher einräumte.

Gleichwohl halten die Kassen daran fest, Anfang 2005 die Beiträge weiter senken zu wollen. Die Deutsche Angestellten-Krankenkasse nannte eine Senkung des Beitrags von derzeit 14,7 Prozent um 0,2 bis 0,3 Punkte „realistisch“. Die KKH plant einen Rückgang von 14,4 auf 13,9 Prozent, auch die Barmer und die GEK stellten weitere Senkungen in Aussicht.

Unterdessen haben die Krankenkassen Regierung und Opposition dazu aufgerufen, sich rasch auf eine künftige Zahnersatz-Regelung zu einigen. „Die Zeit drängt. Die gesetzlichen Kassen brauchen eine verlässliche Richtungsentscheidung“, forderten die Spitzenverbände in einer gemeinsamen Erklärung.

Koalition und Union hatten sich bei den Verhandlungen zur Gesundheitsreform Ende 2003 eigentlich darauf geeinigt, den Zahnersatz ab 2005 in eine gesonderte Versicherung auszugliedern, für die jeder Bürger unabhängig vom Einkommen einen Festbetrag bezahlen sollte. Als ihrer Meinung nach sozial ausgewogenere Alternative hatte Ministerin Schmidt vorgeschlagen, einen am Einkommen orientierten Beitrag zu erheben. Dafür sprachen sich nun auch die Kassen aus. Sie müssten ansonsten einen „unnötig teuren Einzeleinzug“ für den Zahnersatzbeitrag jedes Bürgers vorbereiten, hieß es.

Die einkommensabhängige Variante sei im Interesse der Versicherten an einer solidarischen und unbürokratischen Lösung sinnvoll, unterstrichen die Kassen. Wenn die Beiträge wie bisher in der gesetzlichen Krankenversicherung eingezogen würden und nicht als gesonderter Betrag, sei dies zudem kostengünstiger. Nur wenn die Einigung bald erfolge, sei die Umsetzung zum 1. Januar 2005 zu schaffen, mahnte TK-Vorstand Straub.

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