KAUFEN oder NICHT : Björk statt Hollywood

Stefan Kaiser testet eine Videobrille

Stefan Kaiser

„Mobiles Kino für unterwegs“, „die Lieblingsfilme immer dabei“ – die Werbung für den Cinemizer klingt vielversprechend. Schon male ich mir vor meinem inneren Auge aus, wie ich mir die fünfstündige Zugfahrt nach Köln mit einer ganzen Staffel „Stromberg“ verkürze – oder mit eineinhalb „Der Pate“-Filmen. Doch vor meinem äußeren Auge tut sich erst einmal wenig. Denn das Unternehmen Kinovergnügen will gründlich vorbereitet sein. Zunächst muss ich die klobige, rund 370 Euro teure Brille aufladen. Dazu hat der Hersteller Carl Zeiss ein USB-Kabel mitgeliefert, das sich an den Laptop anschließen lässt. So weit, so gut. Zwei Stunden später ist der Akku voll. Als viel größeres Problem entpuppt sich die Frage, wo ich den Film herbekomme. Denn der Cinemizer ist vor allem auf das Zusammenspiel mit Apples iPod ausgerichtet. Und der ist in seinen neuesten Versionen (iPod Touch, iPod Classic, iPod Nano) zwar prinzipiell videotauglich. Auf legale Art und Weise einen Kinofilm daraufzuspielen ist aber eher schwierig. Denn das Kopieren von kopiergeschützten DVDs ist verboten – und im deutschen iTunes-Store gibt es bisher nur Musikvideos und einige Kurzfilme zu kaufen.

Enttäuscht lade ich mir ein Musikvideo der isländischen Sängerin Björk runter – das gibt es gerade im Sonderangebot, und irgendwie muss ich ja herausfinden, ob der Cinemizer überhaupt funktioniert. Er tut es. Der Blick in die Brille ist zunächst gewöhnungsbedürftig, weil die beiden Bildschirme vor den Augen zu einem Gesamtbild zusammengesetzt werden. Laut Hersteller hat man so eine imaginäre Leinwand vor Augen, die einer Diagonalen von 115 Zentimetern in zwei Meter Entfernung entspricht.

Die Bildqualität ist ansehnlich – soweit sich das bei dem düsteren Video, das ich ausgewählt habe, beurteilen lässt. Glücklicherweise hat der Hersteller auch an Brillenträger wie mich gedacht: Für jedes Auge lässt sich eine Sehstärke von +3,5 bis -3,5 Dioptrien individuell einstellen. Auch der Sound klingt gut. Die Kopfhörer lassen sich vom Brillenbügel abklappen und auf die richtige Position einstellen. Auch für fast jede Nasenform ist der passende Bügel dabei. Freilich muss man in Kauf nehmen, dass man mit so einer Brille im Gesicht aussieht wie Geordi LaForge aus dem Raumschiff Enterprise und in der Öffentlichkeit entsprechend irritiert angeschaut wird. In der S-Bahn auf dem Weg zur Arbeit ist der Cinemizer deshalb nur für Mutige zu empfehlen. Besonders dann, wenn man die Gefühle der Filmhelden gerne aktiv mit durchlebt.

Nach vier Minuten ist Schluss. Das Video ist zu Ende und damit auch mein Spaß am Cinemizer. Die Enttäuschung über die entgangenen Kinofilme und Serien gewinnt wieder die Oberhand. Ob der Akku wirklich vier Stunden hält, will ich deshalb lieber nicht mehr ausprobieren.

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