Wirtschaft : Kassenwechsel lohnt sich

Nach Berechnungen der Stiftung Warentest können Versicherte bis zu 500 Euro sparen

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Berlin (pet). Nach Berechnungen der Stiftung Warentest können gesetzlich Versicherte durch einen Wechsel der Krankenkasse mehr als 500 Euro im Jahr sparen. Das geht aus einer Studie der Stiftung hervor, die am Dienstag in Berlin veröffentlicht wurde. Trotzdem rät die Stiftung davon ab, beim Wechsel nur auf den Beitragssatz zu schauen. „Die Beitragssätze sollten nicht das alleinige Kriterium für die Kassenwahl sein“, sagte HermannJosef Tenhagen, Chefredakteur der Zeitschrift „Finanztest“, die das Testergebnis in der Oktoberausgabe abdruckt. In der Studie haben die Warentester Beitragssätze und Leistungen von 172 Krankenkassen verglichen. Die von der Stiftung und der SPD geforderte Mitnahme der Alterungsrückstellungen bei einem Wechsel zwischen privaten Krankenkassen lehnte die Versicherungsbranche unterdessen ab.

In Deutschland sind knapp 90 Prozent der Versicherten gesetzlich versichert, die übrigen sind in einer privaten Krankenkasse. Die Krankenkasse wechseln darf grundsätzlich jeder, der mindestens 18 Monate in einer Kasse versichert ist (siehe Kasten). In eine private Krankenversicherung kann aber nur, wer mehr als 3825 Euro brutto im Monat verdient, Beamter oder Selbstständiger ist.

Oft lohnt sich der Wechsel von einer teuren zu einer billigere gesetzlichen Kasse, hat die Stiftung Warentest ausgerechnet. So könnte ein Versicherter der AOK Berlin – mit einen Beitragssatz von 15,5 Prozent die teuerste Kasse – mit einem monatlichen Einkommen von 3000 Euro brutto im Monat 45 Euro sparen, wenn er in eine besonders günstige Kassen mit 12,5 Prozent Beitragssatz wechselte. Den gleichen Betrag würde auch sein Arbeitgeber sparen, der die Hälfte der Beiträge zahlt. Ein hoher Beitragssatz in der gesetzlichen Krankenversicherung bedeutet nach Angaben von Finanztest-Chefredakteur Tenhagen nicht automatisch auch bessere Leistungen. So verlange die AOK Sachsen nur einen Beitragssatz von 12,9 Prozent, biete aber trotzdem deutlich bessere Leistungen an als die teure AOK Berlin.

Private Kassen für Männer billiger

Auch die Debatte um eine mögliche Bürgerversicherung sollte Patienten nach Meinung der Stiftung Warentest nicht davon abhalten, eine günstigere Kasse oder Privatversicherung auszuwählen. „Es ist derzeit völlig offen, ob und wann eine Bürgerversicherung kommt und wie das Modell künftig aussieht“, sagte Tenhagen.

In dem Vergleich der 172 Krankenkassen waren nur 27, die einen Beitragssatz unter 13 Prozent anbieten, die meisten davon Betriebskrankenkassen. Der durchschnittliche Satz liegt bei 14,4 Prozent. In der privaten Krankenversicherung sind die Beiträge für junge gesunde Männer billiger als in den gesetzliche Kassen. Allerdings wies die Stiftung Warentest darauf hin, dass Privatkassen – anders als die gesetzlichen – die Beiträge regelmäßig erhöhten, und zwar auch dann, wenn das Einkommen des Versicherten sinkt.

Die Stiftung Warentest kritisierte, dass ein Wechsel zwischen Privatkassen kaum möglich sei. Grund: Die individuelle Alterungsrückstellung eines Versicherten könne nicht von einer Versicherung auf die andere übertragen werden. „Das verhindert den Wettbewerb zwischen Unternehmen und sorgt für ein Kuschelkartell der Krankenversicherer“, sagte Tenhagen. Unterstützung erhielt er von der SPD, die in ihrem Entwurf zum Leitantrag für den Parteitag von den Privaten fordert, die Mitnahme von Alterungsrückstellungen bei einem Wechsel zu gewährleisten.

Die privaten Krankenversicherer lehnen das ab. „Im heutigen System ist das nicht möglich“, sagte Wilfried Johannßen, Vorstand der Allianz Private Krankenversicherung, dem Tagesspiegel. Die Altersrückstellungen seien nicht individuell, sondern berechneten sich am Durchschnitt eines Geburtsjahrgangs der privat Versicherten. „Wenn ein Versicherter mit ,gutem’ Risiko die Versicherung wechseln würde, gibt man ihm zu hohe Rückstellungen mit", sagte Johannßen. Die Wahrscheinlichkeit, dass vor allem Gesunden die Versicherung wechselten, sei hoch. Übrig blieben die ,schlechten’ Risiken. Für die verbleibenden Mitglieder müssten die Privaten dann die Beiträge erhöhen. Auch ein Sprecher der Huk-Coburg sagte: „Das Problem ist nicht lösbar.“

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