Wirtschaft : „Katrina“ kostet Allianz 470 Millionen Konzern plant Umbau des Deutschlandgeschäfts

Nicole Huss

München - Die Allianz hält trotz der Schäden durch den Hurrikan „Katrina“ und die Überschwemmungen im Alpenraum am Ziel fest, den Gewinn im laufenden Jahr zu verdoppeln. Die Versicherung schätzt ihr Schadenvolumen für die beiden Naturkatastrophen auf insgesamt rund 500 Millionen Euro vor Steuern, davon entfallen allein 470 Millionen Euro auf „Katrina“. Der Konzern rechnet nun damit, dass sich der Jahresgewinn dadurch um etwa 300 Millionen Euro verringern wird. Im August hatte Konzernchef Michael Diekmann für 2005 einen Nettogewinn von mindestens vier Milliarden Euro in Aussicht gestellt. In seinem Deutschlandgeschäft plant der Versicherungskonzern tief greifende Veränderungen. Nach Angaben aus Branchenkreisen sollen Vertrieb und Versicherung künftig getrennt und die Verwaltung gestrafft werden.

Vertreter der Arbeitnehmer befürchten, dass mehrere Zweigniederlassungen geschlossen werden und viele Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen. Über den geplanten Umbau will der Aufsichtsrat an diesem Sonnabend auf einer außerordentlichen Sitzung beraten. Nach Angaben von Arbeitnehmer-Vertretern plant die Allianz, ihr Filialnetz zu straffen und Betreuungsgebiete zusammenzulegen, um Kosten zu senken. „Wir rechnen damit, dass uns da einiges bevorsteht“, sagte ein Betriebsrat dem Tagesspiegel. Es sei sehr wahrscheinlich, dass in der Verwaltung Stellen gestrichen würden. Das Deutschlandgeschäft besteht aus Niederlassungen in Hamburg, Berlin, Leipzig, München, Stuttgart, Frankfurt und Köln. In der Sachgruppe sind 30000 Mitarbeiter angestellt. Zudem gibt es 55000 selbstständige Vertreter.

Nach Angaben aus Branchenkreisen will die Allianz außerdem das Versicherungsgeschäft vom Vertrieb trennen und damit dem Beispiel des Versicherers Axa folgen. Konzernchef Diekmann finde großen Gefallen an einer Struktur, die der eines unabhängigen Finanzvertriebs ähnele, sagte ein Unternehmenskenner. Er verspreche sich davon mehr Transparenz und höhere Gewinne. Axa erprobt dieses Modell bereits bei der Tochter Deutsche Ärzte-Versicherung. Es sieht einen selbstständigen Vertrieb vor, bei dem Vertreter auch Produkte anderer Versicherungen anbieten können.

„Die Allianz würde sich bei einem solchen Modell flexibler bezüglich der Provisionen machen“, glaubt Analyst Carsten Zielke von der WestLB. Bei unabhängigen Vertriebsgesellschaften könne stärker differenziert werden, wie viel der Vertreter bekomme. Das verschärfe aber auch den Leistungsdruck, weshalb die meisten Vertreter dieses Modell ablehnten.

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