Kaufen oder nicht : Die Zeichen der Zeit

Sebastian Leber testet einen Tattoo-Ärmel

Sebastian Leber
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Foto: Kai-Uwe Heinrich

Schnell, schmerzlos, sexy. So wirbt Hersteller Maskworld für seine „Original Tattoo Skins“ – Kunststoffärmel mit großflächigem Tätowierungs-Aufdruck. In Amerika sind die angeblich schon Trend. Die Auswahl fällt angesichts der vielen ästhetischen Motive nicht leicht: Modell „Bandit“ ziert ein Totenkopf, „Gangsta“ ein Totenkopf mit Revolver, „Seemann“ überrascht mit Schiff und barbusiger Frau. Ich nehme „Dragon Master“, der rotgeschuppte Drache windet sich über den ganzen Arm. Erster Eindruck: angenehm warm, das kommt von 80 Prozent Polyester und 20 Prozent Elasthan. Den Übergang zum Handgelenk sollte man mit einer Armbanduhr verdecken. Dann der Alltagstest. In der Kneipe ziehe ich Blicke auf mich, überwiegend wohlwollende. Der Busfahrer sagt nichts, der hat schon Schlimmeres gesehen. Die Kassiererin bei Kaiser’s will weiter wissen, ob ich Treueherzen sammle. Keiner zweifelt an der Echtheit, doch der härteste Test folgt Heiligabend. Kann der Ärmel vor meiner Mutter bestehen? Sie hält sich die Hand vors Gesicht, dann sagt sie: „Interessant.“ Die Kunsthaut gibt’s für 14,90 Euro bei www.maskworld.com. Ideal für Teilzeit-Prolos, 30-Jährige ohne Bartwuchs und alle, die 2030 nicht aussehen wollen wie Ozzy Osbourne. Fortgeschrittenen seien die künstlichen Schürfwunden ans Herz gelegt.

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