Wirtschaft : Kauderwelsch der Zocker

SUBPRIME-MARKT



Auslöser der Finanzkrise sind Hypothekenkredite, die an Bauherren in den USA mit geringer Kreditwürdigkeit vergeben wurden. Dabei köderten Baufinanzierer und Banken eigenkapitalschwache Amerikaner mit extrem niedrigen, aber während der Vertragslaufzeit flexiblen Zinsen. Die Rede ist von einem Kreditvolumen in diesem Segment in Höhe von 1,2 Billionen Dollar. Der Anstieg der Zinsen und der Verfall der Häuserpreise führten dazu, dass viele Hausbesitzer ihre Kredite nicht zurückzahlen konnten. Viele Hypothekenfinanzierer brachen zusammen.

DERIVATE

Diese Finanzprodukte werden von den zugrunde liegenden, klassischen Basisinstrumenten (wie zum Beispiel Aktien, Anleihen oder Gold) abgeleitet und mit einem eigenen Wert versehen. Auch Forderungen und die damit verbundenen Rückzahlungsrisiken können Grundlage für ein Derivat sein.

ASSET-BACKED SECURITIES (ABS)

ABS steht als englische Abkürzung für durch Forderungen (Asset) gedeckte (Backed) Wertpapiere (Securities). Die sogenannte Verbriefung von Forderungen und der Weiterverkauf dieser Zertifikate erlaubt Banken, Kreditrisiken aus ihrer Bilanz abzugeben – meist an Hedgefonds, Finanzinvestoren und andere Banken. ABSSchuldscheine können mit Forderungen jeglicher Art gesichert sein: Kreditkartenzahlungen, Lizenzgebühren, Lieferantenkredite oder Hypotheken.

MORTGAGE-BACKED SECURITIES (MBS)

ABS-Anleihen, die ausschließlich mit Hypotheken gesichert sind. Der weltweite Handel mit diesen Derivaten führte dazu, dass sich die Krise auf den US-Immobilienmärkten so schnell auf die Finanzmärkte ausdehnen konnte. Die US-Hypothekenbanken haben die Kredite in Paketen gebündelt und weiterverkauft. Die Pakete waren unterschiedlich zusammengesetzt, beinhalteten unterschiedliche Risiken und Kredite, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten zur Rückzahlung fällig oder gefährdet sind.

COLLATERALIZED DEBT OBLIGATIONS

CDOs bündeln verschiedene Kredittranchen, die nach ihrer Bonität gestaffelt sind, also nach der Zahlungsfähigkeit der entsprechenden Schuldner. Ratingagenturen bewerten diese Pakete und vergeben Noten – meist bessere als für die jeweiligen Einzelkredite. Die Renditen für die Investoren, die diese Papiere kaufen, sind meist höher als für Staatsanleihen.

RATINGAGENTUR

Die wichtigsten Anbieter sind Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch. Sie beurteilen die Kreditwürdigkeit (Bonität) von Firmen und Ländern. Die in Buchstabenkombinationen formulierten Noten reichen von „AAA“ beziehungeweise „Aaa“(beste Qualität) bis „D“ (zahlungsunfähig). Die Macht der Ratingagenturen wird kritisiert, ihre Rolle in der Krise ist umstritten, weil sie frühzeitig vor den Risiken des Subprime-Marktes hätten warnen müssen.

HEDGEFONDS

Im Unterschied zu Beteiligungsgesellschaften (Private-Equity-Fonds) investieren Hedgefonds vor allem in Wertpapiere, seltener in Unternehmen. Ihr kaum reguliertes Geschäft zielt auf eine möglichst hohe Rendite – egal, ob die Kurse steigen oder fallen. Weltweit sollen Hedgefonds rund zwei Billionen Dollar verwalten. Fonds, die in Subprime-Zertifikate investiert haben, haben hohe Verluste erlitten. Zusätzlich forderten die Banken mehr Sicherheiten.

GELDMARKT

Die plötzliche Risikoscheu der Banken und Hedgefonds führte auf dem Geldmarkt, wo sich Banken kurzfristig gegenseitig Geld leihen, zu einem Engpass. Wegen der Subprime-Krise zögerten die Institute, Gelder bereitzustellen. Zum einen horten sie ihre Bestände, um im Falle einer Ausweitung der Krise flüssig zu bleiben. Zum anderen rätseln sie, welche Bank von den Zahlungsausfällen im Hypothekenmarkt betroffen ist. Um den Geldmarkt flüssig zu halten, pumpten Notenbanken zuletzt mehrere hundert Milliarden Euro in den Markt. mot/dr

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