Katar : Die Bahn geht in die Wüste

Die Deutsche Bahn hat den Vertrag über ein Milliardenprojekt mit dem Wüstenstaat Kartar unterzeichnet.

Heike Jahberg

Berlin – Wovon der langjährige Bahn- Chef Hartmut Mehdorn stets geträumt hat, ist für seinen Nachfolger jetzt Wirklichkeit geworden. Rüdiger Grube unterzeichnete am Sonntag im Wüstenstaat Katar den Vertrag, der am Anfang eines 17-Milliarden-Euro schweren Verkehrsprojektes steht. Zusammen mit der deutschen Bauindustrie soll die Deutsche Bahn ein Schienennetz für den Personen- und Güterverkehr im Emirat am Golf aufbauen. Geplant sind die Anbindung des Flughafens an die Hauptstadt Doha und eine Strecke zur Nachbarinsel Bahrain. Dafür soll ein 40 Kilometer langer Damm gebaut werden.

Der Vertrag sieht die Gründung einer Entwicklungsgesellschaft vor, an der die Bahn-Tochter DB International 49 Prozent hält. Allein die Planungskosten für das Schienennetz sowie den ebenfalls geplanten Bau einer Metro in Doha sollen 700 Millionen Euro betragen. Für Katar sind solche Summen kein Problem. Das Emirat ist zwar nur halb so groß wie Mecklenburg-Vorpommern, gilt aber als eines der reichsten Länder der Welt.

Die Bahn, die im Inland Umsatzrückgänge und die Nachwirkungen des S-Bahn-Chaos in Berlin verkraften muss, kann gute Nachrichten dringend gebrauchen. Das Engagement am Golf helfe, „gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, Arbeitsplätze auch im Inland zu sichern“, freute sich Bahn-Chef Grube.

Der Auftrag aus Katar ist der größte, den die Bahn jemals an Land ziehen konnte. Und er soll nicht der letzte aus der Region sein. Auf der arabischen Halbinsel sind in den kommenden zwei Jahrzehnten Investitionen von einigen hundert Milliarden in neue Eisenbahnstrecken geplant. Die reichen arabischen Ölstaaten hatten bereits Hartmut Mehdorn gelockt. Der frühere Bahn-Chef hatte sich bemüht, mit den Regierungen ins Geschäft zu kommen. Im Gespräch war, die deutsche Magnetbahn Transrapid durch die Wüste schweben zu lassen. Jetzt geht es um konventionelle Schienentechnik – und um Milliardenaufträge für die deutsche Wirtschaft.

Auf die hofft auch Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer, der Grube nach Katar begleitete. „Bei der Planung des Verkehrskonzepts, dem Bau der Infrastruktur, der Lieferung der Fahrzeuge und dem Betreibergeschäft sind für deutsche Unternehmen Milliardenumsätze möglich“, sagte der CSU-Politiker am Sonntag. Für die Infrastruktur kommt Hochtief in Frage, die Züge könnte Siemens liefern und den Betrieb der Strecken will die Bahn übernehmen.

Ramsauer lobte die Bahn in Katar als „Rückgrat der Verkehrsentwicklung“. Doch für einen Börsengang scheint das Rückgrat nicht stark genug zu sein. In der Zeitschrift „Super Illu“ lehnte Ramsauer dieses Vorhaben jedenfalls ab. Die Probleme bei der Berliner S-Bahn zeigten, „wohin es führt, wenn ein Staatsunternehmen zur kurzfristigen Gewinnmaximierung ausgepresst wird“, kritisierte der Minister. Heike Jahberg

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