Wirtschaft : Katzenjammer zum Jubiläum

CHRISTOPH RABE

Die Asean hat bisher noch keinen Ansatz zur Krisenbewältigung gefundenVON CHRISTOPH RABE

Zum Feiern gibt es nun wahrlich keinen Anlaß.Beim Jubiläumsakt in Kuala Lumpur, zu dem der Asean-Staatenbund Staats- und Regierungschefs aus Japan, China und Südkorea eingeladen hat, ist kritische Nabelschau angesagt.30 Jahre politische und wirtschaftliche Integration in Südostasien wollten die neun Asean-Mitglieder eigentlich gebührend würdigen, stattdessen wird aus der Jubelfeier wohl eher ein Krisengipfel.Noch immer befinden sich die asiatischen Finanzmärkte in einer steilen Abwärtsspirale.Von Thailand, einem der Gründungsmitglieder ging im Sommer der Anstoß aus, und wie die Domino-Steine kippten die Märkte der Region.Mehr als 50 Prozent ihres Wertes büßte allein die Börse von Bangkok ein, den Nachbarn ergeht es kaum besser.Dabei hatte es so gut angefangen.Als Bollwerk gegen den Kommunismus 1967 gegründet, bekannten sich die Gründungsmitglieder der Asean, Indonesien, Malaysia, Thailand, die Philippinen und Singapur, immer stärker zum Abbau von Handelsschranken.Bis zum Jahr 2003 soll in Südostasien eine Freihandelszone für Industrieprodukte entstehen.Beflügelt wurden die ehrgeizigen Entwicklungsziele von hohen Wachstumsraten.Der jahrelange Boom erzeugte in Südostasien einen Heißhunger nach Kapital.Auf Drängen vieler Investoren und in der trügerischen Sicherheit, daß die dynamischen Märkte eigentlich kaum etwas erschüttern könnte, wurde allerdings zuviel Kapital in Immobilien und Infrastrukturprojekte gepumpt.Ein koordinerter Aufbau von wettbewerbsfähigen Industriezweigen unterblieb derweil.Die Komplementarität der Wirtschaftstrukturen in Südostasien stellt den Planungsbehörden kein gutes Zeugnis aus.Daran ändert auch die langsam gewachsene Erkenntnis nichts, daß mehr Wettbewerb untereinander jene Nachfrage ersetzen soll, die durch steigende Löhne und höhere Kosten aus dem Ausland abzuschmelzen drohte.Durch aktives Krisenmanagement haben sich die gebeutelten Asean-Staaten in der aktuen Finanzkrise noch nicht ausgezeichnet.Ihr Wortführer, der malaysische Premier Mahathir, erging sich stattdessen in Schuldzuweisungen an internationale Spekulanten.Zu befürchten ist, daß Selbsterkenntnis auch in Kuala Lumpur nicht zur obersten Tugend wird.Stattdessen braut sich in Südosasien eine Front gegen den Retter in der Not, den Internationalen Währungsfonds, zusammen.Dessen Auflagen, so tönt es immer unverhohlener, troêkene durch Liquiditätsengpässe nun auch noch die gesunden Unternehmen aus.Befürchtungen, die Finanzkrise sei in Asien noch längst nicht ausgestanden, finden von Tag zu Tag neuen Nährboden.Gleichzeitig warten Schnäppchenjäger nur noch auf den richtigen Zeitpunkt zum Zugreifen.Noch nie waren Asiens Konzerne so billig.Sollte es jedoch zu einer groß angelegten Übernahmewelle kommen, so dürften sich vor allem jene Politiker bestätigt fühlen, die schon immer Mißtrauen vor einer starken Öffnung und den Auswirkungen der Globalisierung gesät haben.Prügel für die USA oder Europa, die nach Ansicht mancher Asiaten zuviel Druck auf die Einhaltung von Menschenrechten ausüben, in der Stunde der Not aber nur halbherzig einspringen oder sogar vom Niedergang profitieren können, sind jedoch kontraproduktiv.Die Regierungschefs der Asean sollten sich gemeinsam mit den Kollegen aus Tokio, Peking und Seoul überlegen, wie sie eigenverantwortlich durch eine sinnvollere Wirtschaftspolitik zur Stabilisierung der Märkte beitragen können, anstatt nach Sündenböcken außerhalb Ausschau zu halten.

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