Katar : Die Bahn legt Schienen für die Scheichs

Der deutsche Staatskonzern bekommt den größten Auftrag seiner Geschichte: Aufbau eines Gleisnetzes in Katar.

Carsten Brönstrup
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Die Bagdadbahn. Schon einmal baute die deutsche Wirtschaft eine wichtige Trasse im arabischen Raum – Anfang des 20. Jahrhunderts...ullstein - ullstein bild

Berlin - Die Deutsche Bahn hat den Zuschlag für einen milliardenschweren Auftrag im Nahen Osten erhalten. Sie soll in Katar ein Schienennetz aufbauen, das sowohl Stadt-, Güter- als auch Fernverkehr umfasst. Das Projekt habe ein Investitionsvolumen für die Bahn- und die Bauindustrie von 17 Milliarden Euro, wie der Tagesspiegel am Freitag erfuhr. Der Konzern hofft, damit Zugang auch zu anderen arabischen Ländern zu bekommen, die ein Schienensystem aufbauen wollen.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) bestätigte, dass er das Projekt am Sonntag zusammen mit Bahn-Vorstandschef Rüdiger Grube in Katar besiegeln wolle. „Das ist beispielhaft für die Außenwirtschaft Deutschlands“, erklärte er. Es gehe um ein „gewaltiges Milliardengeschäft“. Katar mit seinen knapp eine Million Einwohnern gilt als eines der reichsten Länder der Welt.

Geplant ist beispielsweise ein Nahverkehrsnetz in der Hauptstadt Doha. Außerdem soll der dortige Flughafen mit der Innenstadt verbunden werden. Zudem ist eine Hochgeschwindigkeits-Trasse geplant, die über eine Brücke zum Insel-Königreich Bahrain führen soll. Von dort aus wiederum sei der Einstieg in den saudi-arabischen Markt möglich. Die Kosten allein für die Infrastruktur werden auf 14 Milliarden Euro taxiert, die Planung könnte 700 Millionen kosten.

Dafür wollen die Partner eine Gesellschaft namens Qatar Railways Development Company gründen. Daran soll die Bahn 49 Prozent halten, das Emirat 51. „Dadurch reden wir bei der Auftragsvergabe ein entscheidendes Wort mit“, hieß es aus Kreisen des Konzerns. Die Bahn erlangt so im Hinblick auf die deutsche Industrie eine strategisch wichtige Stellung. Die nötigen Fahrzeuge könnten von Siemens geliefert werden, deutsche Baukonzerne könnten die Trassen errichten. Die Bahn will das Netz betreiben.

Bislang gibt es im arabischen Raum nur vereinzelte Strecken, aber kein Gleisnetz. Der Konzern sieht in der Region großes Potenzial. „Überall wird für die Zeit nach dem Öl geplant – wir haben nun eine gute Ausgangsposition dafür“, sagte ein einflussreicher Manager. Bereits seit längerer Zeit verhandeln die Bahn und das Emirat über das Projekt. Seinerzeit hatte Ex-Vorstandschef Hartmut Mehdorn den damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) um Unterstützung gebeten. Die damals vorgesehene Transrapidstrecke wurde mittlerweile aber verworfen.

Auch in Europa brachte die Bahn einen wichtigen Auftrag unter Dach und Fach. Sie gewann erstmals im Ausland eine Ausschreibung für den Schienennahverkehr. Ab Ende 2010 wird sie mindestens zehn Jahre lang in der südschwedischen Region Östergötland S-Bahnen betreiben. Das Gebiet ist etwa so groß wie Schleswig-Holstein. Mit den 18 Zügen, die sie zur Verfügung gestellt bekommt, will die Bahn einen Umsatz von zehn Millionen Euro im Jahr erwirtschaften. Damit untermauere man die Rolle der Bahn als führender Verkehrskonzern Europas, sagte Personenverkehrs-Chef Ulrich Homburg. Auf die Probleme der S-Bahn Berlin sei er in den Verhandlungen nicht angesprochen worden.

Zuletzt war die Bahn in Schweden bei Ausschreibungen gescheitert. Sie ist auch im Personenverkehr zunehmend im Ausland aktiv – in Dänemark betreibt sie Busse, in Großbritannien Regionalzüge. In Deutschland bekommt sie dagegen immer stärker den Wettbewerb zu spüren. Im Regional- wie nun auch im Fernverkehr treten zunehmend ausländische Konkurrenten auf den Plan.

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