Wirtschaft : Kauermann sucht Käufer für die Grundkreditbank

BERLIN (dr). Am Freitag soll die Vertreterversammlung der Berliner Volksbank den Weg für die Fusion der Volksbank mit der Grundkreditbank-Köpenicker Bank (GKB) zur neuen Berliner Volksbank endgültig freimachen. Schon im Herbst sollen dann die Pflöcke für die Positionierung des neuen Instituts am Berliner Markt eingeschlagen sein. Dies sind die Pläne von Karl Kauermann, derzeit noch Vorstandsvorsitzender der GKB und künftig wohl auch der Vorstandsvorsitzende der Berliner Volksbank. Bis alle Pläne dann auch umgesetzt seien, könnten allerdings nochmals rund drei Jahre ins Land ziehen, so Kauermann gegenüber dem Tagesspiegel. Er sieht in der Zusammenführung der beiden Institute kein so großes Problem. Volksbank und GKB hätten sich zwar unterschiedlich im Markt dargestellt, die Kundenstrukturen seien jedoch nicht so inhomogen, wie manchmal angenommen.

Das neue Institut soll eine eigenständige Vollbank bleiben, und sich auf den Standard-, den gehobenen Privatkunden sowie den gewerblichen Mittelstand konzentrieren. Doch "wir werden uns stärker auf die Vertriebsfunktionen konzentrieren und akquirieren", so Kauermann. Spezielle Produkte sollen künftig von der DG Bank kommen, auch sei denkbar, daß dort ein Großteil der Abwicklung betrieben werde. Möglich sei schließlich, daß die Berliner Volksbank künftig die Abwicklung auch für andere Institute betreibe. Großkunden werden in Zukunft in Arbeitsteilung mit der DG Bank betreut. Zwar wird diese Umstrukturierung Stellen kosten, doch denkt er auch an umfangreiche Investitionen. An rund 20 Orten in der Region wird das neue Institut mit zwei Filialen vertreten sein. Hier werde es sicherlich zu einer Bereinigung kommen. Gleichzeitig soll das Filialnetz aber um bis zu 35 Geschäftsstellen erweitert werden. Diskutiert werde auch ein Angebot für das Wertpapiergeschäft via Internet, Call-Center und schließlich Vertriebsstellen etwa auf S-Bahnhöfen. Die Grundkreditbank soll in Zukunft auf eigene Verantwortung das Immobiliengeschäft übernehmen. Sie soll nicht nur organisatorisch sondern auch rechtlich selbständig werden. Kauermann denkt auch daran, in das aus der neuen Volksbank ausgegliederte Institut Partner aus dem Genossenschaftsbereich hereinzunehmen, Anteile an der GKB zu verkaufen. "Wir werden die Gesellschafterstruktur verbreitern", so Kauermann. Allerdings soll das Institut keine Projektentwicklung mehr betreiben sondern sich auf die langfristige Finanzierung konzentrieren. Hier ist die GKB bereits im vergangenen Jahr ein gutes Stück vorangekommen. Lag der Anteil des langfristigen Darlehensgeschäft 1997 noch bei rund 18 Prozent, ist er im vergangenen Jahr auf rund 38 Prozent gestiegen. Der Anteil der Projektfinanzierungen verminderte sich im gleichen Zeitraum von 82 auf 62 Prozent.

Und der mögliche neue Vorstandsvorsitzende sieht die wirtschaftliche Zukunft positiv. Die Zinsspanne der Grundkreditbank habe sich bereits deutlich gebessert. Da sich zudem der Genossenschaftsverband bereitgefunden hat, alle Altrisiken, die bei den beiden Banken vor der Fusion bestanden, abzudecken, kann das neue Institut unbeschwert starten. Dies läßt Kauermann natürlich auch über die Zukunft der Sicherungseinrichtung des Verbandes nachdenken. Ihm schwebt eine Staffelung der Beiträge der einzelnen Genossenschaftsbanken vor. Im Klartext: Wer höhere Risiken in die Bücher nimmt, soll in Zukunft auch höhere Beiträge zahlen müssen. "Die Beträge müssen nach der Qualität der Risikostreuung berechnet werden", fordert Kauermann. Dies bedinge natürlich auch in irgendeiner Form ein externes Controlling und möglicherweise auch ein Instituts-Ranking.

Wie geht es weiter auf der Führungsebene der neuen Bank? Kauermann gibt sich außerordentlich zurückhaltend. Die erste Führungsebene sei benannt, doch Namen bleiben vorerst tabu. Alle derzeitigen Vorstände der beiden Banken werden auch Vorstandsmitglieder des neuen Instituts, aber mittelfristig wird sich ihre Zahl wohl verringern. Neu in den Aufsichtsrat sollen Harald Joachim Joos (Schindler), Bedo Panner (DG Bank), Dietmar Winje (Bewag) und Fred-Raimund Winkler (Berliner Baugenossenschaft) gewählt werden.

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