Wirtschaft : Katar verdirbt ACS das Geschäft

Durch den Einstieg der Araber bei Hochtief wird eine Übernahme des Baukonzerns für die Spanier teuer

M. Hennes,G. Weishaupt
Das Hoch nach dem Tief. Zuletzt hatte der Baukonzern im Abwehrkampf gegen ACS Niederlagen erlitten – nun wendet sich das Blatt womöglich. Foto: dpa
Das Hoch nach dem Tief. Zuletzt hatte der Baukonzern im Abwehrkampf gegen ACS Niederlagen erlitten – nun wendet sich das Blatt...Foto: dpa

Düsseldorf - Es war ein Geschäftsessen mit Folgen: Vor ein paar Wochen folgte Herbert Lütkestratkötter einer Einladung der Bundesregierung in die Hauptstadt. Zu den Gästen gehörten auch einige Herren aus dem Wüstenstaat Katar. „Ich hatte Gelegenheit, am Rande des Essens mit ihnen zu sprechen“, erzählte der Hochtief-Chef am Montag und präsentiert überraschend Katar als neuen Großaktionär von Deutschlands größtem Baukonzern. Die Katar Holding, die bereits an Porsche und VW beteiligt ist, steigt mit 9,1 Prozent bei Hochtief ein. Sie zahlt rund 400 Millionen Euro im Rahmen einer Kapitalerhöhung unter Ausschluss des Bezugsrechts.

Lütkestratkötter verschafft sich mit der Kapitalerhöhung und dem Einstieg der Araber, die erst kürzlich von der FIFA den Zuschlag für die WM 2022 bekommen hatten, Luft im Abwehrkampf gegen ACS. Zwar darf sich Hochtief noch nicht gerettet fühlen, doch wird es für den spanischen Baukonzern nun langwieriger und teurer, die Mehrheit am Essener Konzern zu erreichen. Durch die Kapitalaufstockung um zehn Prozent sinkt der aktuelle ACS-Anteil von knapp 30 auf 27,3 Prozent – die Spanier müssen also mehr Aktien als geplant kaufen, um die Kontrolle zu erlangen. ACS muss jetzt mehr zahlen, um seinen Anteil zunächst auf über 30 Prozent und langfristig auf über 50 Prozent zu erhöhen. „Für ACS hat sich das Übernahmevorhaben schlagartig verteuert“, sagte Ralf Dörper, Analyst der WestLB. „Ob bereits eine Schmerzgrenze erreicht ist, ist jedoch schwer einzuschätzen.“ Bisher fehlten ACS für das Überspringen der 30-Prozent-Marke 14 000 Euro-Aktien, die aktuell 882 000 Euro kosten. Jetzt benötigen die Spanier 2,1 Millionen Aktien, für die sie 132 Millionen Euro ausgeben müssten.

Zudem könnte der neue Großaktionär die Pläne von ACS durchkreuzen, bereits auf der nächsten Hauptversammlung im Mai 2011 die Stimmenmehrheit zu erreichen und so bei der Wahl des Aufsichtsrats entscheidenden Einfluss auszuüben. Denn die Scheichs dürften bei der Hauptversammlung kräftig mitmischen.

Der Hochtief-Chef Lütkestratkötter bemühte sich gestern klarzustellen, dass die Kapitalerhöhung nicht als reine Abwehrmaßnahme gegen ACS verstanden werden sollte. Reine Abwehrmaßnahmen sind nach dem Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetz (WPüG) verboten – zumindest solange das Übernahmeangebot läuft.

Hochtief hatte, kurz bevor ACS am 16. September ein Übernahmeangebot ankündigte, beschlossen, eine Anleihe über 500 Millionen Euro zu platzieren. „Doch dieser Bond war unter den neuen Bedingungen nicht mehr mit den gleichen Konditionen zu platzieren“, erläuterte Lütkestratkötter.

Hochtief hatte deshalb nach Alternativen gesucht. Im Gespräch war auch eine Wandelanleihe, bei der das Kapital nicht in bar, sondern in Aktien zurückgezahlt wird. Doch diese Pläne wurden auf Eis gelegt.

Den Einstieg der Katar Holding wertet Lütkestratkötter als strategisch wichtige Entscheidung. Hochtief sei bereits mit fünf Tochtergesellschaften in Katar vertreten. So baut Hochtief dort eine riesige Einkaufs- und Geschäftsstraße und eine neue Stadt, die zur Fußball-Weltmeisterschaft 2022 fertiggestellt werden soll.

Vertreter aus Katar kündigten gestern an, die „Stärken von Hochtief, der Großaktionäre einschließlich ACS und anderer Stakeholders“ vereinen zu wollen, um das Unternehmen in eine gute Zukunft zu führen. „Wir wollen ein konstruktiver Vermittler sein und eine Win-Win-Situation für alle erreichen“, sagte Ahmad Mohamed Al-Sayed, Chief Executive Officer der Katar Holding.

An der Börse kam der Einstieg von Katar gut an. Die Hochtief-Aktie stieg um 4,3 Prozent auf 62,68 Euro. Damit verschlechterte sich das Übernahmeangebot der Spanier für die Hochtief-Aktionäre, das den Tausch von acht ACS-Aktien gegen fünf Papiere von Hochtief vorsieht. HB

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