Kaufabsichten : Buffett will deutsche Familienunternehmen kaufen

Die amerikanische Investoren-Legende Warren Buffett umwirbt deutsche Familienunternehmen und den Mittelstand. Der laut "Forbes"-Liste reichste Mann der Welt wird in wenigen Wochen Deutschland bereisen.

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Warren Buffett: "Wir wollen auf ihrem Radar sein." -dpa

Omaha/New YorkMit seiner riesigen Firmenholding Berkshire Hathaway sei er an Zukäufen in Deutschland interessiert, sagte der Multimilliardär Warren Buffett am Samstag in Omaha (Nebraska). "Wir wollen auf ihrem Radar sein". Bei einer Reise in einigen Wochen wird der 77-Jährige Deutschland und drei andere europäische Länder besuchen und für Übernahmen werben.

  "Orakel von Omaha"

Bei der wie stets enormes Aufsehen erregenden Hauptversammlung seiner börsennotierten Gesellschaft warnte Buffett vor sinkenden Gewinnen. Die Renditen der vielen eigenen Firmen und umfangreichen Aktienbeteiligungen würden wohl nicht mehr so hoch ausfallen wie in den vergangenen Jahrzehnten. "Wer von uns praktisch eine Wiederholung der Vergangenheit erwartet, sollte die Aktie verkaufen", sagte Buffett. Berkshire Hathaway mit Sitz in Omaha zählt zu den erfolgreichsten Investmentfirmen aller Zeiten. Buffett selbst ist laut "Forbes"-Liste der reichste Mann der Welt.

Zur Hauptversammlung pilgerten am Samstag erneut mehr als 30 000 Aktionäre aus Amerika und aller Welt nach Omaha. Für unzählige Anleger ist Buffett, den sie gern "Orakel von Omaha" nennen, eine Kultfigur - nicht zuletzt weil er viele von ihnen reich machte. Die Berkshire-Aktie ist das teuerste Papier an der Wall Street mit einem Kurs von von zuletzt 133.600 Dollar (86.600 Euro). Bei Buffetts Übernahme der kleinen Textilfirma Berkshire Hathaway im Jahr 1962, dem Beginn seiner Erfolgsgeschichte, hatte die Aktie sieben Dollar gekostet. Buffett führte allerdings nie einen Aktiensplit durch. Stattdessen schuf er eine eigene Aktienklasse für Kleinanleger, die für ein Papier aber heute auch bereits 4448 Dollar hinlegen müssen.

Überraschende Verluste im ersten Quartal

Im ersten Quartal dieses Jahres brach der Berkshire-Gewinn jedoch überraschend wegen Milliardenverlusten mit Derivaten und eines schwächeren Versicherungsgeschäfts um fast zwei Drittel ein. Unter dem Strich verdiente die Gesellschaft 940 Millionen Dollar, teilte sie vor der Hauptversammlung mit. Der Umsatz sank im Vergleich zum Vorjahresquartal um fast ein Viertel auf 25,2 Milliarden Dollar.

Ende März hatte die Gesellschaft knapp 36 Milliarden Dollar liquide Mittel in der Kasse - zum Beispiel für mögliche Zukäufe. Er würde sich freuen, wenn mehr deutsche Unternehmerfamilien bei einem Verkauf Berkshire Hathaway in Betracht zögen, sagte Buffett. "Wenn ihnen ihr Geschäft wichtig ist, dann sind wir die beste Adresse."

Sein Vermögen will er stiften

Berkshire kontrolliert mehr als 70 Tochterfirmen, die meisten davon in den USA. Zur Palette zählen Versicherungsriesen, Versorger, Restaurantketten, Textilfirmen und Großhandelskonzerne. Berkshire hält zudem milliardenschwere Aktienpakete von Giganten wie Coca-Cola, Procter & Gamble und American Express. Auch an der erst vergangene Woche verkündeten Übernahme des weltgrößten Kaugummiherstellers Wrigley durch den Süßwarenriesen Mars beteiligte sich Buffett.

Buffett besitzt laut der Rangliste des US-Wirtschaftsmagazins "Forbes" ein Vermögen von 62 Milliarden Dollar und liegt damit an der Spitze der Superreichen dieser Welt. Er hat allerdings fast sein gesamtes Vermögen der Stiftung von Microsoft-Gründer Bill Gates und dessen Frau Melinda zugesagt. Sie engagieren sich mit der 1994 gegründeten Stiftung weltweit im Kampf gegen Ungleichheit, Armut und Krankheiten wie Aids oder Tuberkulose. (th/dpa)

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